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Ein flaches Hochdruckgebiet über Mitteleuropa bestimmt momentan die Wettersituation im Alpenraum. Die Luft ist in den mittleren und höheren Luftschichten recht trocken, was den meisten Gebieten in unserem Land sonniges Wetter beschert. Gleichzeitig begünstigt die nächtliche Abstrahlung jeweils die Abkühlung der bodennahen Luftschichten und damit die Nebelbildung in den Niederungen. 

Wetterlage am am Dienstag, 3. März 2026 um 09 UTC, dargestellt ist der auf Meeresniveau reduzierte Luftdruck und der Wind als Fiedern ab 10 KT Stärke, im Hintergrund das (True Colour RGB) Satellitenbild. Vom Norden Spaniens über die Pyrenäen hinweg ostwärts bis nach Südfrankreich dehnt sich ein Schwall mittelhoher und hoher Bewölkung, angereichert mit Saharastaub aus. Die nordwestlichen, zentralen und östlichen Teile Europas inklusive Alpenraum präsentieren sich wolkenlos, von ein paar lokalen Nebelfeldern einmal abgesehen.
Wetterlage am am Dienstag, 3. März 2026 um 09 UTC, dargestellt ist der auf Meeresniveau reduzierte Luftdruck und der Wind als Fiedern ab 10 KT Stärke, im Hintergrund das (True Colour RGB) Satellitenbild. Vom Norden Spaniens über die Pyrenäen hinweg ostwärts bis nach Südfrankreich dehnt sich ein Schwall mittelhoher und hoher Bewölkung, angereichert mit Saharastaub aus. Die nordwestlichen, zentralen und östlichen Teile Europas inklusive Alpenraum präsentieren sich wolkenlos, von ein paar lokalen Nebelfeldern einmal abgesehen.

In den nordöstlichen Regionen der Schweiz hat sich spät in der Nacht auf den Dienstag, 3. März Nebel gebildet. Mit einer Obergrenze auf lediglich 500 bis 600 m ü. M. war dieser Nebel wenig «mächtig», so dass der helle Vollmond meist durch den Nebel sichtbar war. 

Auf den folgenden Diagrammen sind die Zeitreihen der Temperatur und des Taupunkts auf 2 Meter sowie die Temperatur auf 5 Zentimeter über Boden dargestellt, gemessen am Flughafen Zürich-Kloten auf 426 m ü. M. Die Kurven erzählen uns einige Details über die Geschichte dieser Nebelphase. Zum Wechseln der beiden Diagramme bitte hin und her wischen.

Am späten Nachmittag des Vortages schien die Sonne und wärmte die Temperatur der Luft auf 5 Zentimetern über dem Erdboden (schwarze Kurve) auf fast 20°C auf, während auf der Messhöhe von 2 Metern (rote Kurve) eine Temperatur von rund 12°C herrschte (1). Der Taupunkt auf 2 Metern, ein Mass für den Feuchtegehalt der Luft, war mit rund 3°C deutlich tiefer. 

Um 18 Uhr Lokalzeit (17 UTC) ging die Sonne unter. Der Erdboden kühlte sich rasch ab und mit ihm die Luft, die unmittelbar über diesen hinweg strich, wie im steilen Abfall der Temperaturkurve auf 5 Zentimetern ersichtlich (2). Die Abkühlung der Luft auf 2 Metern erfolgte anfangs noch nicht mit der gleichen Intensität, wie auf 5 Zentimetern. Erst im Verlauf des späteren Abends verläuft die Abkühlung auf beiden Messhöhen «im Gleichschritt», wobei die Temperatur auf 5 Zentimetern während der gesamten Nacht stets 2 bis 5 Grad tiefer war als auf 2 Metern. Dies ist in Nebelnächten nicht immer der Fall, wie wir in einem zweiten Beispiel weiter unten sehen werden. 

Um etwa 20 Uhr (19 UTC) unterschritt die Temperatur auf 5 Zentimetern die Marke von 3°C, welche der Taupunkt auf 2 Metern noch für ein paar weitere Stunden aufwies (3). Auf der Messhöhe von 5 Zentimetern haben wir keine Feuchtemessung zur Verfügung. In erster Näherung können wir jedoch annehmen, dass bis zu diesem Zeitpunkt der Feuchtegehalt auf 5 Zentimetern Höhe über Boden ungefähr ähnlich hoch war, wie auf derjenige auf 2 Metern, angezeigt durch unsere Taupunktkurve im Diagramm. Übrigens, unter den gegebenen Bedingungen entspricht ein Taupunkt von 3°C einer Menge von rund 5 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft. Um die Diskussion einfach zu halten, bleiben wir aber in der Folge beim Taupunkt als Feuchtemass. Spätestens ab diesem Moment, als die Bodentemperatur unter den Taupunkt fiel, begann sich am Boden Tau abzusetzen. Dadurch wurde der Luft kontinuierlich Wasser entzogen, was die Nebelbildung verzögerte. Die Temperatur auf 5 Zentimetern sank im Verlauf der Nacht weiter gegen -5°C, wobei nun auch Reif abgelagert wurde bzw. ein Teil des bereits am Boden deponierten Tauwassers gefror. 

