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Die blitzreichsten Regionen der Welt

Zahlreiche Parameter beeinflussen die Gewitterbildung und somit die Blitzhäufigkeit. Einige Regionen sind Gewittern in besonderem Masse ausgesetzt, an anderen Orten wiederum sind diese praktisch inexistent. Anhand von Satellitendaten wurde die blitzreichsten Regionen der Welt ermittelt.

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Bereits in einem kleinen Land wie der Schweiz gibt es je nach Region grosse Schwankungen bezüglich der Gewitterhäufigkeit. Die Blitzdichte im Südtessin gehört zu den höchsten in Europa und kann bis zu vier Blitzschläge pro Jahr und Quadratkilometer betragen. In einigen Regionen der Welt ist diese Dichte allerdings wesentlich höher.

Anders als die Blitzerfassungssysteme am Boden, die Einschläge in der Nähe erkennen und sie in ein regionales bis kontinentales Gesamtbild einordnen, ermöglichen die Systeme an Bord von Satelliten die weltweite Erfassung und Auswertung von Blitzen.   Die Messsysteme unterscheiden sich grundlegend: Systeme am Boden messen die von Blitzen ausgesandten elektromagnetischen Signale, während die Sensoren der Satelliten das von den Blitzen verursachte Leuchten beobachten. Die Sensoren der Satelliten sind empfindlicher, und daher können vom Weltraum aus etwa zwei- bis dreimal so viele Blitze erkannt werden wie mit herkömmlichen Bodensystemen.

Ein erstes Gerät, der Optical Transient Detector (ODT), war von 1995 bis 2000 an Bord eines erdumlaufenden Satelliten in 740 km Höhe im Einsatz. Mithilfe eines optischen Sensors wurden so die Blitze mit Ausnahme der Polarregionen auf der gesamten Erde erfasst. Dieses seit den 1980er-Jahren von der NASA entwickelte Gerät war der Vorläufer des LIS (Lightning Imaging Sensor), der länger in Betrieb war.

Der Blitzsensor LIS des Erdbeobachtungssatelliten TRMM (Tropical Rainfall Measuring Mission) der NASA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA war von 1997 bis 2015 in Betrieb. Mit diesem optischen Gerät konnten Blitze zwischen dem Äquator und dem 38. nördlichen und südlichen Breitengrad erfasst werden. Die ursprünglich für drei Jahre geplante Mission endete erst nach 17 Jahren. An Bord des erdumlaufenden Satelliten befanden sich neben dem optischen Blitzsensor auch Geräte zur Untersuchung der Niederschlagsmuster in den tropischen und subtropischen Regionen.

Die dritte Generation der EUMETSAT-Satelliten (Missionsbeginn im Jahr 2021) ist ebenfalls mit einem Blitzerfassungssystem namens Lightning Imager ausgestattet. EUMETSAT ist die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten. Sie betreibt Wettersatelliten und stellt ihren Mitgliedsstaaten die Beobachtungsdaten zur Verfügung.

Jahresverlauf der globalen Blitzklimatologie

Blitze treten am häufigsten auf der Höhe der Tropen und in subtropischen Regionen auf, das macht die Darstellung der durchschnittlichen Anzahl der Blitzeinschläge pro km2 und Jahr von 1995 bis 2010 deutlich. Es zeigt sich zudem, dass Blitz häufiger über Land als über dem Meer vorkommen. Grund dafür ist, dass über den Kontinenten und Ozeanen jeweils unterschiedliche Bedingungen hinsichtlich der Strahlung herrschen. Die Landmassen heizen sich in der warmen Jahreszeit stärker auf als die Meere. Daher sind die konvektiven Prozesse (Kondensation von Wasserdampf und Wolkenbildung infolge aufsteigender Luftbewegungen), die sich zu Gewittern entwickeln können, dort wesentlich ausgeprägter.

Dieser Effekt erklärt auch, warum Blitzschläge auf der Nordhalbkugel deutlich häufiger sind: Die Oberfläche der Kontinente ist dort grösser als auf der Südhalbkugel. Im weltweiten Durchschnitt schlagen Blitze meist nachmittags zwischen 12 und 18 Uhr ein. Auf der Nordhalbkugel wird die höchste Anzahl von Blitzen zwischen Juni und August verzeichnet, auf der Südhalbkugel zwischen Dezember und Februar.

In Europa sind Gewitter deutlich seltener als in den subtropischen Regionen. Das bedeutet aber nicht, dass sie weniger heftig wären. Gerade in den gemässigten Breiten  sind im Sommer schwere Gewitter mit Windböen, Hagel und Überschwemmungen zu beobachten. Die am meisten von Blitzen getroffene Region in Europa befindet sich nahe der Schweizer Grenze, am Comersee in Norditalien.

