Ein Hochdruckgebiet hat sich diese Woche über dem Nordmeer und dem nördlichen Mitteleuropa etabliert. Die Schweiz liegt an dessen Südrand in einer nordöstlichen bis östlichen Strömung. Diese Grosswetterlage ist eine typische Wetterlage im Alpenraum und als Bisenlage bekannt.
Der nordöstliche Wind, Bise genannt, führt bei Hochdruckeinfluss im Sommerhalbjahr meist trockene Festlandsluft zur Alpennordseite und sorgt für sonniges Wetter. Trotz Sonnenschein kann sich die Luft an Bisentagen durch den Windchill-Effekt auf unserer Haut kühler anfühlen, als sie tatsächlich ist. Gefühl hin oder her: Am Mittwoch werden im Flachland Höchsttemperaturen von 16 bis 18 Grad erwartet. Damit entsprechen die Temperaturen exakt der Jahreszeit.
Für Sonnenanbeterinnen und Freizeitsportler wie Surfer, Seglerinnen oder Gleitschirmflieger ist eine moderate Bise je nach Windexposition ein willkommener Gast. Wird sie jedoch zu stark, kann sie zum Störenfried werden, beispielsweise für den reibungslosen Flugbetrieb am Flughafen Zürich.


Die antizyklonale Grosswetterlage mit einem umfangreichen Hoch über dem Nordmeer, Island oder Skandinavien tritt am häufigsten in den Frühlingsmonaten März, April und Mai auf. Daher ist es nicht verwunderlich, dass über das Jahr gesehen in diesen Monaten auch die Bise am häufigsten weht. Vor allem der April, der im Volksmund eigentlich eher für sein wechselhaftes Schauerwetter bekannt ist, sticht in der Bisenstatistik heraus. Ähnlich verhält es sich mit den Südföhnlagen, die im April ebenfalls ihr jährliches Maximum erreichen.

Im Flachland weht die Bise typischerweise tagsüber am stärksten, vor allem am Nachmittag und frühen Abend zwischen etwa 13 Uhr und 19 Uhr. Zu dieser Zeit sind die bodennahen Luftschichten am besten durchmischt, und der üblicherweise stärkere Höhenwind kann sich am besten bis zum Erdboden durchsetzen.
In den erhöhten Lagen auf rund 800 oder 900 Metern, auf den exponierteren Hügelzügen des Mittellandes, verhält es sich umgekehrt. Hier erreicht die Bise nicht selten in den Nachtstunden ihr Maximum, wenn sich ein sogenannter Low-Level-Jet bildet. Sobald sich die Luft in den Abend- und Nachtstunden abkühlt und sich in den Beckenlagen des Mittellandes sammelt, wirkt sie wie ein grosses Luftkissen, über das der Höhenwind hinweggleiten kann – ähnlich wie bei einem Luftkissenfahrzeug. Die bodennahe Kaltluft stabilisiert die vertikale Luftschichtung und verhindert weitgehend, dass der Höhenwind bis zum Erdboden durchgreift. Dafür kann der Höhenwind nun ungestört fast reibungsfrei und damit beschleunigt über das Kaltluftkissen hinwegströmen – ein Low-Level-Jet entsteht und ist bei Windmessungen im vertikalen Aufriss häufig gut zu beobachten.


Aufgrund der Topografie auf der Alpennordseite wird die Bise zwischen Jura und Voralpen zur Westschweiz hin kanalisiert und weht am westlichen Genfersee sowie im Hochjura oft am stärksten. Je nach Verteilung der Luftdruckgegensätze gibt es jedoch auch Tage, an denen die stärkste Bise in der nördlichen Schweiz, zwischen Bodensee, Ajoie und dem Neuenburger Jura, auftritt. Letzteres war auch am Mittwoch der Fall.

Diese Woche weht die Bise zeitweise mit bis zu 50 km/h kräftig, aber nicht stürmisch durchs Mittelland. Der letzte Bisensturm trat vor etwas mehr als einem Jahr, am 1. April 2025, auf und erreichte in Zürich-Kloten Böen bis 83 km/h. Noch stärker waren Bisenstürme in weiter zurückliegenden Jahren, wie im Februar 2023, April 1972 oder Januar 1946. Nähere Informationen dazu sind in diesem Blog zu finden.
