Wetter und Klima zu verstehen gehört zu den grossen wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Wenig bekannt ist allerdings, dass wichtige Fortschritte in diesem Bereich Frauen zu verdanken sind. Viele von ihnen arbeiteten zu einer Zeit, in der der Zugang zur Forschung für Frauen begrenzt war, und dennoch wurden sie zu Wegbereiterinnen ihres Fachs. Dieser Beitrag stellt einige dieser Pionierinnen vor und zeigt, wie ihre Arbeit die Wissenschaft bis heute prägt.
Émilie du Châtelet (1706–1749) gehörte zu den bedeutendsten Wissenschaftlerinnen der Aufklärung. Die französische Aristokratin erhielt eine für ihre Zeit aussergewöhnliche Ausbildung und widmete sich mit grosser Leidenschaft der Mathematik und Physik. In einer Epoche, in der Frauen kaum Zugang zur Wissenschaft hatten, beteiligte sie sich aktiv an den grossen wissenschaftlichen Debatten ihrer Zeit und arbeitete mit führenden Gelehrten Europas zusammen. Berühmt wurde sie vor allem durch ihre französische Übersetzung von Isaac Newtons Principia, die sie mit eigenen Kommentaren und mathematischen Erklärungen ergänzte. Die 1756 veröffentlichte Ausgabe machte Newtons Werk im französischsprachigen Raum zugänglich und gilt bis heute als Referenz.
Diese Grundlagen prägen bis heute viele Bereiche der Naturwissenschaften – wie auch die Meteorologie. Denn das Verständnis von Wetter und Klima beruht auf physikalischen Gesetzen wie Energieerhaltung, Bewegung und Gravitation, die auch modernen Wettermodellen zugrunde liegen.

Claudine Picardet (1735–1820) war eine französische Chemikerin, Mineralogin und wissenschaftliche Übersetzerin. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trug sie wesentlich zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in Europa bei. Sie übersetzte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten aus verschiedenen Sprachen ins Französische und machte damit neue chemische und mineralogische Erkenntnisse einer breiteren wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich.
Picardet war jedoch nicht nur Übersetzerin, sondern auch selbst wissenschaftlich tätig. Sie führte Experimente durch, beteiligte sich an der Analyse von Mineralien und nahm an frühen Netzwerken zur systematischen Erfassung meteorologischer Daten teil. Ab den 1780er-Jahren führte sie regelmässige Barometerbeobachtungen durch und stellte ihre Messreihen wissenschaftlichen Akademien zur Verfügung. Solche Beobachtungsprogramme trugen dazu bei, Wetterphänomene systematisch zu dokumentieren – eine wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung der Meteorologie.

Joanne Simpson (1923–2010) war eine US-amerikanische Meteorologin und eine der prägendsten Persönlichkeiten der modernen Atmosphärenforschung. 1949 erhielt sie als erste Frau in den USA einen Doktortitel in Meteorologie und setzte sich in einem damals stark männerdominierten Forschungsfeld international durch.
Simpson untersuchte insbesondere die Struktur und Dynamik von Gewitterwolken und tropischen Wettersystemen. Sie entwickelte das erste wissenschaftliche Modell von Wolkenprozessen und lieferte grundlegende Erkenntnisse über tropische Zyklonen und globale atmosphärische Zirkulationsmuster. Ihre Arbeiten bilden bis heute eine wichtige Grundlage für die Erforschung von Wolkensystemen und Niederschlagsprozessen.

Die Beispiele von Émilie du Châtelet, Claudine Picardet und Joanne Simpson zeigen, wie Frauen über Jahrhunderte hinweg zur Entwicklung der Meteorologie und Klimatologie beigetragen haben – oft unter schwierigen Bedingungen. Ihre Arbeiten erweiterten das Verständnis der Atmosphäre und legten wichtige Grundlagen für die heutige Forschung.