Inhaltsbereich

Die Frühlingsvegetation im Jahr 2024

MeteoSchweiz-Blog | 06. Juni 2024
7 Kommentare

Die Frühlingsvegetation entwickelte sich so früh wie erst einmal seit 1954. Von der Blüte der Hasel im Januar bis zur Blüte der Obstbäume Anfang April betrug der Vorsprung 2 - 3 Wochen auf das Mittel. Erst ab Mitte April bremste kühles Wetter die weitere Entwicklung.

  • Klima

Fussbereich

Top Bar Navigation

Alle Schweizer BundesbehördenAlle Schweizer Bundesbehörden

Der Frühlingsindex zeigt die langjährige Entwicklung der Blüte und/oder der Blattentfaltung von neun verschiedenen Pflanzenarten, die von Januar bis Mai auftreten. Er wird ab 1954 berechnet. Die Entwicklung der Frühlingsvegetation 2024 hatte im Vergleich zum Mittel der 30-jährigen Periode 1991-2020 einen Vorsprung von 10 Tagen und war damit, zusammen mit dem Frühling 1961, die früheste seit dem Beginn der phänologischen Beobachtungen (Abbildung 1). Im Vergleich mit dem Mittel der alten Normperiode von 1961-1990 begann der Frühling sogar um 17 Tage früher.

Frühlingsindex und Temperatur

Der entscheidende Faktor für die Entwicklung der Frühlingsvegetation ist die Temperatur der Monate Januar bis April oder Februar bis April (Abbildung 2). Der Frühlingsindex ist stark negativ korreliert mit der Temperatur dieser Monate: hohe Temperaturen bewirken eine frühe Vegetationsentwicklung, und umgekehrt. Im aktuellen Jahr lag die Temperatur von Februar bis April 2.3° C über der Norm 1991-2020 und lag damit gleich hoch wie in der bisher wärmsten Periode von Februar bis April im Jahr 2007. Dabei waren alle Monate von Dezember bis Mitte April deutlich zu warm. Erst ab Mitte April erfolgte ein Kälteeinbruch. Der Februar übertraf mit einer Abweichung von 4.6 °C die anderen Monate. Es war die bisher höchste gemessene Februartemperatur in der Schweiz.

Obwohl die Temperatur von Februar bis April im Jahr 1961 nicht so hoch war wie im aktuellen Jahr, konnte sich damals die Vegetation ähnlich früh entwickeln. Mögliche Gründe sind schwierig anzugeben. Möglicherweise lag es an der grösseren Sonnenscheindauer im Februar und März 1961 und den höheren Tagesmaxima der Temperatur als 2024. Die Tagesminima lagen jedoch 1961 tiefer. Der April war im Jahr 1961 wärmer, so dass der Blattaustrieb der Laubbäume und vor allem der Buche früher stattfinden konnte.

Blüte der Haselsträucher drei Woche früher als im Mittel

Die ersten blühenden Haselsträucher wurden während den warmen Tagen Anfang Januar an wenigen Standorten des phänologischen Beobachtungsnetzes erfasst. Ihre Blüten konnten sich so früh entwickeln, weil die Temperatur im Dezember hoch war. Das weitere Aufblühen der Haselsträucher wurde durch den Wintereinbruch ab der zweiten Januarwoche gebremst.

Mit dem milderen Wetter ab dem 24. Januar blühten erneut viele Haselsträucher auf. Schon Ende Januar und Anfang Februar wurden blühende Haselsträucher in den Bergen auf 1000 m beobachtet. Im Vergleich zum Mittel von 1991-2020 hatte die Haselblüte in diesem Jahr einen Vorsprung von drei Wochen. Dabei war die Haselblüte vor allem in Lagen oberhalb von rund 800 m um mehr als 30 Tage verfrüht, was dem ausserordentlich warmen Februar zuzuschreiben ist. Die Haselblüte fand damit ähnlich früh statt wie in den bisherigen Rekordjahren 2020 und 2023.

Der Huflattich blühte hauptsächlich von Mitte Februar bis Mitte März und das Buschwindröschen von Anfang bis Ende März. Bei beiden wurde die früheste Blüte seit dem Beginn der phänologischen Beobachtungen verzeichnet. Sie wiesen einen Vorsprung von 15-16 Tagen auf das Mittel auf.

Früheste Blüte der Obstbäume seit 1954

Die Obstbäume blühten noch nie so früh wie in diesem Jahr. Einzig im Jahr 1961 wurde eine ähnlich frühe Blüte der Kirsch- und Apfelbäume beobachtet. Die Obstbaumblüte begann in der letzten Märzdekade. Unterhalb von 800 m blühten die Kirschbäume im Mittel am 2. April, die Birnbäume am 5. April und die Apfelbäume am 11. April. Der Vorsprung der Obstbaumblüte betrug 14 – 15 Tagen auf das Mittel von 1991-2020 und sogar 22 – 25 Tage auf das Mittel von 1961-1990. Spätfrostschäden, die bei einer so frühen Blüte wahrscheinlicher werden, waren in diesem Jahr bei den Obstbäumen nur lokal ein Problem. Die austreibenden Weinreben waren jedoch vom Frost in der zweiten Aprilhälfte stärker betroffen.

Beim Löwenzahn und beim Wiesenschaumkraut wurde ebenfalls die früheste Blüte seit Beobachtungsbeginn registriert. Sie blühten mit einem Vorsprung von 15 Tagen auf das Mittel. Ihre Blüte begann in der letzten Märzdekade im Flachland und erst in Regionen oberhalb von 1000 m wurde ihr Vorsprung durch die kühle zweite Aprilhälfte etwas verringert.

Die kühle zweite Aprilhälfte bremste die Blattentfaltung der Laubbäume

Ab der letzten Märzdekade trieben die ersten Lärchennadeln und die Haselsträucher entfalteten ihre Blätter. Ab Ende März, Anfang April wurden Rosskastanien, Vogelbeeren und Birken grün, ab etwa dem 6. April folgten die Linden und der Bergahorn und ab dem 10. April die Buchen. Die Blattentfaltung und der Nadelaustrieb wurden vor allem in der zweiten Aprilhälfte durch tiefe Temperaturen gebremst. Bis Mitte Mai waren die Buchen jedoch verbreitet auf 1300 m grün und die Lärchen trieben um den 20. Mai ihre Nadeln auf rund 1700 – 1800 m. Die Blattentfaltung von Rosskastanie und Hasel und der Nadelaustrieb der Lärche hatte über alle Stationen betrachtet einen Vorsprung von 7 – 9 Tage auf das Mittel, während die Buche nur noch 3 Tage vor dem mittleren Termin austrieb.

Das Phänologische Beobachtungsnetz

Die Daten für diese Auswertungen werden von unseren phänologischen Beobachterinnen und Beobachtern an rund 160 Stationen in der Schweiz erfasst. Sie beobachten die Entwicklung der Natur im Laufe der Jahreszeiten anhand von 26 definierten Pflanzenarten und übermitteln uns diese Daten. Mehr zum Phänologischen Beobachtungsnetz finden Sie hier.

Weitere Informationen:

Umfrage zum MeteoSchweiz-Blog – machen Sie mit!

Wie gefällt Ihnen der MeteoSchweiz-Blog? Wir möchten wissen, wie unsere Blogs zu Wetter, Klima, Messnetz und rund um den Arbeitsalltag bei MeteoSchweiz verbessert werden können. Die HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich führt im Auftrag von MeteoSchweiz daher eine Umfrage durch. Nehmen Sie hier an der Umfrage teil. Wir danken Ihnen bereits jetzt für Ihre wertvollen Inputs!