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In der Schweiz ist es weiterhin warm bis heiss. Mit Ausnahme der Alpensüdseite ist das Ausmass der Hitze jedoch zurückgegangen, sodass ein Fazit möglich ist. Die klimatologische Einordnung zeigt, wie extrem die Hitzewelle der zweiten Junihälfte war – sowohl in der rund 160-jährigen Messgeschichte als auch im aktuellen Klima. Ein Blick auf Europa verdeutlicht zusätzlich, wie extrem eine Hitzewelle schon bei rund 1,4 °C globaler Erwärmung ausfallen kann.

Nahezu beispiellose Intensität über 10 Tage

Über 10 Tage gemittelt (19. bis 28. Juni) erreichten die Tagesmaxima an den Stationen Basel/Binningen (36,7 °C), Neuchâtel (35,7 °C; Abb. 1c), Zürich/Fluntern (34,5 °C; Abb. 1d) und Davos (26,3 °C) einen neuen Allzeitrekord. Noch nie zuvor gab es seit Messbeginn vor rund 125 bis 160 Jahren eine heissere 10-Tages-Periode.

In Genève/Cointrin (35,6 °C), Bern/Zollikofen (34,5 °C; Abb. 1a) und Luzern (34,4 °C) landete die Hitzewelle diesbezüglich auf Rang 2 und wurde nur von der Hitzewelle im August 2003 übertroffen. In Lugano belegt die Hitzewelle mit mittleren Tagesmaxima von 32,7 °C den vierten Rang seit Messbeginn im Jahr 1864 (Abb. 1b). Betrachtet man das etwas längere 14-Tages-Mittel an den obengenannten Stationen, fällt die Einordnung ähnlich aus.

Die vorherigen Rekord-Hitzewellen von 10 Tage Dauer stammten an den meisten Stationen aus den Jahren 2003 und 1947. Sie traten jeweils zwischen Ende Juli und August auf, also zur klimatologisch heissesten Zeit im Jahr. Das Auftreten der diesjährigen Hitzewelle im Juni ist im Hinblick auf den frühen Zeitpunkt im Sommer also noch beispiellos. Trotz der Hitzewelle wird der Juni 2026 als Ganzes «nur» der drittwärmste seit 1864 hinter dem Juni 2003 und dem Juni 2025. Grund dafür ist die zeitweise kühle erste Monatshälfte.

Viele Hitzetage und zahlreiche Hitzerekorde

In den tiefen Lagen der Nord- und der Südschweiz reihten sich vom 17. Juni bis am vergangenen Sonntag 12 Hitzetage aneinander. In der Süd- und Westschweiz kam am Montag verbreitet der 13. Hitzetage hinzu, zum Beispiel in Genève/Cointrin, Neuchâtel (Abb. 2c), Bern/Zollikofen (Abb. 2a) und Lugano (Abb. 2b). Auf der Alpensüdseite könnte die Serie zudem noch mehrere Tage andauern (Stand des Blogs: 29.06.26).

Eine Serie von 13 Hitzetagen stellt an der Station Bern/Zollikofen einen neuen Allzeitrekord seit dem Jahr 1864 dar (Abb. 2a). In Lugano (14 Hitzetage in Folge im Jahr 2022) und Neuchâtel (18; 1911) bedeutet die Serie von 13 Hitzetagen Rang 2. Die Rekord-Serie in Lugano könnte in dieser Woche noch deutlich überschritten werden. In Zürich/Fluntern wurde der Rekord von 12 Hitzetagen in Folge aus dem Jahr 1947 egalisiert (Abb. 2d). 

Den Höhepunkt erreichte die Hitzewelle am 26. und 27. Juni. In Basel/Binningen wurde mit einem Tagesmaximum von 39,0 °C ein neuer Stationsrekord und somit auch ein neuer Allzeitrekord für die Deutschschweiz gemessen. Weitere neue Stationsrekorde für die Tagesmaxima gab es in Neuchâtel (38,1 °C) und in Zürich/Fluntern (37,1 °C). Auf dem Napf (1406 m ü. M.) wurde mit 30,5 Grad zum ersten Mal ein Hitzetag gemessen. Die warmen Nächte waren für viele eine zusätzliche Belastung: Es gab neue Stationsrekorde für die höchsten Tagesminima seit Messbeginn in Lugano (25,3 °C), Basel/Binningen (23,0 °C) und Bern/Zollikofen (21,1 °C).

Klimawandel mitverantwortlich, aber nicht allein

Für die extreme Hitzewelle war zusätzlich zum Einfluss der Klimaerwärmung auch die hochdruckbestimmte Wetterlage über Europa verantwortlich. Im aktuellen Klima stellt eine solche 10-tägige Hitzewelle im Juni ein sehr seltenes Ereignis dar (Abb. 3). An fast allen Stationen tritt eine Hitzewelle mit gleicher oder höherer Intensität (gemessen am mittleren Tagesmaximum über 10 Tage) zu dieser Jahreszeit seltener als einmal in 25 Jahren auf. Ausnahmen bilden hochgelegene Stationen wie zum Beispiel das Jungfraujoch oder der Säntis.

Schweizer Karte zeigt für gewisse Stationen die Wiederkehrperiode einer solchen oder intensiveren Hitzewelle.
Abb. 3: Wiederkehrperioden in Jahren für die Tagesmaximaltemperatur gemittelt von 19. bis zum 28. Juni. Die Jährlichkeiten gelten für Juni. (Quelle: MeteoSchweiz)

Die Hitzewelle stellte in weiten Teilen Europas ein Extremereignis dar (Abb. 4). Dabei war der Einfluss des Klimawandels auf die Hitzewelle erheblich. Laut der aktuellen Studie von World Weather Attribution wäre die von ihnen definierte Hitzewelle (im Vergleich zu oben von kürzerer Dauer und über ganz Europa) vor 50 Jahren noch praktisch unmöglich gewesen. Damals wäre dasselbe Wetterereignis rund 3,5 °C weniger heiss ausgefallen. Zudem wird ein Vergleich mit dem Zeitpunkt der intensiven Hitzewelle im Jahr 2003 gezogen. In den vergangenen 23 Jahren hat die Klimaerwärmung solch hohe Tagesminima rund 100-mal wahrscheinlicher und solch hohe Tagesmaxima rund 10-mal wahrscheinlicher gemacht.

Neun Europakarten zeigen grosse tägliche Wärmeanomalien über die genannte Periode.
Abb. 4: Abweichung der Tagesmaxima in Grad von der Klimanorm im Juni (Mittel von 1991 bis 2020) zwischen dem 22. Juni und dem 30. Juni. Die Zahlen basieren mehrheitlich auf Modellrechnungen, da zum Zeitpunkt der Publikation noch nicht alle Messungen verfügbar waren. (Quelle: World Weather Attribution)

Die aktuelle globale Klimaerwärmung beträgt 1,4 °C. Wenn sie weiter voranschreitet, werden Hitzewellen grundsätzlich häufiger, länger und intensiver (CH2025). Das heisst zum einen, dass eine Hitzewelle mit einer solchen Kombination aus Dauer und Intensität wie im Juni 2026 zunehmend wahrscheinlicher wird. Zum anderen können zukünftige Extremereignisse, die also in einem wärmeren Klima nur selten auftreten, extremer als diese Hitzewelle ausfallen.

 

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