Blick vom Beobachterhaus am Flughafen Zürich-Kloten südostwärts über das Flughafengelände hinweg kurz vor Tagesanbruch um 06:00 Uhr. Der zu diesem Zeitpunkt bereits anwesende Beobachter meldete Nebel bei einer Sichtweite von 250 m.
Blick vom Beobachterhaus am Flughafen Zürich-Kloten südostwärts über das Flughafengelände hinweg kurz vor Tagesanbruch um 06:00 Uhr. Der zu diesem Zeitpunkt bereits anwesende Beobachter meldete Nebel bei einer Sichtweite von 250 m.

Ab 04 Uhr erreichte die Temperatur auf 2 Metern Höhe den Wert des Taupunktes, was gleichbedeutend ist mit Sättigung der Luft bzw. der Bildung von Nebel ist (4). Der Boden kühlte in der Folge nicht mehr weiter ab. Die Temperaturkurve auf der Messhöhe von 5 Zentimetern stagnierte bei 
-4 bis -5°C, denn obwohl der Nebel sehr dünn war, vermochte er die weitere Abkühlung des Bodens zu verhindern. Er wirkt als «isolierende» Schicht gegenüber weiteren Energieverlusten durch Abstrahlung. 

Kurz nach Sonnenaufgang um 07 Uhr begannen sämtliche Kurven zu steigen (5). Neuerlich war es die Temperatur auf 5 Zentimetern über Boden, die stärker auf die einfallende Sonnenstrahlung reagierte als diejenige auf 2 Metern. Ein Teil der verfügbaren Sonnenenergie stand zur Erwärmung der Luft zur Verfügung. Ein nicht unwesentlicher Teil wurde jedoch noch bis kurz nach 10 Uhr benötigt, um den Reif am Boden zu schmelzen und anschliessend zu verdunsten, bzw. das gefrorene Wasser direkt aus der Eisphase zu Wasserdampf zu sublimieren. Die Taupunktkurve stieg deshalb noch länger parallel zur Temperaturkurve an und hielt die Sättigung aufrecht, bis der Nachschub von Wasser aus dem «Reservoir» am Boden zum Erliegen kam. Nun stand die gesamte kurzwellige Strahlung der Sonne für die weitere Erwärmung der Luft zur Verfügung und der Nebel löste sich zügig auf (6). Diese veränderten Energieflüsse erklären auch die unterschiedlich steil verlaufenden Temperaturkurven vor bzw. nach ungefähr 10:30 Uhr sowohl auf der Messhöhe von 5 Zentimetern als auch auf 2 Metern Höhe über Boden. Der Beobachter auf seinem Beobachtungsposten am Ende der Pisten 32 bzw. 34 bestätigte die Nebelauflösung genau zu diesem Zeitpunkt. 

Auf die «Nebel-Mächtigkeit» kommt’s an

Vergleichen wir die Kurvenverläufe der aktuellen Nacht mit der Situation vom 5. auf den 6. November 2025. Auch damals bildete sich nach einem sonnigen Nachmittag in der folgenden Nacht Nebel. Die Temperatur auf 5 Zentimetern stieg damals aber schon früh in der Bildungsphase des Nebels an, was darauf hindeutet, dass der Nebel eine grössere «Mächtigkeit» hatte und den Erdboden nicht nur isolierte, sondern durch langwellige, aus der Nebelschicht zum Erdboden hin gerichtete Gegenstrahlung erwärmen konnte. Tatsächlich zeigen Webcam Archivbilder dichten Nebel, dessen Obergrenze rasch bis auf eine Höhe von rund knapp 700 m ü. M. anstieg. 

Die Verläufe von Taupunkt und Temperatur zeigen ausserdem, dass schon sehr früh am Abend des 5. Novembers Sättigung eintrat. Der Nebel bildete sich also deutlich früher im Verlauf der Nacht und hatte somit mehr Zeit, um dichter zu werden und in der Vertikalen zu wachsen als im aktuellen Fall der Nacht vom 2. auf den 3. März 2026. 

Die Tatsache, dass bei dichter Bewölkung in der Nacht die Temperatur am Boden ungefähr gleich oder sogar höher ist, als auf 2 Metern kann man sich zunutze machen, um auf die Anwesenheit von (dichtem und hinreichend mächtigem) Nebel zu schliessen. Satellitenbilder liefern diese Information zwar meist mit grösserer Präzision, doch manchmal verhindern Schleierwolken den Blick vom Weltall auf die tiefen, bodennahen Luftschichten unmittelbar über dem Erdboden. In solchen Momenten sind wir Meteorologen froh um jede alternative Detektionsmöglichkeit und verfolgen aufmerksam diese Verläufe der Temperatur- und Taupunktkurven, um die Nebelentwicklung zu antizipieren.