Die Geschichte der Flugmeteorologie in der Schweiz ist mittlerweile fast hundertjährig. Sie begann Ende der 1920er Jahre an verschiedenen Flughäfen und entwickelte sich im Laufe der Jahre weiter. Mit der Entwicklung der kommerziellen Luftfahrt wuchs der Bedarf an spezifischen Wetterbeobachtungen und -vorhersagen für Piloten und Pilotinnen sowie für die Flughafenbetreiber.
Anfangs wurden die Beobachtungen am Flughafen Genf von Meteorologen und Meteorologinnen vom Dach des alten Flughafenterminals aus durchgeführt. In den 1950er Jahren wurde eine speziell für meteorologische Beobachtungen bestimmte Station gebaut, die später mehrfach umgebaut und angepasst wurde, um sowohl der Entwicklung des Flughafens als auch des technologischen Fortschritts Rechnung zu tragen.
Die Beobachterinnen und Beobachter waren rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr im Einsatz. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die Wetterbedingungen visuell zu beobachten und sie den Nutzern der Luftfahrt über sogenannte METAR-Meldungen zu übermitteln. Alle internationalen Flughäfen sind verpflichtet, regelmässig METAR-Meldungen zu veröffentlichen, die die aktuellen Wetterbedingungen an einem Ort und die voraussichtliche Wetterentwicklung beschreiben.
Im Laufe der Jahrzehnte ermöglichte die technologische Entwicklung nach und nach die Ersetzung der manuellen Beobachtung durch automatische Messungen. Bei einigen Grössen (Temperatur, Luftdruck, Windrichtung und -geschwindigkeit) erfolgte die Umstellung auf automatische Messungen relativ schnell. Bei anderen wie Sichtweite, Wetterphänomen (Regen, Schnee, Hagel, Nebel usw.) und Wolkenuntergrenze verlief dies langsamer. Im Frühjahr 2024 hatte MeteoSchweiz die meteorologischen Beobachtungen für die Luftfahrt am Flughafen Genf vollständig automatisiert. Seitdem werden die METAR automatisch erstellt und im Vorhersageraum des Regionalzentrums West überwacht. Nun ist es an der Zeit, diejenigen zu Wort kommen zu lassen, welche jahrelang in diesem Bereich tätig waren – auch als Dankeschön für ihre Arbeit für MeteoSchweiz.
«Ich habe diese Tätigkeit und die Beziehung zum Flughafenumfeld sehr geschätzt. Es war ein echtes Privileg, die Kontinuität der Beobachtungen über all die Jahre hinweg sicherstellen zu können und die Entwicklung des Wetters im Laufe der Jahreszeiten zu verfolgen. Ich erinnere mich an einen Wintermorgen, als ich noch in der Ausbildung war. Ich bereitete mich darauf vor, den METAR zu senden, als mein Blick auf die Messwerte der beiden Windsensoren an den beiden Enden der Landebahn fiel. Die beiden Geräte sind drei Kilometer voneinander entfernt. Der erste zeigte zwischen 5 und 10 Knoten aus Westen an, der zweite ungefähr den gleichen Wert, aber aus Nordosten. Diese Konvergenz machte mich neugierig und ich suchte nach einer Erklärung, als mein Ausbilder mir einen Hinweis gab. Es handelte sich einfach um kalte Luft, die über die Landebahn strömte. Damals hatte ich mir nicht vorstellen können, dass das Vorstossen der kalten Luft und die Verdrängung der warmen Luft mit Hilfe der Windmesser verfolgt werden konnte.
In Erinnerung bleiben zahlreiche Momente, wie feuerrote Sonnenaufgänge, die uns die wenigen Stunden Schlaf vergessen liessen, Virgen oder Regenbögen nach Gewittern oder ein Halo um den Mond. Viele solcher magischen Momente machten diese Tätigkeit so faszinierend.»

