Inhaltsbereich

Luftmassen - zweiter Teil

MeteoSchweiz-Blog | 12. Mai 2024
4 Kommentare

Wie gestern angekündigt, fahren wir im heutigen Meteoblog mit der Beschreibung der wichtigsten Luftmassen, welche das Wetter in der Schweiz in entscheidendem Masse beeinflussen, fort. Heute werden die Kontinental-, die Mittelmeer- und die Saharaluft eingehend behandelt.

  • Wetter

Fussbereich

Top Bar Navigation

Alle Schweizer BundesbehördenAlle Schweizer Bundesbehörden

Kontinentalluft

Die Kontinentalluft, auch Festlandluft genannt, stammt in der Schweiz aus Osten bis Nordosten. Auch die seltenen Südostwinde führen hie und da Kontinentalluft heran. Da über grossen Landmassen das Feuchtigkeitsangebot gering ist, ist die Kontinentalluft meist trocken. Ausgedehnte Landmassen haben zudem einen ausgeprägten Jahresgang der Temperatur. Im Winter ist es über grossen Kontinenten kalt bis sehr kalt, im Sommer warm bis sehr warm. Dementsprechend bringen östliche Winde im Winter oft eine strenge Kälte, im Sommer hingegen warme und trockene Witterung.

Wenn Kontinentalluft über lange Zeit wetterbestimmend ist, kann es zu extremen Wetterphänomen kommen. Zu erwähnen ist beispielsweise der kalte Winter 1962/1963, als über lange Zeit östliche bis nordöstliche Winde sehr kalte Luft von Russland her in die Schweiz transportierten. Durch die lange Dauer der Kälte froren viele Seen zu, so auch der Zürichsee und der Bodensee.

Auch im Sommer hat eine lange Dauer von östlichen Winden grosse Auswirkungen. Im Juni 1976 herrschte auf der Alpennordseite mit häufiger Bise zwar eine nicht sehr heisse, aber äusserst trockene Witterung vor, was das Gras verdorren liess und die Landwirtschaft vor einige Probleme stellte.

Mittelmeerluft

Die Mittelmeerluft erreicht aus Sektor Süd die Schweiz. Sie ist stets warm und relativ feucht. Da die Alpen eine Barriere darstellen, beeinflusst die Mittelmeerluft hauptsächlich die Alpensüdseite. Herrscht Hebung in der Atmosphäre, kommt es südlich der Alpen oft zu einem Südstau, welcher nicht selten zu ergiebigen Niederschlägen führt. Hauptsächlich ist dies im Frühling und Herbst der Fall, weil Süd-, Südwest- und Südostlagen dann am häufigsten auftreten. Durch die warmfeuchte Luft ist das Potential für Starkniederschläge auf der Alpensüdseite sehr hoch, Mengen von 100 bis 150 mm in 24 Stunden sind häufig, im Centovalli und Onsernonetal sind sogar Mengen von deutlich über 400 mm möglich.

Nördlich der Alpen herrscht bei südlichen Winden nicht selten der Föhn, wodurch dort in solchen Fällen ein ganz anderer Witterungscharakter auftritt als auf der Alpensüdseite.

Saharaluft

Luft aus der Sahara erreicht die Schweiz meist in höheren Luftschichten. Sie bewirkt im Sommer vor allem in Höhen von über 1500 Metern eine extreme Wärme. In den Niederungen kann sie sich weniger gut durchsetzen, nichtsdestotrotz wird es auch dort oft heiss, besonders auf der Alpennordseite. Eine weitere Eigenschaft ist der meist mitgeführte Saharastaub, welcher - wie in letzter Zeit oft zu beobachten war - die Sicht erheblich einschränken kann.