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Das wechselhafte und nasse Wetter widerlegt nicht die Klimaerwärmung

MeteoSchweiz-Blog | 11. Juni 2024
37 Kommentare

Das oft trübe und nasse Wetter der letzten Wochen lässt einige an der Klimaerwärmung zweifeln. Dabei werden jedoch Wetter und Klima verwechselt. Zudem ist das Gefühl nicht immer ein guter Berater bei diesem Thema.

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Das Wetter der letzten Wochen war nicht einfach für Landwirte, Gärtner oder Freunde von Sonne und Wärme. Auch der Blogger überlegte sich genervt, ob er statt Salat nicht lieber Forellen im Garten haben sollte, werden letztere doch weniger von Schnecken gefressen.

Aber so ärgerlich das oft trübe, nasse und wenig warme Wetter ist: Es kann nicht als Argument herbeigezogen werden, die Klimaerwärmung zu bestreiten.

Der erste Fehler wäre in der Zeitskala. Wetter und Klima sind nicht dasselbe. Vergleichen wir die Atmosphäre mit einer Person, dann ist das Wetter die momentane Laune und das Klima der langfristige Charakter.

Klimaerwärmung bedeutet nicht permanent zu warmes Wetter

Das Wetter ist ein ständiges auf und ab. Die Klimaerwärmung versteckt sich als schleichender Trend dahinter. Bei einem sich erwärmenden Klima gibt es weiterhin «zu warme» und «zu kalte» Tage, aber natürlich ist mit mehr zu warmen als zu kalten Tagen zu rechnen. Die vergangenen zwölf Monate zeigen dies beispielhaft:

Die schwarze Linie stellt die Norm (1991-2020) dar. Rot sind die Tage, welche während der Periode vom 12. Juni 2023 bis 10. Juni 2024 wärmer, blau solche die kälter als die Norm waren. Gut zu erkennen ist, dass es zwar zu kalte Tage gab, die warmen aber klar überwogen.

Der April 2024 wird vielen aufgrund der markanten Kältewelle in der zweiten Monatshälfte (blaue Ellipse) in Erinnerung bleiben. Während diese jedoch innerhalb der Bandbreite blieb, stellte die Wärmeperiode zuvor (orange Ellipse) neue Rekorde auf. Auch in den anderen Monaten traten mehrfach Wärmeperioden auf, welche ausserhalb der Bandbreite lagen. Bei den Kältewellen war dies dagegen nicht der Fall.

12 Monate sind zwar immer noch zu kurz, um über Klimawandel zu diskutieren. Die Aussage bleibt jedoch dieselbe, auch wenn man die letzten Jahrzehnte betrachtet.

Wir sind nicht die Welt

Auch wenn es um uns herum zu kalt ist bedeutet dies nicht, dass dies für die ganze Welt gilt. So erleben andere Regionen Hitzewellen, während bei uns der Sommer auf sich warten lässt.

Über grosse Regionen Europas wird diese Woche unterdurchschnittlich kühl. Auch andere Regionen haben das gleiche Schicksal, zum Beispiel weite Teile Kanadas. Jedoch ist auf dieser Darstellung zu erkennen, dass dennoch die rote Farbe dominiert. Weltweit gesehen wird es also wärmer als im Durchschnitt, auch wenn es in gewissen Region deutlich zu kalt ist.

Die Schweiz ist nicht Italien

Salopp gesagt vergessen wir gerne, wo wir wohnen. Die Schweiz liegt nicht am Mittelmeer. Wir befinden uns in der Westwindzone, wo wechselhaftes Wetter üblicher ist als wochenlanger Sonnenschein. Auch der Blogger ist nicht vor Fehleinschätzungen gefeit. Heute Morgen bei Schichtbeginn war er ziemlich sicher, dass der Juni bisher eher etwas zu kühl war. Aber dem ist nicht so, die erste Junihälfte entspricht bezüglich Temperatur ziemlich genau dem Durchschnitt.

Dies mag erstaunen, ein Blick in die Normwerte schafft aber Klarheit.

Ein durchschnittlicher Junitag im Mittelland hat eine Minimum-Temperatur von etwa 11 Grad und eine Höchsttemperatur von etwa 23 Grad. (Norm 1991-2020). Ein Sommertag, wie es sich die meisten vorstellen, sieht wohl anders aus. Nimmt man übrigens die Periode 1961-1990, dann war die durchschnittliche Höchsttemperatur sogar nur etwa 21 Grad.

Wir fühlen viel mehr als nur die Temperatur

Menschen sind als Thermometer ziemlich ungeeignet. 16 Grad an einem bewölkten Tag mit Wind empfinden wir als kühl, die gleichen 16 Grad bei vollem Sonnenschein und Windstille jedoch als mild. In den letzten Wochen schien die Sonne deutlich weniger als üblich, entsprechend empfanden wir das Wetter eher als kühl, obwohl die Temperatur keineswegs unterdurchschnittlich war.

Zudem ist die Tageszeit nicht zu unterschätzen: Ob das Wetter wärmer oder kälter als üblich ist, entscheidet nicht nur die Temperatur am Tag, sondern auch die der Nacht. Wir erleben jedoch vor allem die Temperatur tagsüber. Bei bewölktem Wetter ist die Temperatur tagsüber eher gedämpft, dafür nachts meist höher als bei klarem Himmel. Bewölktes Wetter empfinden wir deshalb als zu kühl, selbst wenn aufgrund der milden Nächte die Durchschnittstemperatur in der Norm liegt.

Wir haben schon ganz anderes durchgemacht

Der Frühling war in den vergangenen Jahren manchmal deutlich «frischer» als dieses Jahr. Im Jahr 2021 sank die Temperatur Anfang April selbst in den Niederungen auf -3 bis -6 Grad. Danach folgte eine kühle Bisenlage und der Mai war deutlich zu kühl und lediglich an drei Tagen schweizweit ganz trocken.

Zum Abschluss aber doch noch ein Schulterklopfen für unser Gefühl: Im Gegensatz zur Temperatur täuscht der Eindruck bezüglich Regen und Sonnenschein nicht: Die letzten Wochen/Monate waren trüb und regenreicher als üblich, wie im Klimablog zum Mai und zum Frühling nachzulesen ist.