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Das Extrem wird weniger extrem

MeteoSchweiz-Blog | 14. Januar 2023
12 Kommentare

Der Januar 2023 war bis jetzt aussergewöhnlich mild. In den nächsten Tagen stellt die Wetterlage grundlegend um und es kommt hochwinterlich kalte Polarluft zu den Alpen. Damit wird der Wärmeüberschuss von Anfang Januar abgebaut, oder doch nicht?

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Was bisher geschah…

Seit Silvester und Neujahr ist es in weiten Teilen Mitteleuropas und im Alpenraum viel zu warm für die Jahreszeit. Zeitweise lag die Durchschnittstemperatur rund 10 Grad über den für Anfang Januar üblichen Werten. Gemittelt fielen die ersten 12 Januartage in der Schweiz auf der Alpennordseite 5 bis 7 Grad, auf der Alpensüdseite 2 bis 4 Grad zu warm aus.

Schuld an diesem extremen Wärmeüberschuss waren anhaltende Südwestwetterlagen, welche immer wieder aussergewöhnlich milde Luftmassen von Südwesteuropa oder vom subtropischen Atlantik in die Schweiz führten. Für diese Wetterlage braucht es kräftige Tiefdruckgebiete über dem Ost- und Nordatlantik, die auf ihrer Vorderseite Warmluft in Richtung Europa führen, selbst aber nicht ostwärts weiterziehen. Damit blieb die Kaltluft in den letzten 3 Wochen meist über dem Atlantik und Nordwesteuropa stecken und konnte kaum nach Mitteleuropa vorstossen.

…und wie es weitergeht

Die beständigen Südwestwinde finden in den nächsten Tagen ihr jähes Ende. Ab Sonntag stellt die Wetterlage grundlegend um und führt im Laufe der kommenden Woche in einen hochwinterlichen Witterungsabschnitt.

Grund für den bevorstehenden Wetterwechsel sind wiederum Tiefdruckgebiete, welche nun aber nach Kontinentaleuropa durchschwenken und sich über uns einnisten. In ihrem Schlepptau lösen sie einen Kaltluftvorstoss zum Mittelmeerraum aus. Dies bringt über dem zentralen Mittelmeer erneut Tiefdruckentwicklungen in Gang. Damit wird über Mitteleuropa der Weg frei für polare Kaltluft aus Norden. Gleichzeitig unterbindet dieses Strömungsmuster das Heranführen von milderer Luft aus Südwesten oder Westen. Die Strömung stellt also um – von zuletzt zonal (West-Ost) auf meridional (Nord-Süd).

Zu kalt, oder doch nicht?

Die erste Etappe in die kalte dritte Januarwoche findet bereits am Sonntag statt. Hier lenkt ein Tief über der Nordsee seine Kaltfront zu den Alpen. Die Front gerät vor dem Alpenbogen etwas ins Schleifen und wird auf ihrem Weg südostwärts ausgebremst. Dennoch sorgt sie vor allem für kräftigen Wind (bewarnt mit einer Stufe 2) und in einer zumindest kurzen Nordweststauphase für etwas Neuschnee am Alpennordhang. Danach strömt bis zur zweiten Wochenhälfte aus nördlichen Richtungen immer kältere Luft in die Schweiz. Damit fallen die Temperaturen wahrscheinlich leicht unterdurchschnittlich, aber nicht markant zu kalt aus. Immerhin ist Mitte und Ende Januar auch die Zeit des Hochwinters.

Im Verlauf der mittleren Temperatur für die gesamte Schweiz (rote Kurve) zeichnet sich die bevorstehende kältere Wetterphase deutlich ab. Der riesige Wärmeüberschuss von der ersten Januardekade wird abgebaut und die rote Kurve nähert sich den hellgrau und dunkelgrau schattierten Bereichen, welche den Grossteil der bisher üblichen Bandbreite an gemessenen Monatsmitteltemperaturen darstellt. Aber auch etwas Anderes zeichnet sich bereits jetzt schon ab: Der erwartete kalte Witterungsabschnitt wird kaum in der Lage sein, den bis jetzt massiv zu warmen Januar am Ende normal oder gar zu kalt ausfallen zu lassen. Im Gegenteil: Die Monatsmitteltemperatur würde nach derzeitiger Projektion Ende Januar weiterhin deutlich über dem Klimamittel 1991-2020 (dickere graue Linie und grüne Zahl) liegen. Mit anderen Worten: Das Extrem wird nur weniger extrem, aber nicht normal(isiert).