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Was steckt hinter dem Beruf Meteorologin und Meteorologe?

MeteoSchweiz-Blog | 16. Mai 2024
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Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Erstellung präziser Wetterprognosen und der Erforschung verschiedener Wetterphänomene: Meteorologinnen und Meteorologen. Im Gespräch erläutern Aude Untersee, Daniel Köbele und Cecilia Moretti, wie sie ihre Leidenschaft für Meteorologie entdeckten.

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Berufe bei MeteoSchweiz

In dieser Serie geben wir einen Einblick in die verschiedenen Berufe der Mitarbeiter/-innen bei MeteoSchweiz.

Teil 1: Meteorolog/-in

Wetterprognosen dienen nicht nur dazu, während eines Spaziergangs nicht unverhofft nass zu werden – sie sind weit mehr als ein simpler Regen-Alarm. Sie spielen in zahlreichen anderen Bereichen eine entscheidende Rolle: Flughäfen beispielsweise sind auf präzise Wetterprognosen angewiesen, um sichere Abflüge und Landungen der Flugzeuge gewährleisten zu können.

Ebenso unverzichtbar sind Wetterprognosen für den Berg- und Wassersport. Bergführer nutzen sie unter anderem, um ihre Gruppen unter möglichst sicheren Bedingungen zu führen.

Wettervorhersagen sind überlebenswichtig

Präzise Wetterprognosen können in manchen Fällen überlebenswichtig sein, da sie so die Bevölkerung rechtzeitig vor Stürmen, Gewittern oder Starkregen angemessen warnen können.

Darüber hinaus sind Wettervorhersagen in Bereichen wie der Landwirtschaft, dem Strassenverkehr und auch dem Militär wichtig.

In der Landwirtschaft können unvorhergesehene Wetterereignisse wie Frost oder Hagel erhebliche Schäden verursachen. Im Strassenverkehr können Glatteis, Schneefall, Nebel oder starke Regenfälle die Fahrbahnbedingungen drastisch verschlechtern und führen zu einem erhöhten Unfallrisiko. Auch im Militär sind präzise Wetterinformationen kritisch, um Operationen planen und die Sicherheit der Einsatzkräfte gewährleisten zu können.

Satellitenbilder, Radarbilder und Wetterkarten werden ausgewertet

An den drei Standorten Genf, Locarno und Zürich-Flughafen überwachen die Meteorologinnen und Meteorologen bei MeteoSchweiz rund um die Uhr die Wetterlage. Sie erstellen Wetterprognosen, beraten Kundinnen und Kunden, geben Wetterwarnungen für die Bevölkerung und Behörden aus und warnen vor Flugwettergefahren. Dabei werden verschiedene Prognosemodelle auswertet und Radarbilder, Satellitenbilder und Messwerte von vielen Messstationen analysiert. Ein Teil dieser Wetterprognosen wird auch in der MeteoSchweiz-App publiziert.

Die Meteorologinnen und Meteorologen erstellen ausserdem massgeschneiderte Prognosen für gewisse Fachstellen wie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF oder auch für Privatpersonen wie zum Beispiel Landwirte, die oft per Telefon spezifische Fragen zum Wetter stellen.

Wie sieht der Tagesablauf von Meteorolog/-innen aus?

Gewisse Abläufe sind jeden Tag gleich, wie zum Beispiel das Erstellen des Wetterberichts. Es gibt jedoch verschiedene Schichten, die unterschiedlich lang sind, zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden und nicht jeden Tag mit den gleichen Aufgaben gefüllt sind. Bei MeteoSchweiz arbeiten die Meteorologinnen und Meteorologen 365 Tage im Jahr und 24 Stunden pro Tag, um einen kontinuierlichen Wetterdienst leisten zu können. Es gibt also auch Wochenendschichten und Nachtschichten und der Arbeitsalltag ist daher sehr abwechslungsreich und dynamisch.

«Einen typischen Tagesablauf gibt es bei uns im Schichtdienst nur bedingt.» Daniel Köbele, Meteorologe

An Tagen, an denen schwieriges Wetter, wie zum Beispiel Gewitter, Hagel oder Starkregen, herrscht, muss die Wetterentwicklung im «Nowcasting» minutengenau verfolgt werden, um rechtzeitig Wind- oder Sturmwarnungen herausgeben zu können. Dabei werden die Zugbahnen (die Route eines Sturms) von heftigen Gewittern genau überwacht.

Tage mit Wetterwarnungen sind deutlich anspruchsvoller als andere Tage und die Regionalzentren müssen sich insbesondere dann gut absprechen und koordinieren. Wenn eine schwierige Wetterlage im Luftraum oder an den Flugplätzen und Flugrouten herrscht, beraten die Meteorologinnen und Meteorologen unter anderem auch den Flughafen Zürich und den Flughafen Genf. Zu den Aufgaben der Meteorologinnen und Meteorologen gehört auch, fast täglich einen Blogartikel zu verfassen. Die Themen reichen von der Erklärung meteorologischer und physikalischer Phänomene bis zum aktuellen Wetter.

