Die Frontenkarte von heute Mittwoch sieht auf den ersten Blick eher unspektakulär aus. Das Hoch Lukas mit Kern über Nordpolen war heute im Allgemeinen wetterbestimmend und sorgte, abgesehen von morgendlichen Hochnebelfeldern für überwiegend sonniges Wetter.

Auffällig sind aber die dicht gedrängten Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) über Mitteleuropa: Aufgrund des kräftigen Druckgradients (über 1030 hPa in Polen, 1010 hPa an der Westküste Frankreichs) wehte im Flachland eine kräftige Bise. Dies zeigt sich auch in den Windmaxima der vergangenen 24 Stunden. Im Mittelland wurden verbreitet Böenspitzen zwischen 50 und 70 km/h gemessen.

Was man aber basierend auf der oben gezeigten Frontenkarte eher nicht erwarten würde sind die Sturmböen, welche in den Alpen gemessen wurden. Der nur für einige Stunden auftretende, föhnige Südostwind erreichte im Laufe des Vormittags auf den Gipfelstationen der zentralen und westlichen Alpen Böenspitzen von 100 bis 110 km/h. An der Wetterstation «Russisprung» des SLF am Lauberhorn wurde mit «Guggiföhn» sogar eine Böe von 150 km/h gemessen

Um zu verstehen, wie es zu diesem stürmischen Föhnstoss kam, müssen wir uns die Wetterkarten in den mittleren Schichten der Troposphäre anschauen.
Die Animation des Geopotentials auf 500 hPa (Luftdruckverteilung auf rund 5500 m Höhe) zeigt, wie im Tagesverlauf eine akzentuierte Trogachse eines (Höhen-)tiefs über dem Mittelmeer einmal von Ost nach West über die Alpen schwenkte.

Damit drehte die Strömung in der Höhe rasch von Nord auf Ost. Die Trogachse ist in den Satellitenbildern durch einen scharfen Übergang zu wolkenlosen Bedingungen markiert.


Mit der Drehung des Höhenwinds auf östliche Richtung wurde in den mittleren Schichten deutlich kühlere Luft aus Osten herangeführt und an die (westliche) Alpensüdseite gedrückt. Damit baute sich über den westlichen Alpen auf Kammniveau ein markanter Druckgradient auf. Dies ist besonders gut an der 3-stündigen Drucktendenz zwischen 7 und 10 Uhr Lokalzeit zu sehen (Abbildung rechts).

Der Druckanstieg südlich der Alpen in Kombination mit der östlichen bis südöstlichen Höhenströmung reichte aus, dass der Wind am Alpenhauptkamm und zum Teil auch in den Föhntälern vorübergehend stürmisch auffrischte. Bereits am Mittwochnachmittag und Abend baut sich der Gradient wieder ab und der Föhn schläft allmählich wieder ein.