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Wie gelangt der Staub zur Schweiz?

Bei ausreichend starkem Bodenwind wird in der Sahara in grösseren Mengen Mineralstaub aufgewirbelt. Unter geeigneten Bedingungen wird dieser in höhere Luftschichten verfrachtet und anschliessend mit den Höhenwinden nach Mitteleuropa transportiert. Im aktuellen Fall ist das Tief «Regina» für das Aufwirbeln von Saharastaub und den Transport Richtung Alpenraum verantwortlich.

Wettersituation am Mittwoch, 4. März 2026 um 15 UTC gemäss dem Modell IFS. Links: Wind und Isohypsen des Geopotentials auf der 700 hPa Druckfläche sowie die 3-stündigen Niederschlagssummen. Rechts: Windsituation am Boden (Böen und Windfieder).
Wettersituation am Mittwoch, 4. März 2026 um 15 UTC gemäss dem Modell IFS. Links: Wind und Isohypsen des Geopotentials auf der 700 hPa Druckfläche sowie die 3-stündigen Niederschlagssummen. Rechts: Windsituation am Boden (Böen und Windfieder). (ECMWF und MeteoSchweiz)

Das Tief «Regina» befand sich zu Wochenbeginn über dem subtropischen Atlantik nordwestlich von Marokko. Seither hat es sein Zentrum ostwärts Richtung Marokko verlagert und vorderseitig mit teils kräftigen südlichen Bodenwinden Staub aufgewirbelt. Im eingangs gezeigten Satellitenbild ist die erhöhte Saharastaubkonzentration einerseits direkt visuell und andererseits indirekt durch spezifische Bewölkungsmuster erkennbar. 

Relative Luftfeuchtigkeit auf 300 hPa (rund 9500 m ü.M.) am Freitagvormittag.
Relative Luftfeuchtigkeit auf 300 hPa (rund 9500 m ü.M.) am Freitagvormittag. (ECMWF und MeteoSchweiz)

Bis am Freitag weitet sich die Tiefdruckzone über Südwesteuropa aus und führt vorderseitig in der Höhe feuchtere Luft zur Schweiz. Die offene Quizfrage lautet nun: Sind es lediglich meist dünne Cirren oder dichte Cirrocumuluswolken?

«Dusty cirrus» – wie sie das Wetter beeinflussen

Weil Saharastaub als Kondensationskeim zur Bildung von Eiskristallen dienen kann, beeinflusst Saharastaub zum einen vorhandene Cirrus-Wolken und kann zum anderen sogar dazu führen, dass solche Eiskistallwolken überhaupt erst entstehen. 

Im Zusammenhang mit Saharastaub hat sich der Begriff «dusty cirrus» eingebürgert. Damit werden ausgedehnte und kompakte, mit Saharastaub angereicherte Cirrocumuluswolken bezeichnet, die keine oder kaum noch Sonnenstrahlung hindurchlassen. Auf Satellitenbilder treten sie bei Tagesanbruch oftmals durch die typische gerippelte Oberflächenstruktur in Erscheinung.

Typische «Dusty Cirrus» Wolken am Mittwochmorgen südlich der Alpen. Links im True Color und rechts im Cloud Phase RGB Satellitenbild.
Typische «Dusty Cirrus» Wolken am Mittwochmorgen südlich der Alpen. Links im True Color und rechts im Cloud Phase RGB Satellitenbild. (MeteoSchweiz und Eumetsat)

Nebst der offensichtlichen Trübung der Luft mit entsprechenden Sichteinschränkungen verursacht der Saharastaub damit bei ausreichendem Feuchteangebot regelmässig auch ausgedehnte und dichte Cirrenbewölkung, die ohne Staub entweder nur dünn oder unter Umständen gar nicht vorhanden gewesen wäre.

Vorsicht bei der Modellinterpretation, wenn Saharastaub in der Luft ist

In den Wettermodellen wird der zusätzliche Aerosoleintrag durch den Saharastaub üblicherweise nicht berücksichtigt. Dies führt dazu, dass an Tagen, in denen Saharastaub in der Luft ist, gewisse Parameter nur mit Vorsicht betrachtet werden sollten. Die Wolkenparameter zeigen in solchen Fällen regelmässig zu wenig Bewölkung und die vom Modell vorhergesagte Sonnenscheindauer ist öfters mal zu optimistisch, sprich es wird einem zu viel Sonne versprochen. Beides hat schlussendlich Auswirkungen auf die Temperatur: tagsüber ist die vorhergesagte Temperatur in einem solchen Fall zu hoch, nachts zu tief.

