Ein Gigant entsteht
Die Animation der Modellanalyse beginnt vor etwas mehr als 1 Woche am 19. Mai 2026, als über Mitteleuropa immer noch kühles und instabiles Wetter herrschte. Grund dafür war eine Tiefdruckrinne, die von Skandinavien bis weit ins Mittelmeer reichte und kühle Luft polaren Ursprungs zu uns führte. Bereits am 20. Mai ändert sich die Wetterlage: Von der Biskaya her drückte in der Höhe (obere beide Bilder) ein sogenannter Hochdruckkeil. Dieser liess am Boden ein neues, noch relativ kühles Hochdruckgebiet mit Kern über Frankreich entstehen. Am 21. Mai kam der Hochdruckkeil etwas näher zum Alpenraum, gleichzeitig verschob sich das Bodenhoch unter weiterer Verstärkung Richtung Süddeutschland.
In weiterer Folge schnürte sich einerseits ein weiträumiges Tief über Südosteuropa ab, andererseits tropfte westlich von Portugal ein kleinräumigeres Tief ab. Die daraus resultierende Omegakonstellation führte dazu, dass sich das Hoch gar nicht mehr vom Fleck bewegte. Die im Hoch wirkende Subsidenz erwärmte zusammen mit der in dieser Jahreszeit deutlich positiven Strahlungsbilanz die Luft immer weiter.
In der letzten, aktuellen Phase hat sich das Hoch zu einem sogenannten Langwellenhoch weiterentwickelt, das sich naturgemäss nur sehr langsam abbaut bzw. fortbewegt.
Die Schweiz lag während dieser Hochdruckphase grösstenteils am südlichen Rand des Hochs in einer Bisenströmung, die relativ trockene Festlandluft zu uns führte. Dadurch konnte es einerseits besonders auf der Alpennordseite nachts immer angenehm abkühlen, andererseits wurde eine vollständige Durchmischung der Luft bis in tiefe Lagen verhindert, wie sie bei einer Südwestströmung möglich gewesen wäre. In der Folge wurden die meisten neuen Temperaturrekorde in der Schweiz an höher gelegenen Stationen registriert, wo die Subsidenz maximal wirksam war. Wären wir dagegen auf die Westflanke des Hochs, respektive auf die Vorderseite eines Tiefs über dem Atlantik gekommen, wären auch im Flachland reihenweise Mairekorde gefallen, wie dies in Frankreich und Grossbritannien der Fall ist.