Fussbereich

Top Bar Navigation

Alle Schweizer Bundesbehörden

Servicenavigation

10-minütige Niederschlagssummen: Kurze extreme Spitzen

In der nachfolgenden Tabelle sind die Niederschlagsmessungen an den zwei Messstationen Lausanne und Coldrerio während den Ereignissen gegenübergestellt. Auf den ersten Blick sind die Unterschiede gering: In beiden Fällen fiel der Hauptanteil der Niederschläge konzentriert in einem einzigen Messintervall von 10 Minuten. 

Vergleich der Rekord-Niederschlagsereignisse von Lausanne am 11. Juni 2018 (linke zwei Spalten) und Coldrerio am 9. Juni 2026 (rechte zwei Spalten). Aufgelistet sind die 10-minütigen Niederschlagssummen an den beiden Stationen jeweils während der laufenden Stunden der Ereignisse. Der Maximalwert ist für beide Stationen orange hervorgehoben.
Vergleich der Rekord-Niederschlagsereignisse von Lausanne am 11. Juni 2018 (linke zwei Spalten) und Coldrerio am 9. Juni 2026 (rechte zwei Spalten). Aufgelistet sind die 10-minütigen Niederschlagssummen an den beiden Stationen jeweils während der laufenden Stunden der Ereignisse. Der Maximalwert ist für beide Stationen orange hervorgehoben.

Der bisherige Rekordwert von Lausanne aus dem Jahr 2018 bleibt zwar formell bestehen. Vor dem Hintergrund von stets vorhandenen Messungenauigkeiten darf man jedoch grosszügig auf ganze Millimeter runden und für die beiden Ereignisse von der gleichen Intensität ausgehen. 

In beiden Fällen waren starke Gewitter die Ursache für die hohen Niederschlagsintensitäten. Die Rolle des Hagels war im aktuellen Fall von Coldrerio jedoch entscheidend. 

Der Beitrag des Hagels

Beim Rekordniederschlag von Lausanne am 11. Juni 2018 war ein Gewitter verantwortlich, welches vom Genfersee herkommend über die Messstation Lausanne hinwegzog. Die Luftmasse, in welcher sich das Gewitter bildete, war sehr feucht, wies aber nur eine geringe vertikale Windscherung auf. Passend zu diesen Rahmenbedingungen zeigen Radarmessungen lediglich einen kleinräumigen Hagelzug mit Korngrössen von maximal 2 bis 3 cm Grösse, der etwas westlich von der Station verläuft. Man kann davon ausgehen, dass das Messgerät beim damaligen Ereignis einen hohen Anteil flüssigen Niederschlag registrierte. 

Im aktuellen Fall von Coldrerio vom 9. Juni 2026 zeigen die Radarbilder einen bis zu 5 km breiten Hagelzug, der weite Teile des Mendrisiottos überquerte und mit bis zu 5 cm grossen Hagelkörnern massive Schäden hinterliess. Man muss annehmen, dass im Messgerät an der Station Coldrerio ein hoher Anteil von teils grossen Hagelkörnern zum Gesamtniederschlag beitrug. 

Niederschlagsmessung nach dem Wägeprinzip

An beiden Messstationen sind sogenannte «Wägezellen» vom Typ Pluvio2 der Firma Ott installiert. Der Niederschlag fällt in einen grossen Behälter, dessen Gewicht von einer Präzisionswaage laufend gemessen wird. Aus der zeitlichen Veränderung des Gewichts wird auf die Niederschlagsmenge geschlossen. Fallen Hagelkörner in den Behälter werden diese instantan von der Waage gemessen und als Niederschlag registriert. Weitere Informationen zu den Messgeräten an den SwissMetNet Stationen sind unter der Rubrik «Messinstrumente» zu finden. 

Bei gleicher Niederschlagsintensität war im Fall von Coldrerio der Anteil des Hagels im gesamten Niederschlag sehr wahrscheinlich grösser, als derjenige des Regens. Im Fall von Lausanne war es umgekehrt, wie auch aus den unterschiedlichen Schadensbildern hervorgeht. 

Bei sogenannten «Flash Flood» Gewittern mit hohem Anteil flüssigem Niederschlag wie im Fall von Lausanne (2018) tritt oft ein konzentrierter, hoher Oberflächenabfluss auf und führt zu lokalen Überschwemmungen sowie kurzzeitig ansteigenden Pegeln kleiner Gewässer. Bei Superzellen-Gewittern wie im aktuellen Fall von Coldrerio sind es die Hagelkörner mit ihrer hohen kinetischen Energie beim Aufprall auf den Boden, welche Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen sowie landwirtschaftlichen Kulturen verursachen. 

Rein anhand der «nackten» Zahlenwerte des Niederschlags sind diese Unterschiede kaum erkennbar. Dieses Beispiel zeigt, dass für eine angemessene Interpretation der Phänomene stets der meteorologische Kontext unter Zuhilfenahme zusätzlicher Daten berücksichtigt werden muss. 

Korrektur

Im Originaltext stand fälschlicherweise die Messstation Pully unmittelbar östlich von Lausanne im Fokus. Der Niederschlagsrekord von 41 mm in 10 Minuten wurde jedoch an der Messstation Lausanne, gut 2 km westlich davon auf dem Gelände des Spitals gelegen, registriert. 

Der Text sowie die Interpretation der Niederschläge im Kontext der Messgeräte wurde nachträglich angepasst.