
Die Atmosphäre ist ein fluid und verhält sich tatsächlich ähnlich wie Wasser. Wenn also zwei Luftschichten mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten übereinanderliegen (man spricht dann von Scherung), entsteht an ihrer Grenzfläche Reibung, welche Wellen erzeugt. Sind beide Schichten stabil geschichtet, können sich keine spontanen vertikalen Bewegungen entwickeln und so verstärken sich die Wellen und können schlussendlich, wie Wellen am Strand, brechen.
Befindet sich genügen Feuchtigkeit in der Grenzfläche zwischen den beiden Luftschichten und es hat ausreichend Windscherung, können sich Wolken bilden, welche die Wellen sichtbar machen. Diese Wellen erscheinen meist an Stratus- (tiefe Wolken) oder Altostratuswolken (mittelhohe Wolken), können aber auch bei Cirren oder Cumuluswolken auftreten. Gemäss dem Internationalen Wolkenatlas der WMO werden diese Wellenwolken auch Fluctus genannt. Das folgende Beispiel zeigt Kelvin-Helmholtz-Wellen in einer dünnen Stratuswolke.

Die Wellen lassen sich im Flachland zum Beispiel auf der Hochnebel- oder Nebelschicht beobachten, die in der Regel die Obergrenze des Kaltluftsees markiert. Unten sehen Sie ein schönes Beispiel für Kelvin-Helmholtz-Wellen an der Obergrenze einer ausgedehnten Hochnebelschicht am Fuße des Jura.

Die Fluctus Wolken sind in der Regel kurzlebig und selten, da die Bedingungen, unter welchen Sie entstehen, ebenfalls nur für kurze Zeit vorherrschen. Sollten Sie solche Wolken beobachten, würden wir uns freuen, wenn Sie ein Foto davon über die Wetterbeobachtungen in unserer MeteoSwiss-App mit uns teilen.
