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Nass, nässer, Mendrisiotto

MeteoSchweiz-Blog | 07. Juli 2024
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Der gestern angekündigte Starkregen liess nicht lange auf sich warten. Am stärksten betroffen war diesmal das Südtessin, insbesondere die Gegend um Mendrisio. Hier fielen innert kurzer Zeit aussergewöhnliche Regenmengen.

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Gefährliche Übergangszone über den Alpen

Eine aktive Frontalzone trennt schwülheisse Luft über dem Mittelmeer von kühlerer Atlantikluft über Mitteleuropa. Diese Frontalzone liegt aktuell genau über den Alpen, wie man an der untenstehenden Animation erkennt. Die Winde in der Höhe wehen parallel zur Frontalzone, weshalb diese kaum vom Fleck kommt.

Die beschriebene Frontalzone erkennt man gut in der oben dargestellten Satelliten- und Radaranimation des heutigen Vormittags. Wolken und Niederschläge kamen nur sehr langsam ostwärts voran. Insbesondere auf der Alpensüdseite entstanden zudem immer wieder Gewitterstrassen, die teilweise über mehrere Stunden hinweg immer wieder die gleichen Gebiete heimsuchten.

Ausserordentlich viel Regen

Das eindrücklichste Beispiel einer solchen Gewitterstrasse ist in der obigen Radaranimation von heute Vormittag zu sehen. Von den Piemonteser Voralpen ausgehend zogen Schauer und Gewitter mit der südwestlichen Höhenströmung immer wieder über das Südtessin hinweg bis ins Bergell und ins Engadin. Die daraus resultierenden Regensummen waren beachtlich, zum Teil extrem, wie in der untenstehenden Zusammenfassung zu sehen ist. Im Mendrisiotto am südlichsten Zipfel des Tessins wurden in 24 Stunden lokal über 200 mm totalisiert, wobei rund 2/3 davon innerhalb von nur 6 Stunden fielen. Z.B wurden in Stabio in dieser Zeitperiode 143.5 mm gemessen, was dem dritthöchsten Wert seit Beginn der automatischen Messungen 1982 entspricht. Das entspricht einem Ereignis, das nur alle 30 bis 40 Jahre vorkommt. Am meisten Regen fiel im grenznahen Coldrerio mit insgesamt über 221,1 mm in 24 Stunden (149.3 mm in 6 Stunden), diese Station misst allerdings erst seit 2016.

Verhältnismässig viel Niederschlag fiel auch im Bergell sowie Averstal mit rund 100 mm in 24 Stunden. Im übrigen Mittelbünden sowie im Engadin wurde verbreitet 40 bis 80 mm gemessen. Entsprechend führt der Inn Hochwasser der Stufe 4. Hier geht es zur Hochwasserkarte des BAFU.

Gletscher können kaum profitieren

Wer nun denkt, dass vom trüben und regnerischen Wetter wenigstens die Gletscher profitieren müssten, wird bitter enttäuscht. Während des gesamten Ereignisses lag die Schneefallgrenze in einem aussergewöhnlich hohen Bereich zwischen 3300 und 3600 Metern. Wie das Webcambild der Konkordiahütte hier unten beweist, war es selbst auf der kühlen Seite der Frontalzone heute Vormittag zu warm für Schnee. Nebst dem abgelagerten Saharastaub der letzten Tage ist auf dem Konkordiaplatz auch die eine oder andere Pfütze erkennbar.