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Kanadische Waldbrände, eine Rauchfahne, deren Herkunft und eine Bilanz der Brände.

MeteoSchweiz-Blog | 29. Juni 2023
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Eine Rauchfahne über der Schweiz, diverse Medienanfragen und -berichte, sowie ein Wetterwechsel haben uns dazu verleitet über das hochaktuelle und spannende Thema zu berichten. Wir schauen uns die Messmethoden und die Zustände im Herkunftsland Kanada an.

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Haben wir Rauchpartikel über der Schweiz?
Ja, diesen können wir mit verschiedenen Messtechniken feststellen. Die wohl eindrücklichste ist anhand unseres Lidars (Light detection and Ranging) in Payerne. Dabei messen wir die totale, zurückgestreute Strahlung eines zuvor ausgesendeten Lichtstrahls. Dabei können wir an einem Punkt die Quantität der Partikel in der Atmosphäre feststellen und der Rauchwolke eine Höhe zuordnen. Ersichtlich ist das Absinken der Rauchwolke in den letzten Stunden, dies hängt mit dem grossräumigen Absinken der Luftmasse unter aktuellem Hochdruckeinfluss zusammen. Mehr über das grossräumige Absinken der Luft unter Hochdruckeinfluss, die sogenannte Subsidenz, lesen sie hier.

Das Paul Scherrer Institut misst die Black Carbon Partikel, welche bei der Verbrennung (in diesem Fall von Holz) in die Atmosphäre gelangt sind am Jungfraujoch.

In der Grafik ist zu sehen, dass die Messung der Rauchpartikel am 28. Juni tagsüber stark ansteigt. Dass ist darauf zurückzuführen, dass die am stärksten belastete Luftmasse, wie oben erwähnt, durch die Subsidenz abgesunken ist. Dabei ist die Messstation am Jungfraujoch tagsüber also in die belastete Luftmasse geraten.

Auch können wir die Rückwärtstrajektorien aus dem EZMWF - Global-Modell rechnen. Dafür haben wir die Ankunft über Payerne in genau dieser Schicht für vier Höhen gerechnet. Diese Trajektorien zeigen die Herkunft in den unteren Schichten von Ostkanada, wo sich die Rauchwolke vor rund 144 Stunden (dem Anfangstermin der Trajektorien - Berechnung) befunden hat.

Kann man die Rauchfahne von Auge beobachten?
Ja, in Kamerabildern lässt sich die durch Rauch belastete Luft in der unteren Grenzschicht schön feststellen. Besonders gut kann dies bei flacher Strahlung, insbesondere bei Sonnenaufgang (ohne die täglichen Quellwolken) beobachtet werden.

Ist die Luft in der Rauchfahne schädlich?
Beim Bundesamt für Umwelt kann man sehen, dass die Konzentration der Rauchpartikel fernab von einem schädlichen Grenzwert liegen.

Wie geht’s bei uns weiter?
Bei uns ist mit einem Tief und dessen Kaltfront heute Abend und morgen Freitag Regen angesagt, und zwar verbreitet und teils ergiebig. Die entsprechende Niederschlagswarnung, welche wir heute Morgen ausgegeben haben finden sie hier.

Dabei wird die Luft durch den Niederschlag gewaschen, dabei werden die Partikel regelrecht mit und zu Boden gerissen. Mit der bevorstehenden Kaltfront findet aber auch ein Luftmassenwechsel statt.

Was ist der Status / die Bilanz in Kanada?

Sind die Waldbrände in Kanada aussergewöhnlich?
Es ist völlig normal, dass es zu dieser Jahreszeit in Kanada brennt. Absolut aussergewöhnlich aber ist die Anzahl, die Ausdehnung und der Verlauf der Waldbrände in diesem Jahr. Dies ist in der folgenden Grafik ersichtlich. Auf Grund eines sehr trockenen und warmen Frühjahrs hat die Waldbrandsaison bereits früh begonnen. Unvergleichbar ist auch der Anstieg der Kurve, diese überschreitet alle Messungen der letzten 20 Jahre um Vieles. Ein Abflachen der Kurve (Stagnieren des Anstieges) ist noch nicht ersichtlich. Und während die Waldbrandsaison normalerweise erst um diese Jahreszeit so richtig Fahrt aufnimmt, wird dieses Jahr schon eine extreme Ausbreitung verzeichnet.