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Zyklonale Ost- bis Südostlage

MeteoSchweiz-Blog | 23. Januar 2023
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Heute herrschte im Alpenraum eine tiefdruckbestimmte Ost- bis Südostlage. Diese Wetterlage ist sehr selten. Die damit verbundenen Wettererscheinungen sind aus diesem Grund nicht sehr geläufig, weshalb im heutigen Meteoblog näher darauf eingegangen wird.

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Oft hochnebelartige Bewölkung nördlich der Alpen

In den Wintermonaten bringt östlicher Bodenwind, nämlich die Bise, auf der Alpennordseite oft Hochnebel. Wenn die Wetterlage einen tiefdruckbestimmten Charakter aufweist, liegt die Hochnebelobergrenze meist bei 2000 Metern. Sie ist auch nicht mehr eindeutig schichtförmig, so dass man in diesem Fall besser von hochnebelartiger Bewölkung spricht. Ja nachdem, ob in der Höhe eher östliche oder südöstliche Winde wehen, erreicht diese Bewölkung unterschiedlich weit in die Alpentäler hinein. Bei südöstlichen Höhenwinden sind viele Alpentäler nicht von hochnebelartiger Bewölkung betroffen.

Oberhalb des Hochnebels oft dichte hohe und mittelhohe Bewölkung

Im Gegensatz zu den klassischen Hochnebellagen zeichnen sich tiefdruckbestimmte (zyklonale) Ost- bis Südostlagen dadurch aus, dass auch oberhalb der hochnebelartigen Bewölkung oft dichtere Bewölkung herrscht und die Sonne nur zeitweise durchkommt.

Auf der Alpensüdseite je nach Anströmung unterschiedliche Wetterverhältnisse

Speziell auf der Alpensüdseite hat die Anströmungsrichtung bei zyklonalen Ost- oder Südostlagen grosse Auswirkungen auf das Wetter. Herrschen östliche Winde, ist es bis auf das Südtessin überwiegend trocken und zeitweise scheint die Sonne.

Anders bei südöstlicher Anströmungsrichtung. Dann ist es meist stark bewölkt und speziell im Süd- und Westtessin sowie in der Simplonregion kommt es zu Niederschlägen, welche hie und da recht ausgiebig sein können.

Grössere Niederschläge auch im Münstertal

Dass es bei tiefdruckbestimmten Südostlagen im westlichen Tessin und in der Simplonregion zu Niederschlägen kommt, erstaunt nicht, denn die Strömung wird durch die nach Nordwesten immer höheren Berge (östliche Walliser- und nordwestliche Tessiner Alpen) gestaut.

Auf den ersten Blick hingegen überraschend sind die bedeutenden Niederschläge im Münstertal, während beispielsweise das Puschlav und das Bergell davon fast nicht betroffen sind. In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf die Topografie. Bei südöstlicher Anströmung bleiben das Puschlav und auch das Veltlin durch die hohen Bergen des Adamello- und Ortlergebietes geschützt und erhalten kaum Niederschlag. Das Unterengadin seinerseits profitiert vom Schutz der hohen Berge im Süden und Südosten, genauer gesagt durch die Berggipfel Piz Laschadurella - Piz Pavna Dadaint - Piz Pisoc - Piz Lischana – Piz S-chalambert Dadaint. Diese Berge sind über 3000 Meter hoch, so dass das Unterengadin von einem markanten Leeeffekt profitiert und meist trocken bleibt.

Das Münstertal ist gegen die Feuchtezufuhr aus Südosten relativ offen, der Stau erfolgt erst gegen den Ofenpass und die dortigen umliegende Berge hin.