Im Jahr 2026 arbeiten die europäischen nationalen Wetterdienste bereits 30 Jahre unter dem Dach des European Meteorological Network (EUMETNET) zusammen. Seit 1996 ermöglicht EUMETNET seinen Mitgliedern die Arbeit an gemeinsamen Prioritäten – von der Stärkung der Beobachtungsnetze und der Verbesserung der Qualität und Zugänglichkeit von Daten bis hin zur Bereitstellung hochwertiger Wetter- und Klimadienstleistungen sowie dem Voranbringen von Innovationen.
Das diesjährige Jubiläum verdeutlicht den nachhaltigen Wert europäischer Zusammenarbeit: Nicht nur werden die Fähigkeiten der nationalen Wetterdienste gestärkt, es ergeben sich auch viele gemeinsame Vorteile für die Mitglieder und die Gesellschaft als Ganzes.
1996 wurde die informelle Konferenz der Europäischen Meteorologischen Dienste gegründet, um die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Wetterdiensten zu stärken. Die informelle Konferenz wurde 2009 als wirtschaftlicher Interessenverband in eine rechtliche Körperschaft überführt. Was als freiwilliges Netzwerk begann, ist zu einer etablierten und vertrauenswürdigen Partnerschaft gewachsen, die auf langfristigem Engagement, gemeinsamen Zielen und gegenseitigem Vertrauen basiert.
Die Schweiz gehört zu den Gründungsmitgliedern von EUMETNET mit Hauptsitz in Brüssel. Aktuell zählt das Netzwerk 33 nationale Wetterdienste als Mitglieder.
In den vergangenen drei Jahrzehnten hat EUMETNET seinen Mitgliedern ermöglicht, in einer Vielzahl von Bereichen zusammenzuarbeiten und so Effizienz, Konsistenz und Innovation in der Meteorologie in ganz Europa zu verbessern. Durch gemeinsame Aktivitäten können die Mitglieder Fachwissen bündeln, Synergien nutzen und von gemeinsam entwickelten Lösungen profitieren.
Dieses Kooperationsmodell unterstützt die nationalen Wetterdienste bei der Erfüllung ihres öffentlichen Auftrags und stärkt zugleich die Fähigkeit der europäischen Partner, auf sich stetig wandelnde Nutzerbedürfnisse, technologische Entwicklungen und Umweltveränderungen zu reagieren.
Seit seiner Gründung hat sich das Netzwerk EUMETNET kontinuierlich gewandelt und weiterentwickelt. Der Fokus lag anfänglich auf reiner Koordination – heute existiert ein umfassender Rahmen für eine breite Palette gemeinsamer Aktivitäten in der europäischen Meteorologie.
Konkret konzentrierte sich die Zusammenarbeit in den 1990er Jahren noch darauf, Beobachtungslücken in datenarmen und abgelegenen Gebieten wie dem Nordatlantik und der Arktis zu schliessen – etwa durch Radiosondenaufstiege von Schiffen und durch Flugzeugmessungen. Parallel dazu begann der Austausch von Beobachtungsdaten von Bodenstationen und Radarsystemen, um deren Qualität und Verfügbarkeit zu verbessern.
Diese ersten Arbeiten führten zur Einrichtung des sogenannten «EUMETNET Composite Observing System», einem bedeutenden Meilenstein der Zusammenarbeit der europäischen Wetterdienste. Dies zeigte, dass eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene eine verbesserte Beobachtungsabdeckung, qualitativ hochwertigere Daten, europaweite Produkte auf Basis nationaler Daten und letztlich genauere Wettervorhersagen bei geringeren Kosten ermöglichen kann.
Aufbauend auf diesem Erfolg wurden schrittweise weitere Beobachtungskapazitäten ergänzt, darunter marine Oberflächenbeobachtungen, Messungen atmosphärischer Bedingungen in verschiedenen Höhen – wie Wind, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Aerosole/Feinstaub – sowie in jüngerer Zeit die Überwachung von Pollen. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit über die reine Beobachtung hinaus auf Bereiche wie Wettervorhersage, Klimadienstleistungen, Luftfahrtmeteorologie, Aus- und Weiterbildung, Datenpolitik und -verfügbarkeit sowie die gemeinsame Interessenvertretung gegenüber wichtigen europäischen und globalen Organisationen ausgeweitet.

Im Bereich der Vorhersage gehört MeteoAlarm zu den sichtbarsten Erfolgen von EUMETNET. Es handelt sich um ein öffentlich bekanntes System zur Verbreitung von Frühwarnungen aufgrund verschiedener Naturgefahren, das Wetterwarnungen der nationalen meteorologischen Dienste in ganz Europa bündelt, grenzüberschreitend harmonisiert, visualisiert und verbreitet.
Als Reaktion auf wachsende Anforderungen an Datenqualität und den raschen technologischen Wandel hat EUMETNET «MeteoGate» als föderierte europäische Infrastruktur zum Datenaustausch entwickelt. Diese erleichtert es Mitgliedern und externen Nutzerinnen und Nutzern, auch grenzüberschreitend, meteorologische Daten zu finden und darauf zuzugreifen. Parallel dazu hat EUMETNET einige Initiativen gestartet, um künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für Anwendungen in Wetter, Klima und Umwelt zu nutzen.
Die gemeinsamen Erfolge von EUMETNET werden durch das Engagement seiner Mitglieder ermöglicht, die sich auf unterschiedliche, aber gleichermassen wertvolle Weise einbringen. Während einige Verantwortung für die Umsetzung gemeinsamer Programme im Namen aller Mitglieder übernehmen, bringen andere ihre Daten, ihr Wissen und ihre Expertise zum Nutzen der Gemeinschaft ein.
Die Schweiz nimmt aktiv an allen EUMETNET-Programmen teil. Sie ist ein koordinierendes Mitglied in den Programmen von E-PROFILE, in dem es um die Bestimmung der Vertikalstruktur der Atmosphäre durch Fernerkundung geht, sowie AutoPollen, der kürzlich entwickelten, innovativen Messungen von Pollen und Sporen. Die Schweiz engagiert sich zudem in den Gremien und in der Gouvernanz.
Während EUMETNET sein 30-jähriges Bestehen feiert, ist es nicht nur wichtig, auf die bisherigen Erfolge zu blicken, sondern auch auf die kommenden Herausforderungen. Die Anforderungen an die nationalen meteorologischen Dienste entwickeln sich stetig weiter, und eine nachhaltige Zusammenarbeit bleibt entscheidend, um diesen wirksam zu begegnen.
Aufbauend auf drei Jahrzehnten gemeinsamer Erfahrung wird EUMETNET seine Mitglieder weiterhin unterstützen, indem es die Zusammenarbeit fördert, Innovationen vorantreibt und die europäische meteorologische Gemeinschaft stärkt – damit die nationalen meteorologischen Dienste auch in Zukunft gut gerüstet sind, hochwertige und verlässliche Informationen zum Nutzen der Gesellschaft bereitzustellen.
Hinweis: Dieser Blog ist in einer Zusammenarbeit mit den Deutschen Wetterdienst (DWD) und dem Österreichischen Wetterdienst (GeosphereAustria) entstanden.