Wichtig für dieses Phänomen ist die Ansammlung kalter Luft im Böhmischen Becken. Das Böhmische Becken ist eine Hügellandschaft in Tschechien, welche von allen Seiten durch Gebirge umringt ist (siehe Abbildung unten). Richtung Sachsen sind diese das Erzgebirge, das Lausitzer Bergland sowie das Zittauer Gebirge. Richtung Westen sind der Oberpfälzer Wald und der Böhmerwald relevant. Aufgrund dieser orographischen Begrenzungen kann die angesammelte Kaltluft nur schwer abfließen. Unterhalb einer Inversion kann sich dadurch ein massiver Kaltluftsee ansammeln. Eine Inversion ist ein Bereich, in welchem die Temperatur mit der Höhe ansteigt, sie stellt eine Sperrschicht innerhalb der Atmosphäre dar. Mehr dazu hier. Aufgrund der Druckverteilung mit höherem Druck über Tschechien und niedrigerem über Deutschland kommt es zu einer Ausgleichsströmung. Je nach Verteilung des Drucks ist Ostbayern oder Sachsen mehr betroffen.

Erreicht die Inversion eine gewisse Höhe, so schwappt die kalte Luft aus Tschechien über die Mittelgebirge nach Deutschland herüber. Durch die höhere Dichte der kalten Luft fließt diese hangabwärts und gewinnt dabei weiter an Geschwindigkeit. In den Tälern wird der Wind durch Kanalisierung teils weiter verstärkt.

Das Ergebnis ist ein starker und böiger Wind, welcher im Extremfall Böen mit Orkanstärke verursachen kann. Im Sommer fällt er tendenziell schwächer aus und sorgt für eine teils willkommene Abkühlung. Im Winter fallen die Windgeschwindigkeiten stärker aus und es kommt durch die kalte Luft häufig zu Dauerfrost. Bei Neuschnee kann es zu teils signifikanten Schneeverwehungen kommen.
Betroffen sind z.B. das Elbtal bis nach Dresden, das Neißetal und im Bereich Ostbayern die Ost-West ausgerichteten Täler von Tschechien her.


Ein ähnliches Phänomen in der Schweiz stellt der Möhlin Jet dar, bei dem die Kaltluft aus dem Mittellandbecken den Hochrhein entlang in die Region Basel ausströmt.
DWD - Thema des Tages: wenn Böhmen die Luft ablässt
DWD - Thema des Tages: Böhmischer Wind