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Phänologischer Kalender zur Übersicht der Vegetationsentwicklung

Klimatologisch werden im April die meisten phänologischen Phasen beobachtet. Einen guten Überblick verschafft die MeteoSchweiz-Applikation «Phänologischer Kalender». Der Phänologische Kalender ordnet die verschiedenen Vegetationsanzeiger – genannt phänologische Phasen (beispielsweise «Beginn der Blüte», «Blüte (50%)», «Blattentfaltung» für eine Pflanzenart) - entsprechend ihrem klimatologischen Auftreten. Abbildung 1 zeigt dies anhand der Station Birmensdorf. Die phänologischen Phasen im April reichen vom Beginn der Kirschblüte bis zur Apfelblüte. Alle phänologischen Phasen in Birmensdorf im diesjährigen April traten früher oder sehr viel früher auf als im langjährigen Mittel 1991-2020. 

Abbildung 1: Phänologischer Kalender für die Station Birmensdorf und aktuelle Werte 2026. (Quelle: MeteoSchweiz-Applikation «Phänologischer Kalender»)

Schweizweit rege Vegetationsentwicklung seit der ersten Aprilhälfte

Dieser Eindruck bestätigt sich auch in der schweizweiten Betrachtung (Tabelle 1). Mit wärmeren Temperaturen ab Anfang April zeigte die Vegetation schweizweit und in allen Höhenstufen eine rege Entwicklung. Als erstes begann am 6. April die Kirsche mit ihrer Blüte, 9 Tage früher als im langjährigen Mittel. Die volle Kirschblüte setzte dann ab 11. April ein, 10 Tage früher als im Mittel. Auch der Apfelbaum stand schweizweit bereits am 20. April in voller Blüte, 12 Tage früher als im langjährigen Mittel. Die Birne blühte sogar fast zwei Wochen früher als gewöhnlich. Bei den Wiesenblumen zeigten Löwenzahn und Wiesenschaumkraut eine besonders frühe Blüte mit einer Verfrühung von 14 Tagen bzw. 12 Tagen. Damit hat sich der Frühlingsbeginn in der Vegetationsentwicklung 2026 um ca. 10-14 Tage in die erste Aprilhälfte verschoben. Auch die Blattentfaltung bei den Waldbäumen fand 6-10 Tage früher statt, so dass bereits ab Mitte April die Wälder im Flachland im zarten «Maiengrün» standen (Abbildung 2).

Tabelle 1: Beobachtete Vegetationsentwicklung für den Monat April im schweizweiten Mittel über alle Höhenlagen nach vorläufigen Berechnungen. Es ist jeweils die Pflanze, die Vegetationsphase, das Datum, an dem die Vegetationsphase beobachtet wurde, der Referenzwert (1991-2020) und die Abweichung in Tagen vom Referenzwert angegeben. Das statistische Verfahren für die Berechnung der schweizweiten Mittelwerte berücksichtigt systematische Unterschiede im Auftretenszeitpunkt einer Vegetationsphase zwischen verschiedenen Stationshöhen, indem es die Mittelwerte für eine mittlere Referenzhöhe von 700 m ü. M. berechnet (MeteoSchweiz)

Weitere Informationen über die Berechnung der schweizweiten Mittelwerten finden sie unter https://www.meteoschweiz.admin.ch/dam/jcr:01ac0582-3132-462d-b96e-9d0066ba7ed8/Documentation_phenological_normal_periods_en.pdf

Löwenzahn blühte 2026 bereits besonders früh

Abbildung 3: Blüte des Löwenzahns im schweizweiten Mittel über alle Stationen seit 1951. Balken (dunkelgrün später als das langjährige Mittel, hellgrün früher) und ein schwarzer Punkt zeigen den Mittelwert aller Stationen an, die dünnen Linien die Variabilität (Standardfehler) zwischen den Stationen. Schwarz gestrichelte Linie, das langjährige Mittel 1991-2020, schwarz durchgezogene Linie der geglättete 5-jährige gleitende Mittelwert. Die Daten für 2026 sind vorläufig, noch liegen Meldungen erst von ca. einem Drittel aller Stationen vor. Doch bereits jetzt zeigt sich eine Fortsetzung des Trends zum verfrühten Beginn, verglichen mit dem langjährigen Mittel. (MeteoSchweiz)

Löwenzahn blühte 2026 bereits zwei Wochen früher, im schweizweiten Mittel ab dem 8. April. Besonders eindrücklich ist dies im zeitlichen Verlauf seit 1951 ersichtlich (Abbildung 3). In den letzten 13 Jahren blühte der Löwenzahn immer früher. In den letzten drei Jahren, seit 2024, war der Löwenzahn schweizweit immer mehr als 10 Tage verfrüht, verglichen mit dem langjährigen Mittel 1991-2020. Dies ist ein Indiz, dass auch die Vegetation auf die fortschreitende Erwärmung reagiert und damit ein indirekter Anzeiger des Klimawandels ist. 

Abbildung 4: Löwenzahn in voller Blüte am 9. April 2026 (Bild: Barbara Pietragalla)

In den höheren Lagen setzte die Vegetationsentwicklung, entsprechend den niedrigeren Temperaturen, etwas später ein. So konnte man sich noch Mitte April, nach der Schmelze des vielen Schnees von Ende März, in den nördlichen Voralpen auf Höhenlagen über 1000 Meter an Krokussen und Buschwindröschen erfreuen (Abbildung 5).

Weitere Informationen zu phänologischen Daten und deren Verwendung in der Klimatologie finden sich auf den MeteoSchweiz-Webseiten unter https://www.meteoschweiz.admin.ch/klima/klimawandel/vegetationsentwicklung.html.

Abbildung 5: Wildkrokusse in Blüte im Klöntal, GL am 11. April 2026 (Bild: Christian Grams)