Wie wird man Meteorolog/-in?

Es gibt in der Schweiz keine direkte Ausbildung, um Meteorologe/Meteorologin zu werden, hier führen viele Wege ans Ziel. Ein Studium im naturwissenschaftlichen Bereich wie zum Beispiel im Bereich Erdwissenschaften, Atmosphären- oder Klimawissenschaften, wie es Cecilia Moretti absolviert hat, böte eine solide Grundlage. Alternativ stellen auch Geo- oder Umweltwissenschaften und Physik einen guten Startpunkt, wobei auch eine Spezialisierung in Meteorologie/Klimatologie absolviert werden kann.

Alle neuen Meteorolog/-innen von MeteoSchweiz müssen bei Arbeitsantritt eine praxisorientierte, berufsbegleitende Ausbildung absolvieren. Diese dauert 8 bis 12 Monate mit Schwerpunkt Schweizer Wetter- und Klimaverhältnisse.

Viele Wege führen zu einer Karriere in der Meteorologie

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, im Bereich Meteorologie zu arbeiten? Um diese Frage zu beantworten, stellen wir euch zwei Meteorologinnen und einen Meteorologen von MeteoSchweiz vor: Aude Untersee, Daniel Köbele und Cecilia Moretti.

Aude Untersee: Vom Segelflug zur Meteorologie

Aude Untersee ist begeisterte Outdoor-Sportlerin und geht gerne Wandern, Radfahren und auf Skitouren. Seit ihrer Jugend betreibt sie ausserdem leidenschaftlich Segelflug. Beim Segelfliegen wird kein Motor benutzt, der Antrieb wird durch Aufwinde, die durch die Erwärmung durch die Sonne oder durch die Strömung des Windes in den Bergen entstehen, generiert. Aude Untersee liebt es, im mit Quellwolken dekorierten Himmel zu fliegen. Das sei viel fotogener als ein komplett blauer Himmel, meint sie.

Outdoor-Sportarten haben eines gemeinsam: Sie sind alle wetterabhängig. Das hat sie dazu inspiriert, sich mit der Meteorologie auseinanderzusetzen und nun arbeitet sie im Regionalzentrum von MeteoSchweiz in Genf. Aude liebt ihren Beruf, weil er es ihr nicht nur ermöglicht, an der Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit zu arbeiten, sondern auch, weil er täglich Tausenden von Menschen dabei hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Daniel Köbele: Faszination und Neugier nach Orkan Lothar

Daniel Köbele machte als Zwölfjähriger eine prägende Erfahrung: Er erlebte den Orkan Lothar hautnah. Die anfängliche Furcht wich bald einer Mischung aus Faszination und Neugierde. «Warum und vor allem wie entstehen solche Naturgewalten?» fragte er sich damals staunend. Sein Respekt vor extremen Wetterphänomenen wie Stürmen, Gewittern, Hitzewellen oder Sturzfluten und seine Faszination für das Wetter ist bis heute geblieben.

Nun arbeitet Daniel Köbele als Meteorologe in der Wetterzentrale von MeteoSchweiz am Standort Zürich-Flughafen. Es macht ihm viel Freude, gemeinsam im Team die bestmögliche Wetterprognose für die nächsten Tage zu erstellen, um der Bevölkerung und den Kunden zu helfen, sich vor Wettergefahren zu schützen und um mehr über das Wetter und Klima zu erfahren und zu verstehen.

Cecilia Moretti: «Unwetter sind viel spannender als sonnige Tage»

Cecilia Moretti hatte früh schon eine klare Vorstellung davon, welche Berufe sie nicht interessierten. Eine Karriere als Ärztin oder Lehrerin kam für sie keinesfalls in Frage. Doch dann sah sie den Katastrophenfilm «Twister», der von Tornados handelt, und ihre Faszination begann zu wachsen. «Ich könnte ja Meteorologin werden», dachte sie. Also ging sie kurzerhand an den Tag der Offenen Tür von MeteoSchweiz in Locarno-Monti und fragte, was man studieren müsse, um Meteorologin zu werden. Sie studierte dann Erdwissenschaften, Atmosphären- und Klimawissenschaften an der ETH Zürich.

Cecilia Moretti ist nun bei MeteoSchweiz in Locarno-Monti tätig und ist besonders motiviert, wenn vor Unwettern gewarnt werden muss. Unwetter seien viel vielfältiger und herausfordernder als sonnige Tage und eine gute Unwetterwarnung sei extrem wichtig für die Bevölkerung. Die täglichen Herausforderungen einer Meteorologin beschreibt Cecilia Moretti folgendermassen: «Man kann immer nur versuchen, Vorhersagen zu machen, so genau wie möglich. Die Atmosphäre ist ein komplexes und chaotisches System und, wie der Meteorologe Edward N. Lorenz sagte, weiss man nicht, was ein Flügelschlag eines Schmetterlings auf der anderen Seite der Welt auslösen könnte.»

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