Die Regenperiode Anfang Mai hat leider nicht ausgereicht, um das grosse Niederschlagsdefizit der Monate März bis Mai auszugleichen. Falls es bis Ende des Monats keine grosse Überraschung gibt, dürfte dieser Frühling einer der trockensten seit Beginn der Messungen im Jahr 1901 werden – mit Niederschlägen, die im landesweiten Durchschnitt deutlich unter der Norm liegen. Vergleichbar sind lediglich die Frühlinge der Jahre 1944, 1976, 2011 und 2022, wie die untenstehende Grafik zeigt. Im Frühling 2026 (letzter Balken rechts) fielen nur 56 % der üblichen Niederschlagsmenge, dies entspricht einem Defizit von ungefähr 150 mm.

Für Graubünden und das Engadin handelt es sich wahrscheinlich sogar um den trockensten Frühling seit Messbeginn. Diese Regionen erhielten im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt nur 48 % der üblichen Niederschlagsmenge. Da auch die Schneedecke deutlich unter dem Durchschnitt lag, sind die Pegel der Flüsse, Seen und des Grundwassers im gesamten Rheineinzugsgebiet oberhalb des Bodensees sehr tief.

Die 2025 eingeführte nationale Trockenheitsplattform fasst die Beobachtungen aus den Messnetzen des Bundes und der Kantone für jede Region der Schweiz zusammen. Bei der Bewertung der Trockenheit werden dabei nicht nur die Niederschlagsmengen berücksichtigt, sondern auch Messungen von Gewässern sowie die Bodenfeuchtigkeit, die mithilfe eines numerischen Modells berechnet wird. Aktuell ist bereits ein grosser Teil des Landes von Trockenheit betroffen und für die Alpen sowie den östlichen Teil des Mittellands gilt eine Warnung der Stufe 2. Stufe 2 bedeutet, dass Trockenheit herrscht und gemäss den verfügbaren Prognosen kurzfristig keine Verbesserung zu erwarten ist.

Ende April wurde noch keine Warnung ausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt berechneten die Langzeitprognosen eine grössere Wahrscheinlichkeit für ergiebige Niederschläge in der ersten Maihälfte. Jetzt deuten Langfristprognosen auf einen Juni hin, der grösstenteils ein Niederschlagsdefizit aufweist. Die Vorhersagen für die Trockenheitskarte lassen bis Ende Juni keine deutliche Verbesserung erwarten.

Zwar deuten die Prognose für die erste Juniwoche bezüglich Regen auf eine mögliche Entspannung hin. Für alle darauffolgenden Wochen bis Ende Juni werden jedoch allgemein unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen modelliert. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen hinaus sind diese Prognosen allerdings mit Vorsicht zu beurteilen, da sie üblicherweise sehr unsicher sind. Dennoch handelt es sich dabei um die derzeit besten verfügbaren Informationen.

Was soll man tun, wenn eine Prognose besorgniserregend ist, aber gleichzeitig mit grosser Unsicherheit behaftet bleibt? In einem solchen Fall sollte man sogenannte „Massnahmen mit geringem Bedauernsrisiko“ priorisieren. Damit sind kostengünstige Massnahmen gemeint, die sich leicht rückgängig machen lassen, falls sich die Prognose ändert, und die helfen, grössere Schäden zu vermeiden. Beispielsweise kann man bei Hagelgefahr problemlos Gartenmöbel wegräumen. Dagegen wäre bei der aktuellen Situation der überstürzte Kauf eines teuren Bewässerungssystems eine Massnahme mit sehr hohem Bedauernsrisiko.
Im Fall einer frühzeitigen Trockenheitwarnung haben die kommunalen und kantonalen Behörden die Möglichkeit, Überwachungsgruppen zu aktivieren, die vorgesehenen Protokolle zu überprüfen und mit einer proaktiven Bewältigung der Situation zu beginnen, indem die betroffenen Akteure einbezogen werden. Landwirte, die über Bewässerungssysteme verfügen, können ihre Anlagen kontrollieren, mögliche Defekte oder Lecks reparieren und festlegen, welche Kulturen im Falle einer schweren Dürre prioritär bewässert werden sollen.
Privatpersonen können ihren Wasserverbrauch freiwillig reduzieren, indem sie wasserintensive Tätigkeiten vermeiden, die sich problemlos um mehrere Monate verschieben lassen – etwa das Reinigen von Flächen, Fassaden, Dächern oder Fahrzeugen mit grossen Wassermengen.
Falls Bewässerung notwendig (und erlaubt) ist, ist sie ausserhalb der heissen Tageszeiten effizienter und verbraucht weniger Wasser – zum Beispiel zwischen 21 Uhr abends und 9 Uhr morgens. Bei Rasenflächen sind gründliche Bewässerungen mit mindestens einer Woche Abstand wirksamer als kurze tägliche Wassergaben, da das Wasser so tiefer in den Boden eindringen kann und das Wurzelwachstum gefördert wird, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit erhöht. Und wenn Sie sich seit zwei Wochen noch nicht um einen tropfenden Wasserhahn oder eine undichte Toilette gekümmert haben, können Sie durch eine Reparatur jetzt Geld sparen und gleichzeitig die Ressourcen schonen!