Gewitter- und Blitzhäufigkeit in der Schweiz zu finden.

Die blitzreichsten Regionen

Die blitzreichsten Regionen befinden sich zwischen dem Äquator und dem 38. nördlichen und südlichen Breitengrad. Die Blitzhäufigkeit in diesen Regionen wurde über einen Zeitraum von 17 Jahren während der Satellitenmission TRMM (Tropical Rainfall Measuring Mission) beobachtet. Diese Daten wurden für die Erstellung vollständiger Blitzklimatologien im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Studien verwendet.

Afrika ist der blitzreichste Kontinent ist, das ergab eine Studie von Rachel et al. (2016), die auf hochauflösenden Daten basierte. Die Analyse zeigte, dass die Region mit den meisten Blitzeinschlägen nicht wie bis anhin angenommen das östliche Kongobecken in Afrika ist, sondern der Maracaibo-See in Venezuela. Im Rahmen dieser Studie wurde ausserdem eine Liste der 500 Ortschaften erstellt, die in den vom TRMM-Satelliten überflogenen Regionen (0–38° N/S) am meisten von Blitzen getroffen wurden. Für jeden Fall wurde die Anzahl der Blitzeinschläge pro Quadratkilometer innerhalb eines Jahres (Flash Rate Density, FRD) berechnet. Keiner dieser Orte liegt in Europa.

Zwar stammen die neusten Daten, die in dieser Studie verwendet wurden, aus dem Jahr 2013, doch die Ergebnisse sind noch heute gültig. Trotz der globalen Erderwärmung hat sich die Verteilung der gewitterreichsten Zonen der Erde nicht wesentlich verändert.

Die 5 blitzreichsten Regionen auf jedem Kontinent und andere besondere Regionen

  • Südamerika
  • Afrika
  • Nordamerika
  • Asien
  • Ozeanien

Südamerika

In Südamerika gibt es fünf Hotspots mit einer erhöhten Blitzrate. Sie sind auf Kolumbien und Venezuela verteilt. Der Maracaibo-See ist mit 233 Blitzeinschlägen pro km2 und Jahr die blitzreichste Region der Welt.

Die Nächte am Maracaibo-See in Venezuela, dem grössten Binnenmeer Südamerikas, bieten ein einzigartiges Naturschauspiel: Die Blitze erleuchten die tropische Dunkelheit in bis zu 260 Nächten pro Jahr, vor allem dort, wo der Río Catatumbo in den See mündet. Bis zu 60 Blitze pro Minute, also fast 1 176 000 Blitze im Jahr – dieses Phänomen steht sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

Die Blitze treten nachts so häufig auf, dass diese Region zu Kolonialzeiten den Seeleuten in der Karibik als Leuchtturm diente. Dieses Phänomen (spanisch Relámpago del Catatumbo) bleibt bis heute voller Rätsel, und es gibt zahlreiche Theorien rund um die ungewöhnliche elektrische Aktivität.

Dabei ist der Grund dafür relativ einfach: Der Maracaibo-See liegt zwischen zwei Bergketten des Andenmassivs. Tagsüber verdunsten dort grosse Wassermengen aufgrund der hohen Oberflächentemperatur, die durchschnittlich 30 Grad beträgt. Zudem steuert das Karibische Meer im Norden zusätzliche Feuchtigkeit. In der Nacht kühlt sich die Luft über den Andengipfeln in der Nähe rasch ab, und über den beiden Bergketten im Westen und im Süden bilden sich Winde, die über dem warmen See aufeinandertreffen. Diese ausgeprägte Windkonvergenz in Verbindung mit einer feuchten, instabilen Luftschichtung stellt einen zusätzlichen Trigger für den Hebungsprozess dar, den für Gewitter braucht. Auf diese Weise bilden sich über dem See und seiner Umgebung im Laufe des Abends und in der Nacht regelmässig Gewitterzellen von grosser vertikaler Ausdehnung.

Alle anderen Hotspots Südamerikas befinden sich in Kolumbien. Die Häufigkeit der Blitzeinschläge ist dort verglichen mit anderen Weltregionen ebenfalls sehr hoch, vor allem an den Ausläufern der Bergketten des nördlichen Andenmassivs. Sie wird nur von einigen Regionen in Pakistan und Indien übertroffen. In vielen der kolumbianischen Gewitterregionen wird die grösste elektrische Aktivität in der Nacht verzeichnet. In Anbetracht der topografischen Gegebenheiten ist dies vermutlich auch auf die stationären Konvergenzen (Umkehrthermik) zurückzuführen.