«Ich war immer stolz darauf, auf der Terrasse des Beobachtungspostens am Ende der Start- und Landebahn zu stehen. Wie ein Wachposten auf einem Schiff oder ein Leuchtturmwärter, in der ersten Reihe, um Wetterereignisse und den Flugverkehr zu beobachten. Aber weit genug entfernt vom Trubel der Piste, in engem Kontakt mit den Wolken und den Hydrometeoren (Regentropfen Schneeflocken, Hagel etc.).
Meine Aufgabe als Beobachter bestand darin, meteorologische Grössen zu erfassen und meine regelmässigen Berichte für den Flugbetrieb weiterzuleiten. Mit Mantel und Mütze mitten in einer stillen Winternacht die Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Stevenson-Hütte in unserem Instrumentengarten zu messen, verlieh unserer Aufgabe einen Hauch von Romantik. Allein am Pistenende. Nebel oder Schnee verstärkten, durch die eingeschränkte Sicht und den tiefhängenden Himmel, die Isolation noch mehr, die ich so sehr liebte.
Ich hatte das Glück, noch die «alte Schule» der Meteorologie der 90er Jahre kennenzulernen, als man die gemessenen Daten mit antiquierten Instrumenten wie dem Campbell-Stokes-Heliographen oder dem Haarhygrometer verglich, auch wenn die Elektronik bereits eine wichtige Rolle spielte. Die 2000er Jahre hatten uns endgültig ins digitale Zeitalter geführt. Heute, mit der Automatisierung, wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der romantische Aspekt meines Berufs tritt zugunsten der effizienten Technologie in den Hintergrund. Ich hege keinen Groll und blicke mit einer gewissen Begeisterung in die technologische Zukunft.»

«Nach fünfzehn Jahren als Wetterbeobachterin kann ich sagen, dass ich eine wirklich einzigartige und bereichernde Berufserfahrung gemacht habe. Jeder Tag am Beobachtungsstandort war geprägt von einzigartigen und besonderen Momenten.
Zu Beginn meiner Karriere erinnere ich mich noch gut daran, dass ich bei Gewittern einen gewissen Stress verspürte. Die Angst, nicht rechtzeitig reagieren zu können oder diese Phänomene gar nicht erst vorherzusehen, war greifbar. Ständige Wachsamkeit war erforderlich. Meine Aufgabe bestand darin, Blitzschläge im Bereich des Flughafens vorherzusagen und Warnungen herauszugeben, um die Sicherheit des Bodenpersonals und der Passagiere zu gewährleisten. Darüber hinaus war ich für die Erstellung relevanter Flugwettermeldungen für Piloten und Flughafenbehörden verantwortlich.
Der Anblick eines turbulenten Himmels während eines Gewitters mit starken Böen, der sich plötzlich zu einem klaren Himmel wandelt, ist ein ebenso beeindruckendes wie faszinierendes Schauspiel, das mich jedes Mal aufs Neue in Erstaunen versetzte.
Die Situationen, mit denen ich konfrontiert war, waren vielfältig: Schnee, Nebel, Eisregen und viele mehr. Dieser Job hat mich gelehrt, den Himmel zu beobachten und seine Zeichen zu deuten. Eines ist sicher, diese Gewohnheit wird für immer ein Teil von mir bleiben.»

«Da ich eine Leidenschaft für Luftfahrt habe beziehungsweise für fast alles, was sich bewegt (ich bin ehemaliger Lokführer) und seit 1984 Privatpilot bin, war mein Einstieg als Beobachter aussergewöhnlich.
Ich fand mich in der Einsamkeit meiner Lokomotiven wieder, aber letztendlich war ich trotzdem weniger allein, denn das Leben auf einem Flughafen mit dem Kommen und Gehen der Flugzeuge gab mir das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern zum reibungslosen Ablauf beizutragen. Ich liebte die hektischen Situationen, in denen man hyperreaktiv sein musste, um die Menschen auf der Landebahn zu schützen und so präzise wie möglich Warnungen auszugeben, um den Flugverkehr so wenig wie möglich zu behindern.
Die unregelmässigen Arbeitszeiten rund um die Uhr, begleitet von herrlichen Sonnenuntergängen oder Sonnenaufgängen, sternenklaren Nächten mit Sternschnuppen und manchmal heftigen Gewittern, haben mir in diesem so besonderen Umfeld, das das Leben in der Luftfahrt darstellt, wo wir trotz der unterschiedlichen Berufe letztendlich eine grosse Familie sind, viel Freude und Vergnügen bereitet.
Ich muss sagen, dass mir dieser Beobachtungsposten mit der damit verbundenen Arbeit sehr fehlen wird. Ich werde die Arbeit an der Piste im Kontakt mit den Flugzeugen vermissen, ebenso die Tatsache, dass ich mit meinen Beobachtungen den Meldungen keinen Mehrwert mehr verleihen kann.»

Beobachtungen auf Flughäfen werden als METAR bezeichnet, eine Abkürzung für «Meteorological Aerodrome Report». Diese Meldungen geben die Wetterbedingungen am Flughafen alle 30 Minuten (je nach Flughafen alle 60 Minuten) in kodierter Form wieder.
Ein METAR beinhaltet folgende Parameter:
Nachfolgen ein Beispiel eines METARs vom 2. Januar 2024 um 12:20 UTC (021220Z):
021220Z 24012KT 9999 -RA FEW015 BKN025 07/05 Q1012 NOSIG
Dieser Beitrag ist im Original auf Französisch erschienen.