In der Schweiz gibt es verschiedene Wetterphänomene, welche für trockene Luft sorgen. Es sind dies vor allem die Subsidenz, die Advektion von trockener Luft und der Föhn.
Die Subsidenz, also das grossräumige Absinken von Luft innerhalb eines Hochs, bewirkt infolge Erwärmung durch Kompression einen Rückgang der relativen Luftfeuchtigkeit in den tieferen Atmosphärenschichten. Da aber die Subsidenz meist nur bis auf eine Höhe von 2000 Meter hinunter ausgeprägt vorhanden ist, bewirkt sie vor allem oberhalb von 2000 Metern oft eine sehr tiefe relative Luftfeuchtigkeit. Speziell im Winterhalbjahr ist in diesen Höhenlagen die relative Luftfeuchtigkeit schon unter 5 % gesunken.

In tieferen Höhenlagen spielt vor allem die Advektion von trockener Luft eine grosse Rolle. Trockene Luftmassen bilden sich häufig im Innern der Kontinente, da dort die Böden meist trocken sind. Daneben sind auch diese Luftmassen durch die Subsidenz prägnant beeinflusst, wenn auch nicht in dem Masse wie oberhalb 2000 Metern. In die Schweiz gelangen trockene Luftmassen hauptsächlich aus Russland, dies vor allem im Frühling und Sommer. In diesen Fällen liegt die relative Luftfeuchtigkeit meist zwischen 30 und 40 %, selten kann sie auch auf unter 20 % sinken, wie beispielsweise vor zwei Tagen in Kloten. Starke Bodentrockenheit begünstigt niedrige Luftfeuchtigkeit, weil praktisch nichts verdunstet und sich die Luft in diesen Situationen tagsüber stark erwärmt.

Oft bringt auch der Föhn, und zwar sowohl der Südföhn auf der Alpennordseite und in inneralpinen Gebieten als auch der Nordföhn auf der Alpensüdsete sehr niedrige relative Luftfeuchtigkeit. Bei Südföhn liegt sie in den nördlichen Alpentälern meist zwischen 30 und 40 %, kann aber im Extremfall auch unter 10% sinken. Der häufigere und noch trockenere Nordföhn weist regelmässig eine relative Luftfeuchtigkeit von 20 bis 30 % auf und Werte unter 10 % kommen immer wieder vor.

In Lagen unterhalb von 1500 Metern kommt grosse Lufttrockenheit in der Schweiz unterschiedlich häufig vor. Wenn man die Anzahl Tage mit einem Tagesminimum der relativen Luftfeuchtigkeit von weniger als 30 % in Betracht zieht, so weisen die Gebiete im Jura und im Mittelland, aber auch am Alpennordhang eine eher geringe Anzahl auf. In diesen Regionen werden im Jahresdurchschnitt rund 30 Tage mit einem Tagestiefstwert der relativen Luftfeuchtigkeit von 30 % oder weniger verzeichnet. Die geringe Anzahl am Alpennordhang erstaunt, sind doch diese Gebiete häufig dem Südföhn unterworfen. Es muss dazu gesagt werden, dass die relative Luftfeuchtigkeit bei Südföhn Tag und Nacht sehr niedrig ist und nicht nur tagsüber während weniger Stunden, wie dies im Jura und Mittelland der Fall ist. Würde man Stundenwerte in Betracht ziehen, ergäbe sich ein markant anderes Bild.
Anders als nördlich der Alpen sind in den inneren Alpen Tage mit einem Tagesminimum der relativen Luftfeuchtigkeit von 30 % und weniger deutlich häufiger. In Mittelbünden werden bereits 40 bis 60 solche Tage gezählt, im Wallis und auf der Alpensüdseite werden je nach Region 50 bis 80 Tage, lokal sogar 100 Tage gezählt. Im Wallis sind neben Föhneffekten hauptsächlich die meist sehr trockenen Böden für die hohe Anzahl an lufttrockenen Tagen verantwortlich. Die hohe Anzahl von lufttrockenen Tagen auf der Alpensüdseite sind dagegen auf den Nordföhn zurückzuführen. In Robbia im Puschlav werden beispielsweise im Jahresdurchschnitt rund 99 Tage mit einem Tagestiefstwert der relativen Luftfeuchtigkeit von 30 % oder weniger gezählt. Der Zusammenhang mit dem Nordföhn ist offensichtlich, ist doch Robbia diejenige Station auf der Alpensüdseite, welche die meisten Stunden mit Nordföhn aufweist.

Einige Waldbäume, so besonders die Buche, scheinen auf Gebiete mit häufig niedriger Luftfeuchtigkeit empfindlich zu reagieren. Dies besonders im Zusammenhang mit dem Föhn. In Gebieten, wo der Föhn im Jahresmittel an über 1000 Stunden weht, verschwindet die Buche im Waldbild. Auf der Alpensüdseite sind dies die Täler Leventina, Blenio, Misox und Calancatal sowie das Bergell und das Puschlav. Speziell in der Leventina und im Misox, inklusive Calancatal, sind die Jahresniederschläge mit 1500 mm und mehr eigentlich recht hoch, trotzdem fällt die Buche aus. Dies ist somit mit grösster Wahrscheinlichkeit auf den austrocknenden Nordföhn zurückzuführen. Auch die Weisstanne zieht sich in Gebieten mit häufig lufttrockenen Verhältnissen auf schattige und windgeschützte Lagen zurück.
