Bei ausreichend starkem Bodenwind wird in der Sahara in grösseren Mengen Mineralstaub aufgewirbelt. Unter geeigneten Bedingungen wird dieser in höhere Luftschichten verfrachtet und anschliessend mit den Höhenwinden nach Mitteleuropa transportiert. Im aktuellen Fall ist das Tief «Regina» für das Aufwirbeln von Saharastaub und den Transport Richtung Alpenraum verantwortlich.

Das Tief «Regina» befand sich zu Wochenbeginn über dem subtropischen Atlantik nordwestlich von Marokko. Seither hat es sein Zentrum ostwärts Richtung Marokko verlagert und vorderseitig mit teils kräftigen südlichen Bodenwinden Staub aufgewirbelt. Im eingangs gezeigten Satellitenbild ist die erhöhte Saharastaubkonzentration einerseits direkt visuell und andererseits indirekt durch spezifische Bewölkungsmuster erkennbar.

Bis am Freitag weitet sich die Tiefdruckzone über Südwesteuropa aus und führt vorderseitig in der Höhe feuchtere Luft zur Schweiz. Die offene Quizfrage lautet nun: Sind es lediglich meist dünne Cirren oder dichte Cirrocumuluswolken?
Weil Saharastaub als Kondensationskeim zur Bildung von Eiskristallen dienen kann, beeinflusst Saharastaub zum einen vorhandene Cirrus-Wolken und kann zum anderen sogar dazu führen, dass solche Eiskistallwolken überhaupt erst entstehen.
Im Zusammenhang mit Saharastaub hat sich der Begriff «dusty cirrus» eingebürgert. Damit werden ausgedehnte und kompakte, mit Saharastaub angereicherte Cirrocumuluswolken bezeichnet, die keine oder kaum noch Sonnenstrahlung hindurchlassen. Auf Satellitenbilder treten sie bei Tagesanbruch oftmals durch die typische gerippelte Oberflächenstruktur in Erscheinung.

Nebst der offensichtlichen Trübung der Luft mit entsprechenden Sichteinschränkungen verursacht der Saharastaub damit bei ausreichendem Feuchteangebot regelmässig auch ausgedehnte und dichte Cirrenbewölkung, die ohne Staub entweder nur dünn oder unter Umständen gar nicht vorhanden gewesen wäre.
In den Wettermodellen wird der zusätzliche Aerosoleintrag durch den Saharastaub üblicherweise nicht berücksichtigt. Dies führt dazu, dass an Tagen, in denen Saharastaub in der Luft ist, gewisse Parameter nur mit Vorsicht betrachtet werden sollten. Die Wolkenparameter zeigen in solchen Fällen regelmässig zu wenig Bewölkung und die vom Modell vorhergesagte Sonnenscheindauer ist öfters mal zu optimistisch, sprich es wird einem zu viel Sonne versprochen. Beides hat schlussendlich Auswirkungen auf die Temperatur: tagsüber ist die vorhergesagte Temperatur in einem solchen Fall zu hoch, nachts zu tief.

Mittlerweile stehen diverse Staubprognosen zur Verfügung, welche helfen zu beurteilen, ob Saharastaub in der Luft ist und ob dadurch Sichteinschränkungen beziehungsweise eine Reduktion der Sonnenscheindauer zu erwarten ist. Wie es sich aber schlussendlich in der Realität verhalten wird, lässt sich meist nur schwer abschätzen. Nachfolgend abgebildet ist die Vorhersage der Aerosol Optical Depth des Copernicus.

Der Saharastaub hat bereits am Mittwoch in noch geringer Konzentration die Schweiz erreicht. Bis am Freitag nimmt die Konzentration täglich zu und erreicht voraussichtlich am Freitag ihr Maximum. Die höchste Konzentration wird jedoch wahrscheinlich westlich der Schweiz gegen Norden transportiert.
Saharastaub wird übrigens in der Schweiz gemessen, und zwar auf dem 3450 Meter hohen Jungfraujoch. Anhand dieser Messungen lässt sich eine Klimatologie erstellen sowohl über die Häufigkeit als auch über die jeweilige Dauer der Ereignisse. Eine Häufung von Saharastaubereignissen tritt vom Spätwinter bis Frühsommer und im Herbst auf.

Weitere Informationen zu Saharastaub sind in unserer Rubrik Wetter und Klima von A bis Z zu finden.