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Schneearme Winter: Eine Herausforderung für Wintersport und Wintertourismus

MeteoSchweiz-Blog | 22. Februar 2023
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In vielen Wintersportgebieten liegt momentan deutlich weniger Schnee als üblich. Schneearme Winter werden in Zukunft zum Normalfall und bedeuten eine grosse Herausforderung für Wintersport und Wintertourismus. Das internationale Expertenforum „Klima.Schnee.Sport“ veröffentlichte nun den aktuellen Forschungsstand zum Thema Wintersport und Klimawandel.

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Aufgrund aktuell geplanter, globaler Klimaschutzmassnahmen (Stand Ende 2022) wird sich die Jahresmitteltemperatur im Alpenraum bis zum Ende des Jahrhunderts mit grosser Wahrscheinlichkeit um mindestens weitere 2 °C erhöhen. Ein Teil dieser Veränderung steht bereits fest und ist verursacht durch unseren vergangenen Treibhausgasausstoss. Jede weitere zukünftige Emission heizt das Klima weiter an.

Wie das Expertenforum „Klima.Schnee.Sport“ mit Vertretern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in seinem Positionspapier zeigt, hat dies weitreichende Folgen für den Schneetourismus in den Alpen.

Natürliche Schwankungen und langfristiger Trend

Wichtig bei Analysen von Schneedaten ist die Unterscheidung von natürlichen Schwankungen, etwa von Jahr zu Jahr oder über mehrere Jahre, und dem langfristigen Trend, der durch den menschgemachten Klimawandel verursacht wird. So kann es auch weiterhin schneereiche Winter geben - langfristig aber wird die Schneedecke in tiefen und mittleren Lagen unterhalb von etwa 1500 Meter Seehöhe abnehmen. Diese Entwicklung ist in der Schweiz bereits in den Messungen der letzten Jahrzehnte sichtbar und zeigt sich für die Zukunft auch klar in den Berechnungen aktueller regionaler Klimamodelle.

Mehr Regen – Unsicherheit für Beschneiung steigt

Zusätzlich zur erwarteten zukünftigen Erwärmung können dabei auch Niederschlagsänderungen eine Rolle spielen. So zeigen die CH2018 Klimaszenarien für die Schweiz und neueste alpenweite Szenarien robuste Signale hinsichtlich einer Erhöhung der Winterniederschläge im Alpenraum und einer Intensivierung kurzzeitiger Niederschlagsextreme und somit auch stärkerer einzelner Schneefälle. Über eine ganze Wintersaison gesehen und über weite Teile des Alpenraums dominiert allerdings die Erwärmung, sodass zumindest in tiefen und mittleren Höhenlagen langfristig immer weniger Schnee fallen wird. Die Unsicherheit, ob eine für den Schneesport nutzbare Schneedecke durchgehend über die gesamte Saison auch mit der Unterstützung durch technische Mittel (Beschneiung, Snow Farming) erhalten werden kann, nimmt dadurch weiter zu.

Strategische Handlungsansätze und Empfehlungen

Auf Basis dieser Wissensgrundlage sieht das Expertenforum „Klima.Schnee.Sport“ für die Wintersport-Branche einige zentrale Punkte, um den Herausforderungen des Klimawandels aktiv zu begegnen:

  • Wintertourismus und Schneesport tragen durch ihre eigenen Emissionen zum Klimawandel bei. Es gilt deshalb, CO2-Bilanzen in allen relevanten Sektoren zu erstellen, um die Möglichkeiten zur Minimierung der schädlichen Klimawirkung abzuschätzen und Reduktionsmassnahmen aufzugleisen.
  • Die Durchführung von standortbezogenen, fachübergreifenden Vulnerabilitätsanalysen ist eine wichtige Grundlage hin zu einer nachhaltigen Strategieentwicklung für den Wintersport.
  • Die Implementierung von nachhaltigen technologischen und organisatorischen Innovationen (z.B. Diversifikation der Angebote) zur Sicherung und Weiterentwicklung des Wintersports und seiner Destinationen.

Wissensdefizite und Forschungsbedarf

Wichtig ist für das Expertenforum „Klima.Schnee.Sport“ auch die Definition von Themengebieten, in denen noch Forschungsbedarf besteht:

  • Es gibt Anzeichen, dass der Klimawandel die atmosphärische Zirkulation ändert und dass bestimmte Wetterlagen länger andauern könnten (längere Niederschlagsphasen, längere Trockenphasen). Dies hätte weitreichende Konsequenzen auch für den Wintersport, die Aussagen sind allerdings derzeit nur wenig belastbar.
  • Des Weiteren besteht Forschungsbedarf bei Fragen der regionalen Entwicklung des Klimas in unterschiedlichen Höhenlagen, vor allem beim Niederschlag. Beispielsweise können lokale Effekte für sprunghafte Änderungen sorgen (Kipppunkte), etwa bei der Schneefallgrenze.
  • Auch das Schneemanagement kann weiter verbessert werden, etwa durch den Einsatz von automatisiertem Monitoring, Modellierung, Fernerkundung, und Einsatz künstlicher Intelligenz.

2019 veröffentlichte das Expertenforum „Klima.Schnee.Sport“ das erste Positionspapier zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport unter Mitarbeit von 14 Klima- und Sportforschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Aktualisierte Fassung mit den neuesten Erkenntnissen: Positionspapier Expertenforum "Klima.Schnee.Sport"

Aus der Schweiz beteiligt waren das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz sowie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.

Das Positionspapier wurde vor Kurzem am Rande der Biathlon-WM vorgestellt.