«Die Vegetation ist sehr früh dran; sie wird durch Spätfrost gefährdet sein», «Schon jetzt meine Pollenallergie?», «Die Kastanie blüht dieses Jahr zum zweiten Mal» – das sind Bemerkungen, die man immer häufiger hört. Aber stimmen sie auch?
Das Schweizer Phänologie Beobachtungsnetz wurde 1951 von Bernard Primault bei MeteoSchweiz gegründet, um die jährlichen Rhythmen der Vegetation zu verfolgen.
Die gesammelten Daten gewinnen vor dem Hintergrund des Klimawandels besondere Bedeutung und ermöglichen es, die Reaktion der Pflanzen auf diese Veränderungen zu untersuchen. So werden 26 Pflanzenarten regelmässig beobachtet, vor allem während der Entwicklungsphasen im Frühling und der Vorbereitung auf die winterliche Ruhephase im Herbst.
Die Rolle der Beobachterinnen und Beobachter ist von entscheidender Bedeutung. An jedem der 160 Standorte des Netzwerks ist eine Person immer wieder draussen unterwegs, um die verschiedenen phänologischen Phasen des Beobachtungsprogramms genau zu beobachten und die entsprechenden Daten auf einem Papierformular oder – immer häufiger – direkt online zu notieren.
Die meisten dieser Personen sind über viele Jahre, ja sogar über mehrere Jahrzehnte hinweg aktiv und stellen damit ihre Begeisterung und ihr ausdauerndes Engagement für die Natur unter Beweis. Innerhalb der 75 Jahre, seit Bestehen des Netzes, sind das mehr als 700 Personen, die zu den Beobachtungen beigetragen haben.

Aktuell haben sich Forschende mit der Möglichkeit befasst, technologische Mittel zu nutzen, um Informationen über die Phänologie von Pflanzen zu gewinnen. So verfolgt das Projekt SwissPhenoCam das Ziel, Bilder aus Kameranetzwerken zu nutzen, um die Phänologie mithilfe künstlicher Intelligenz zu verfolgen. Die so gewonnenen Informationen unterscheiden sich teilweise von den menschlichen Beobachtungen, könnten diese jedoch an schwer zugänglichen Standorten sinnvoll ergänzen. Sie könnten zudem in Zukunft auch zur Validierung von vegetationsbezogenen Satellitendaten genutzt werden.
Indirekt ermöglicht die Messung der Pollenkonzentrationen verschiedener Arten in der Luft, die in erster Linie zur Information von Allergikern und medizinischem Personal durchgeführt wird, auch die Untersuchung der Phänologie der Blüte windbestäubter Arten (deren Pollen vom Wind transportiert werden).
Die beobachteten allgemeinen Trends zeigen einen früheren Beginn und ein späteres Ende der Vegetationsperiode. Die Reaktionen der einzelnen Pflanzenarten unterscheiden sich jedoch in Abhängigkeit von zahlreichen Umweltparametern, und gerade diese Unterschiede sind besonders aufschlussreich.
Anlässlich des 75-jährige Jubiläum ihres phänologischen Beobachtungsnetzes, hat MeteoSchweiz eine Untersuchung zur Qualität der besonders langjährigen Stationen veröffentlicht. Dabei wurden beispielsweise über tausend Zeitreihen identifiziert, die mindestens 50 lückenlose Beobachtungsjahre aufweisen. Die Ergebnisse sind in einem neuen Bericht zusammengefasst, der auf der Website von MeteoSchweiz verfügbar ist.
MeteoSchweiz sucht derzeit ehrenamtliche Beobachterinnen und Beobachter für folgende phänologische Stationen: Arosa, Gadmen, Einsiedeln, Muri, AG, Wald (ZH), Winterthur / Eidberg.
Beobachten Sie gerne die Natur und kennen Sie sich näher aus in der Pflanzenwelt? Leben oder arbeiten Sie an einem der genannten Standorte und hätten Sie Freude und Interesse an regelmässigen Beobachtungen? Dann sind Sie die Person, die wir suchen!
Interessiert? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf über pheno@meteoswiss.ch.