Afrika

Acht der zehn Regionen mit den meisten Blitzeinschlägen in Afrika befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo. Mit einer jährlichen Häufigkeit von 205 Blitzeinschlägen pro km2 weist die Gemeinde Kabare eine ähnliche Intensität wie jene am Maracaibo-See in Venezuela auf und belegt weltweit den zweiten Platz. Im Hinblick auf das Jahresmittel und auf das gesamte Gebiet betrachtet ist die Demokratische Republik Kongo das gewitterreichste Land der Erde. Nguti in Kamerun ist auf Platz 4 der gewitterreichsten Regionen Afrikas und auf Platz 8 weltweit. Gewitter treten in West- und Zentralafrika über das gesamte Jahr hinweg auf, zwischen September und Mai sind sie jedoch am aktivsten.

Nordamerika

Die gewitterreichsten Regionen auf dem nordamerikanischen Kontinent befinden sich in Zentralamerika. Die zwei Orte, die mit einer FRD von 117 bzw. 103 pro km2 und Jahr die Liste anführen, befinden sich in Guatemala. Auch diese zwei Regionen, in denen die meisten Blitzeinschläge auftreten, liegen am Fuss einer Bergkette, der Sierra Madre. Vor allem in Patulul, unweit des bei Touristinnen und Touristen beliebten Lago de Atitlán, kommt es in den Sommermonaten häufig zu Gewittern. In diesen Regionen wird im Laufe des Nachmittages der Höhepunkt der elektrischen Aktivität erreicht. Die gewitterreichste Region der USA befindet sich in Orangetree in Florida. Die Aktivität erreicht dort ihren Peak im Juli.

Asien

Drei der gewitterreichsten Regionen Asiens befinden sich in Pakistan. Insbesondere in Daggar am Fuss der Ausläufer des Hindukusch entstehen im Juli und August heftige Gewitter mit einer erheblichen elektrischen Intensität. Im August wurden hier die grössten monatlichen Blitzhäufigkeiten der Welt beobachtet, die selbst jene der gewitterreichsten Monate im Kongo übersteigen. In Rajouri, im äussersten Westen des Bundesstaats Jammu und Kashmir, werden zudem während des Monsuns heftige Gewitter mit Tornados, kräftigen Hagelschauern und Überschwemmungen beobachtet. Diese Regionen befinden sich am Fuss des Himalaja und weisen die grösste elektrische Aktivität während der Monsunmonate zwischen Mai und Oktober auf, vor allem im August und September. Auch hier treten die heftigsten Gewitter an den Gebirgsausläufern auf. Die warme, feuchte Luft des vom Arabischen Meer kommenden Südwestmonsuns trifft in diesen Regionen auf kalte, trockene Luft, die vom tibetischen Hochland herabsinkt.

Auch die Blitzklimatologie von Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, ist interessant. Mit einer FRD von 93 Blitzeinschlägen pro km2 und Jahr belegt sie in Asien zwar nur den zehnten Platz, sie ist aber die blitzreichste Hauptstadt der Welt. Insgesamt befindet sich Kuala Lumpur auf dem 52. Platz der 500 blitzreichsten Regionen weltweit.

Ozeanien

Auch in Ozeanien befinden sich vier der Regionen mit der intensivsten elektrischen Aktivität am selben Ort, und zwar an der nordaustralischen Küste. Die blitzreichste Region Australiens erreicht jedoch weltweit nur den 61. Platz. Die fünfte Region befindet sich in Papua-Neuguinea. Die grosse Blitzhäufigkeit in den zwei Ländern kommt durch die nachmittägliche Konvergenz des Windes vom Meer und vom Land zustande, vor allem während des Sommermonsuns.

Zeitlicher Verlauf der Blitzhäufigkeit an den 10 Hotspots der Kontinente

Mit der Unterstützung der klimatologischen Auswertung der Blitzeinschläge auf der Erde durch die Satelliten wurden frühere Beobachtungen bestätigt: Über Land wird eine grössere elektrische Aktivität verzeichnet als über dem Meer, insbesondere in den Bergregionen des Himalaja, der Anden, der Sierra Madre und des Mitumba-Gebirges in Afrika. Die höchste Blitzeinschlagsdichte wurde in den Sommermonaten und in zahlreichen Regionen während der Monsunzeit erfasst. Letztlich wurde der Maracaibo-See als blitzreichste Region der ganzen Welt ermittelt.