Die Vegetation kommt dieses Jahr klimatologisch gesehen erneut sehr früh in die Gänge. Das wird allmählich zur Gewohnheit, denn seit 2019 wurde jedes Jahr ein zu früher Frühling beobachtet.
In den wärmsten Regionen der Schweiz blühen bereits erste Obstbäume, wie zum Beispiel Zwetschgen- oder Aprikosenbäume. Zudem ist bemerkenswert, dass an Laubbäumen (in Aigle) bereits Blätter zu erkennen sind. Ein Vergleich mit den Vorjahren zeigt, dass die Bäume zum gleichen Zeitpunkt noch blattlos waren. Die Abbildung unten zeigt den Wald in Aigle (VD) am 19. März 2025 und am 19. März 2026 im Wechsel. Man sieht, dass in diesem Jahr viele Bäume bereits grün sind.

Diese einzelnen Beobachtungen per Webcam werden auch durch automatische Pollenmessungen bestätigt. So setzte die Blüte der Esche in diesem Jahr sehr früh ein. Im Schweizer Flachland wurden erste Spuren von Eschenpollen bereits Ende Februar festgestellt, in der vergangenen Woche war die Pollenbelastung in Basel und Genf bereits stark. Der Median der (manuell erfassten) Daten für den Zeitraum 1991–2020 zeigt, dass der Höhepunkt der Pollenkonzentration bei der gemeinen Esche im Flachland normalerweise Anfang April erreicht wurde.
Nach einer sehr langen milden Phase von Ende Januar bis zur ersten Märzdekade liegen die Temperaturen seit letztem Samstag leicht unter dem saisonalen Durchschnitt. In den kommenden Tagen liegen die Temperaturen mit Minima knapp über 0 Grad und Maxima im knapp zweistelligen Bereich im jahreszeitüblichen Bereich. In der Nacht ist weiterhin mit Bodenfrost zu rechnen, für Hüttenfrost (Temperatur auf 2 Metern <0 Grad) reicht es aber nur knapp und nur stellenweise.
Nach einem etwas milderen Wochenstart vom 23.-25. März könnte das Risiko für stärkeren Frost gegen nochmals deutlich ansteigen. Das IFS-Modell (ECMWF) prognostiziert ab Mitte kommender Woche einen Trog über Mittel- und Osteuropa. Dieser wird von einem markanten Hoch über dem nahen Atlantik flankiert. Zwischen den zwei Druckzentren strömt aus Norden voraussichtlich Polarluft zur Schweiz.
Damit wäre die Luftmasse auf der Alpennordseite ab Donnerstag rund 5 bis 8 Grad kälter als aktuell. Das würde bedeuten, dass bei allfälligen klaren und windschwachen Nächten die Temperaturen auf 2 Metern zum Teil deutlich unter 0 Grad fallen würde und damit nochmals strenger Frost möglich ist.

Die Prognose ist aber noch recht unsicher. Das beschriebene Szenario ist im Modellensemble zwar mehrheitsfähig, es gibt aber auch noch andere mögliche Wetterentwicklungen. Die folgende Grafik zeigt 51 möglichen Szenarien der Temperaturentwicklung auf ca. 1500 m über Zürich. Bis am Dienstag liegen alle möglichen Lösungen nahe beieinander. Ab Mittwoch nimmt die Unsicherheit der Temperaturprognose markant zu, die meisten Modelllösungen zeigen aber einen deutlichen Temperaturrückgang auf -3 bis -6 Grad (dunkelgrünes Band).

Aufgrund der Unsicherheiten ist es daher noch zu früh, um vor strengem Frost für Ende kommender Woche zu warnen. Aufgrund der frühen Blüte der Obstbäume sollten man die Situation aber gut im Auge behalten.
Dieser Blog wurde aus dem Französischen übersetzt und angepasst. Die Originalversion finden Sie hier:
Développement de la végétation très précoce – Attention en cas de retour du froid