Vorhergesagte tägliche relative Sonnenscheindauer vom ICON-CH2-EPS bis und mit Sonntag. Am Freitag rechnet das Modell mit mehr hohen Wolken, weshalb an diesem Tag die relative Sonnenscheindauer etwas tiefer gerechnet wird. In der Realität könnten diese Wolken im ungünstigen Fall aber wesentlich kompakter sein als vorhergesagt, wodurch die prognostizierte relative Sonnenscheindauer von 80 bis 85 % unter Umständen auch nur 50 % oder sogar noch weniger betragen könnte.
Vorhergesagte tägliche relative Sonnenscheindauer vom ICON-CH2-EPS bis und mit Sonntag. Am Freitag rechnet das Modell mit mehr hohen Wolken, weshalb an diesem Tag die relative Sonnenscheindauer etwas tiefer gerechnet wird. In der Realität könnten diese Wolken im ungünstigen Fall aber wesentlich kompakter sein als vorhergesagt, wodurch die prognostizierte relative Sonnenscheindauer von 80 bis 85 % unter Umständen auch nur 50 % oder sogar noch weniger betragen könnte. (MeteoSchweiz)

Wie wissen wir, ob Saharastaub in der Luft ist?

Mittlerweile stehen diverse Staubprognosen zur Verfügung, welche helfen zu beurteilen, ob Saharastaub in der Luft ist und ob dadurch Sichteinschränkungen beziehungsweise eine Reduktion der Sonnenscheindauer zu erwarten ist. Wie es sich aber schlussendlich in der Realität verhalten wird, lässt sich meist nur schwer abschätzen. Nachfolgend abgebildet ist die Vorhersage der Aerosol Optical Depth des Copernicus. 

Vorhersage der Aerosol Optical Depth für den Freitagvormittag – ein Mass für die Abschwächung des Sonnenlichts durch Aerosole, in diesem Fall durch Saharastaub.
Vorhersage der Aerosol Optical Depth für den Freitagvormittag – ein Mass für die Abschwächung des Sonnenlichts durch Aerosole, in diesem Fall durch Saharastaub. (CAMS, Copernicus)

Ebenfalls eine flächige Saharastaubvorhersage liefert die Universität Athen mit dem Modell Skiron. Weitere hilfreiche Vorhersagen stellt das Karlsruhe Institute of Technology KIT zur Verfügung. 

Der Saharastaub hat bereits am Mittwoch in noch geringer Konzentration die Schweiz erreicht. Bis am Freitag nimmt die Konzentration täglich zu und erreicht voraussichtlich am Freitag ihr Maximum. Die höchste Konzentration wird jedoch wahrscheinlich westlich der Schweiz gegen Norden transportiert.

Saharastaubmessung auf dem Jungfraujoch

Saharastaub wird übrigens in der Schweiz gemessen, und zwar auf dem 3450 Meter hohen Jungfraujoch. Anhand dieser Messungen lässt sich eine Klimatologie erstellen sowohl über die Häufigkeit als auch über die jeweilige Dauer der Ereignisse. Eine Häufung von Saharastaubereignissen tritt vom Spätwinter bis Frühsommer und im Herbst auf.

Klimatologie der Anzahl Stunden, mit Staubeinbrüchen aus der Sahara auf dem Jungfraujoch, von 2001 bis 2025. Die Blautöne zeigen die Dauer der Events an, wobei Hellblau einer Dauer von mehr als 2 Tagen und Dunkelblau mehr als 4 Stunden entspricht.
Klimatologie der Anzahl Stunden, mit Staubeinbrüchen aus der Sahara auf dem Jungfraujoch, von 2001 bis 2025. Die Blautöne zeigen die Dauer der Events an, wobei Hellblau einer Dauer von mehr als 2 Tagen und Dunkelblau mehr als 4 Stunden entspricht. (MeteoSchweiz)

Weitere Informationen zu Saharastaub sind in unserer Rubrik Wetter und Klima von A bis Z zu finden.