Rund um die Eisheiligen war es in weiten Teilen Europas deutlich kälter als in der Referenzperiode 1991-2020. Besonders im Alpenraum war es in der Phase vom 11. bis 19. Mai im Mittel rund 4 Grad kälter. Der Volltreffer der Eisheiligen war somit auch in der Schweiz gut spürbar. In der Nacht auf den 12. Mai sank die Schneefallgrenze von 2000 Metern rasch auf 1000 bis lokal 600 Meter.

Ab etwa dem 20. Mai folgte ein rasanter Temperaturanstieg. Wie die Schweiz erlebte auch ganz Westeuropa eine ungewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle. In Frankreich, Grossbritannien, Irland und Portugal wurden zahlreiche Temperaturrekorde für den Monat Mai gebrochen.
Laut Copernicus erreichten die "feels-like temperatures" (auf Deutsch «gefühlte Temperaturen») gemäss einem Hitzeindex zur Quantifizierung der Hitzebelastung in weiten Teilen der betroffenen Regionen 35 °C bis 40 °C. Dies entspricht einer "starken" (über 32 °C) bis "sehr starken" (über 38 °C) Hitzebelastung. Der rasche Übergang von der Kälte- zur Hitzewelle verstärkte wahrscheinlich die Auswirkungen auf die Bevölkerung, da den Menschen kaum Zeit blieb, sich an die deutlich höheren Temperaturen anzupassen.

Die anhaltenden Hochdrucklagen und hohen Temperaturen waren mitverantwortlich für die unterdurchschnittlichen Niederschläge in weiten Teilen West- und Mitteleuropas sowie in einigen Regionen Osteuropas, darunter Italien und Südspanien. Am 29. Mai zeigte sich eine für den Mai 2026 typische Wetterlage mit einem ausgedehnten Hochdruckgebiet über Zentraleuropa.

Demgegenüber verzeichneten Regionen im Nordwesten Kontinentaleuropas, in Nordskandinavien, Finnland und vor allem in der Türkei überdurchschnittlich nasse Bedingungen. In der Türkei, in Bulgarien und in Moldawien kam es dabei zu weitreichenden Überschwemmungen.
In Europa fiel die Bilanz für den gesamten Frühling (März bis Mai) in Bezug auf Niederschlag und Temperatur sehr ähnlich aus. Der Frühling war mehrheitlich trockener als im Durchschnitt der Referenzperiode und der drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.
Global waren nicht nur die durchschnittliche Lufttemperatur (15,8 °C), sondern auch die durchschnittliche Temperatur der Meeresoberfläche zwischen 60°S und 60°N (20,90 °C) in diesem Jahr am zweithöchsten für den Monat Mai. Dabei war die Meeresoberfläche nur minimal weniger warm als im Mai 2024, dem Monat mit der bisher höchsten Temperatur (20,93 °C).

Im Vergleich zur gesamten ERA5-Periode von 1979 bis 2026 wurden insbesondere im tropischen Pazifik rekordhohe Temperaturen verzeichnet. Der äquatoriale Pazifik befindet sich somit immer mehr im Übergang zu El-Niño-Bedingungen. El Niño könnte in den kommenden Monaten weltweit für extreme Wetterereignisse mit verantwortlich sein. Das nächste Update zur Entwicklung des El Niño durch die NOAA soll schon morgen erfolgen (11.06.2026).
Mit einer mittleren Abweichung von +1,5 °C zur Referenzperiode gehören die Monate März bis Mai 2026 zu den drei wärmsten Frühlingen in der Schweiz seit Messbeginn 1864. Ausserdem fiel im Frühling weniger Niederschlag als in der Referenzperiode - und das auch in jedem der drei Monate für sich. Denn wie Ende Mai gab es bereits Anfang März und im April immer wieder anhaltendes Hochdruckwetter.