Klimaszenarien beantworten die Frage, wie sich das Klima abhängig vom Treibhausgasausstoss in Zukunft verändern kann. Szenarien haben keine Wahrscheinlichkeiten, es sind "was-wäre-wenn"-Aussagen. Vielmehr ermöglichen sie den Vergleich verschiedener plausibler Entwicklungspfade und dienen als Grundlage für Planungsentscheidungen zur Anpassung an bzw. zur Vermeidung des Klimawandels in der Schweiz.
Am Anfang der Erstellung von Klimaszenarien stehen verschiedene Pfade von Treibhausgaskonzentrationen (Representative Concentration Pathways RCPs) sowie von gemeinsamen sozioökonomischen Entwicklungspfaden (Shared Socioeconomic Pathways SSPs). Sie beschreiben mögliche zukünftige Entwicklungen der globalen Treibhausgaskonzentrationen und der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen. Dabei dienen sie als Grundlage für Klimasimulationen. Eine ausführlichere Erklärung dieser Prozessierungskette (Abbildung 1) finden Sie in unserem Video.

Klimaszenarien verwenden mehrere SSP-RCP Kombinationen mit unterschiedlich hohen Emissionen, damit eine Bandbreite möglicher Entwicklungen betrachtet werden kann. Ihnen sind unterschiedliche sozioökonomische und klimapolitische Narrative hinterlegt. Abbildung 2 zeigt die Emissions- und Konzentrationspfade, die u.a. im sechsten IPCC-Sachstandsbericht verwendet wurden.
Diese Entwicklungspfade werden regelmässig hinsichtlich ihrer Plausibilität mit aktuellen globalen politischen und technischen Entwicklungen evaluiert. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat diese Emissionspfade für die neueste Generation von globalen Klimasimulationen eingeordnet. Das hohe Emissionsszenario RCP8.5 bzw. SSP5-8.5 gilt mittlerweile als wenig wahrscheinlich, da erneuerbare Energien günstiger werden, Massnahmen zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen umgesetzt werden und die Emissionen weniger stark steigen als früher angenommen. Gleichzeitig gelten auch sehr niedrige Emissionsszenarien von der beobachteten Entwicklung als überholt. In der Risikobetrachtung ist es daher wichtig, die Szenarien als Werkzeuge zu verwenden, um die Bandbreite der plausiblen Entwicklungen zu kennen. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger können dann - je nach Höhe des Schutzbedarfs - ihre Planungen auf unterschiedlichen Szenario-Zukünften innerhalb dieser Bandbreite basieren.

Der Entwicklungspfad SSP5-8.5 beschreibt einen Pfad mit sehr hohen Treibhausgasemissionen. Entgegen weitläufiger Fehlinterpretation stellt SSP5-8.5 keinen “Business-as-usual”-Pfad dar, sondern geht von verstärkten Investitionen in fossile Energieträger aus. Er wurde nicht als "wahrscheinlichste Zukunft" konzipiert, sondern zeigt auf, welche Auswirkungen bei besonders starken Klimaänderungen auftreten könnten. Auch für wissenschaftliche Anwendungen ist SSP5-8.5 weiterhin wichtig. Bei höheren Emissionen ist das Klimasignal deutlicher von natürlichen Schwankungen zu unterscheiden. Dies erleichtert es, Unterschiede zwischen Modellen zu analysieren und Unsicherheiten abzubilden. Ausserdem lassen sich die Auswirkungen für moderate Erwärmungsniveaus (z.B. 1,5 °C oder 2 °C globale Erwärmung, Erklärung weiter unten) aus Simulationen eines hohen Emissionsszenarien (wie z. B. SSP5-8.5) robuster ableiten als aus weniger hohen Emissionsszenarien.
Die neueste Generation von Schweizer Klimaszenarien Klima CH2025 beschreibt die mögliche Zukunft des Schweizer Klimas für verschiedene globale Erwärmungsniveaus. Diese beschreiben den Klimazustand, der sich in der Schweiz einstellt, sobald die globale Durchschnittstemperatur auf 1,5 °C, 2 °C oder 3 °C über dem vorindustriellen Temperaturniveau von 1871–1900 angestiegen ist. Somit ist es möglich, die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs auf das Schweizer Klima unabhängig von Emissionsszenarien zu zeigen. Der Ansatz folgt der Methodik des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC.

Der Zeitpunkt, an dem ein bestimmtes Erwärmungsniveau erreicht wird, hängt von der zukünftigen Entwicklung der Treibhausgasemissionen ab. Steigen die Emissionen weiter an oder bleiben sie über längere Zeit hoch, werden höhere Erwärmungsniveaus mit grösserer Wahrscheinlichkeit und früher erreicht. Sinkende Emissionen können ihr Erreichen dagegen verzögern oder verhindern. Solange die Weltgemeinschaft die Emissionen nicht auf netto null reduziert, erwärmt sich das globale Klima weiter. Eine 1,5-Grad-Welt (Ziel des Pariser Klimaabkommens) gilt aufgrund der bisherigen Emissionen als praktisch unvermeidbar und wird bereits in wenigen Jahren erreicht. Unter den derzeit geplanten Massnahmen zur globalen Emissionsreduktion steuert die Welt auf eine Erwärmung von etwa 3 °C bis Ende Jahrhundert zu.
Das Netzwerk Anpassung an den Klimawandel hat kürzlich eine Empfehlung zur einheitlichen Verwendung der Klimaszenarien “Klima CH2025” in der Anpassung publiziert. Dabei wird die 3-Grad-Welt als realistische Grundlage, um die angestrebte Sicherheit in mittel- und langfristigen Planungen einzuhalten, beschrieben.