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Ein einmonatiger Einsatz für MeteoSchweiz

Die Patrouille des Glaciers ist ein internationaler Wettkampf im Skibergsteigen, der alle zwei Jahre von der Schweizer Armee organisiert wird. Am Wettkampf teilnehmen können Dreierteams, die sowohl aus Militärangehörigen als auch zivilen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestehen. Die Strecke führt von Zermatt nach Verbier (die grosse Patrouille) oder von Arolla nach Verbier (die kleine Patrouille). Der höchste Punkt der Strecke befindet sich zwischen Zermatt und Arolla auf dem Col de la Tête Blanche auf 3650 Meter über Meer.

Streckenverlauf der Patrouille des Glaciers 2026.
Streckenverlauf der Patrouille des Glaciers 2026. (https://www.pdg.ch/de/strecke-zermatt-verbier/ )

Um die Streckenführung und die Sicherheit der Rennen zu gewährleisten, ist eine Vorbereitung von mehreren Wochen erforderlich. Im Hochgebirge werden Verpflegungsposten, inklusive Toilettenkabinen eingerichtet und ausgestattet und Telefonstationen installiert.

Einige Tage vor den Rennen nimmt die Zahl der im Hochgebirge eingesetzten Helfer und Helferinnen zu. Dabei gewinnen die Wetterbedingungen immer mehr an Bedeutung: Die Helikopter müssen fliegen können, um die Posten im Hochgebirge zu erreichen und sie mit Material sowie Verpflegung für mehrere Tage zu versorgen.

MeteoSchweiz unterstützt die Veranstaltung, indem sie vor, während und nach den Rennen täglich spezielle Wetterprognosen bereitstellt. Die Wetterbedingungen können sich in grosser Höhe sehr schnell ändern. Darum ist es wichtig, deren Entwicklung so präzise wie möglich vorherzusagen, um die Sicherheit der Teilnehmenden und Organisatoren zu gewährleisten. Zu diesem Zweck liefert MeteoSchweiz Wetterprognosen für den Zeitraum vom 1. April bis zum 1. Mai 2026. Das Rennen selbst findet vom 13. bis 19. April statt.

Beispiel für ein von MeteorologInnen verwendetes Prognosetool (Karte der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit auf der Strecke der Patrouille des Glaciers).
Beispiel für ein von MeteorologInnen verwendetes Prognosetool (Karte der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit auf der Strecke der Patrouille des Glaciers). (MeteoSchweiz)

Aus der Ferne und vor Ort

Die Bereitstellung der Wetterprognosen erfolgt in zwei Phasen. Vom 1. bis zum 7. April sowie vom 20. April bis zum 1. Mai werden die Vorhersagen aus der Prognosezentrale in Genf erstellt. Vom 8. bis zum 19. April wechseln sich zwei MeteorologInnen in Sion ab, um so nah wie möglich am Entscheidungszentrum der Armee zu sein.

Die Wettervorhersage besteht aus einem täglich erstellten Bericht, der drei Hauptteile umfasst:

  • Die Beschreibung der allgemeinen Wetterlage.
  • Die Wind- und Temperaturprognosen für den aktuellen und den Folgetag, bezogen auf verschiedene Orte und Höhenlagen.
  • Ein mehrtägiger Prognosetext, ergänzt durch die Informationen zur Lawinengefahr des SLF (WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung).

Die MeteorologInnen sind zudem rund um die Uhr telefonisch erreichbar, um die Vorhersagen bei Bedarf zu präzisieren. Die Anwesenheit eines Meteorologen oder einer Meteorologin kurz vor und während des Rennens ermöglicht den direkten Kontakt mit den Organisatoren vor Ort, um bestmöglich auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Ein Meteorologe im Vorhersagezentrum des Regionalzentrums West von MeteoSchweiz in Genf.
Ein Meteorologe im Vorhersagezentrum des Regionalzentrums West von MeteoSchweiz in Genf. (MeteoSchweiz)

Die meteorologischen Herausforderungen entlang der Strecke

Weil das Rennen am Alpenhauptkamm stattfindet, ist die Windsituation äusserst komplex. Der vorherrschende Wind ist auf der Strecke nicht nur sehr unterschiedlich, sondern ändert sich im Laufe des Rennes unter Umständen ständig.

Die Regionen um Zermatt und Arolla weisen oft ähnliche Bedingungen auf, wie sie auch für das Zentralwallis typisch sind. Sie sind durch den Walliser Alpenhauptkamm vor Südwind geschützt und erfahren teilweise die abtrocknende Wirkung des Föhns. Bei einer nördlichen Strömung (Nordwest bis Nordost) sind diese Gebiete relativ gut geschützt.

Der Abschnitt rund um die Tête Blanche liegt hingegen direkt auf dem Alpenhauptkamm und ist daher sehr exponiert. Dies gilt insbesondere bei Südwind, der dort sehr stark sein kann, und bei Staulagen von dichter Bewölkung sowie teils ergiebigen Niederschlägen begleitet ist, ganz zu schweigen von den eisigen Temperaturen, die auf dieser Höhe vorherrschen können.

Das Teilstück, das die Abfahrt Richtung Verbier umfasst, ist dagegen eher nach Westen ausgerichtet. Windströmungen aus Südwest bis Nordwest können in dieser Region problematisch sein und teils starke Regen- oder Schneefälle sowie heftige Winde mit sich bringen.

Es sind daher im Allgemeinen Wetterlagen mit West- bis Südströmungen, die der Organisation der Patrouille des Glaciers Probleme bereiten. Dies war beispielsweise im Jahr 2012 der Fall, als anhaltend tiefdruckbestimmtes Wetter sowohl die Vorbereitung als auch den Ablauf der Patrouille störten. Wie die linke Karte unten zeigt, verursachte ein Tief über England am 18. April eine feuchte Südwestströmung über der Schweiz. In den Walliser Alpen führte dies zu Nebel, Schneefall und zeitweise starkem Wind, was die Vorbereitungen des Rennens erheblich beeinträchtigte.

Übersichtskarten vom 18. und 25. April 2012. Die schwarzen Konturen (Isobaren) zeigen den Luftdruck auf Meereshöhe. Die Fronten sind farblich dargestellt.
Übersichtskarten vom 18. und 25. April 2012. Die schwarzen Konturen (Isobaren) zeigen den Luftdruck auf Meereshöhe. Die Fronten sind farblich dargestellt. (MeteoSchweiz)

Eine Woche später, am Tag des Rennens, sorgte ein neues Tiefdruckgebiet vor der Küste der Bretagne für einen Föhnsturm im Wallis mit dichter Bewölkung am Walliser Alpenhauptkamm. Im Bereich der Tête Blanche zwischen Zermatt und Arolla war die Sicht besonders schlecht, was die Organisatoren dazu zwang, das Rennen am späten Abend des 25. April abzusagen. Diese Austragung blieb den damals diensthabenden MeteorologInnen in Erinnerung. Und das aus gutem Grund: Der Sturm vom April 2012 war historisch, wobei der Föhn sogar bis nach Genf zu spüren war. Was die Patrouille betrifft, erinnern sich die MeteorologInnen, die vor Ort waren an «stürmische Böen, die das Dach der Cabane Rossier auf 3500 m ü. M. im Val d’Hérens weggerissen hatten, wodurch die anwesenden Personen für einige Tage im Speisesaal eingeschlossen waren».

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