Nach einem besonders trockenen Frühling, in dem im nationalen Durchschnitt nur die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge fiel, werden die Niederschläge im Juni voraussichtlich ebenfalls in weiten Teilen des Landes unter dem Normwert liegen, insbesondere im Jura, im Schweizer Mittelland und im Wallis. Wenn der Niederschlag der kommenden Tage nicht ergiebiger ausfällt als erwartet, dürfte der nationale Durchschnitt für den Juni zwischen 60% und 80% der üblichen Niederschlagsmenge liegen (Abb. 1).

Das reicht also bei weitem nicht aus, um das seit den letzten Monaten aufgebaute Niederschlagsdefizit auszugleichen. Die Entwicklung der kumulierten Niederschlagsmengen für das Sommerhalbjahr verdeutlicht das Ausmass dieses Defizits sowie sein ungewöhnlich frühes Auftreten (Abb. 2). Zwischen dem 1. April und dem 28. Juni sind im nationalen Durchschnitt nur 185 mm Niederschlag gefallen, während der übliche Wert bei etwa 362 mm liegt. Dies entspricht einem Defizit von mehr als 170 mm auf nationaler Ebene (das jedoch je nach Region sehr unterschiedlich ausfällt), das bis zum Ende des Sommers nur schwer auszugleichen sein wird. Den Langzeitprognosen zufolge ist es unwahrscheinlich, dass es in den nächsten Wochen zu einer ausreichend langen und ergiebigen Regenphase kommen wird. Da keine signifikante Verbesserung in Sicht ist, wurde die Trockenheitsgefahr angehoben.

Die von der nationalen Trockenheitsplattform erstellte Einschätzung der Trockenheit berücksichtigt die Niederschlagsmengen, die Abflussmengen an den Gewässern sowie die Bodenfeuchte, die aus einem numerischen Modell abgeleitet wird. Die Trockenheit wird dabei anhand der Abweichung von den für die Jahreszeit üblichen Werten eingestuft (Abb. 3). Eine als „extrem“ eingestufte Trockenheit weist somit auf seltene Bedingungen für diese Jahreszeit hin, ohne dass dabei unbedingt bereits die absoluten Tiefstwerte (die beispielsweise bei vielen Gewässern im Juli und August auftreten) erreicht sein müssen. Die Trockenheit betrifft das gesamte Land und eine Warnstufe 4 (rot) gilt für den gesamten Jura, das Mittelland sowie den grössten Teil der Alpen.

Ende Mai deuteten die Langzeitvorhersagen bereits auf einen trockenen Juni hin, was den Bund dazu veranlasst hatte, eine Warnung der Stufe 2 (gelb) auszugeben, obwohl für Anfang Juni Niederschläge erwartet wurden. Heute befinden wir uns in einer ähnlichen Situation: Für die erste Juliwoche werden Niederschläge erwartet, doch ab der folgenden Woche dürfte sich wieder eine Hochdrucklage durchsetzen. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen hinaus sind die Vorhersagen in Abbildung 4 sehr unsicher. Dennoch deuten sie darauf hin, dass die derzeitige Trockenheit bis mindestens Ende Juli andauern könnte.

Während die Warnstufe gelb als Weckruf dient, signalisiert die Warnstufe rot den Beginn der Akutphase des Ereignisses. Dabei setzt sich die Trockenheit über einen längeren Zeitraum hinweg fest und ihre negativen Folgen verstärken sich zunehmend. Da sich eine Trockenheit nur langsam entwickelt, kann sich eine solche Phase leicht über mehrere Wochen oder sogar Monate erstrecken, unterbrochen von kurzen Phasen der Entspannung. Die Bevölkerung ist daher aufgefordert, sich regelmässig über allfällige Empfehlungen oder Einschränkungen beim Wasserverbrauch zu informieren. In der Schweiz entscheiden die Kantone und Gemeinden über solche Massnahmen und veröffentlichen sie über ihre eigenen offiziellen Kanäle. Da die Auswirkungen der Trockenheit auf die Wasserversorgung und die Gewässer von Region zu Region stark variieren können, unterscheiden sich die geltenden Massnahmen oft auch von Gemeinde zu Gemeinde.
Je geringer die Durchflussmenge der Gewässer, desto schneller steigt die Wassertemperatur im Laufe des Tages an. Wenn eine Hitzewelle diesen Effekt noch verstärkt, kann dies schwerwiegende Folgen für Fauna und Flora haben. Dies ist oft der Grund, warum die kantonalen Behörden an bestimmten Gewässern Wasserentnahme- oder Badeverbote aussprechen. Das Bundesamt für Umwelt hat in einem Ereignis-Dossier allgemeine Informationen zu diesem Thema bereitgestellt.
Bedeuten die angekündigten Gewitter das Ende der Trockenheit? Leider nicht. Zwar führen Gewitter zu erheblichen Niederschlagsmengen, doch meist lokal begrenzt. Das bedeutet, dass nur ein kleiner Teil des Landes von einer nennenswerten Wasserzufuhr profitiert. Ausserdem konzentrieren sich diese Niederschläge oft auf nur wenige Stunden. Trockene Böden können jedoch in so kurzer Zeit keine grossen Wassermengen aufnehmen. Manche haben das vielleicht schon erlebt, wenn sie einen bereits ausgetrockneten Blumentopf zu schnell gegossen haben: Das Wasser sickert nur langsam ein und läuft schnell über.
Bei dem heftigen Gewitter vom 19. Juni, das den Grossraum Zürich getroffen hat, wurden beispielsweise an der Messstation Zürich Affoltern innerhalb einer Stunde 44,1 mm Niederschlag gemessen – ein besonders seltener Wert, der im Durchschnitt alle 30 bis 50 Jahre auftritt. Die im Rahmen des nationalen Trockenheitsprogramms neu installierten Bodenfeuchtesensoren zeigen, wie begrenzt die Auswirkungen eines solchen Ereignisses sind (Abb. 5). Die Bodenfeuchte steigt in einer Tiefe von 10 Zentimetern zwar stark an, doch die Bodenfeuchte in 1 Meter Tiefe reagiert praktisch nicht auf das Ereignis.

Für Wasserversorgungsnetze, die auf Quellwasser und Grundwasser angewiesen sind, bringen Gewitter daher nicht unbedingt eine sofortige Verbesserung. Dies erklärt, warum Nutzungsbeschränkungen und Aufrufe zum Wassersparen auch in Orten, die von starken Gewittern betroffen sind, weiterhin gelten können. Auch die Entlastung für die Pflanzen ist oft nur vorübergehend, insbesondere bei grosser Hitze, da die erhöhte Bodenfeuchte an der Oberfläche schnell wieder abklingt.