Gestern, an Heiligabend, ist ein sogenannter Kaltlufttropfen, ein Tief in der Höhe, über uns hinweggezogen. Bemerkt hat man das bei einem Blick auf das Barometer wohl kaum. Der Luftdruck blieb am Südrand eines kräftigen Hochs konstant hoch. Eher bemerkt hat man das Tief in der Höhe in Form von stellenweise schwachem Niederschlag aus der kompakten, hochnebelartigen Bewölkung. Oft fiel etwas Nieselregen, Regen, Schneegriesel oder vereinzelt auch wenig Schnee. Spürbar war im Mittelland auch die kräftige Bise mit Böen von 50 bis 75 km/h. Während die Temperatur in den Niederungen im Tagesverlauf kaum einen Wank machte, konnte man auf den Alpengipfeln den Durchgang des Kaltlufttropfens eindeutig im Temperaturverlauf ablesen. Vor allem auf dem Säntis und dem Pilatus ging die Temperatur vorübergehend deutlich zurück.

Verantwortlich für die derzeitige Bisenströmung ist ein kräftiges Hoch, das sich von der Nordsee über Mitteleuropa bis fast zum Schwarzen Meer erstreckt. Zusammen mit Tiefdruckgebieten über dem Mittelmeer sorgt es für eine östliche Strömung im Alpenraum. In den nächsten Tagen ändert sich an der Grosswetterlage vorerst recht wenig. Mit anhaltendem Hochdruckeinfluss überwiegt im Flachland teils neblig-trübes und ziemlich kaltes, in den Bergen mit Sonnenschein vergleichsweise milderes Wetter.

Laut den mittelfristigen Wetterprognosen soll sich über den Jahreswechsel etwas Entscheidendes ändern. Normalerweise verlagern sich Hochs und Tiefs in den mittleren Breiten von Westen nach Osten. Das aktuell wetterbestimmende Hoch soll seinen Schwerpunkt nun jedoch retrograd, also entgegen der üblichen Richtung, langsam westwärts zum Nordatlantik und in den Raum Island-Grönland verlagern. Dadurch würde die Strömung über Kontinentaleuropa auf Nord drehen und der Weg wäre frei für noch kältere Polarluft aus Nordeuropa und der Arktis. Aus der gegenwärtig blockierten Wetterlage mit einem quasistationären Hoch über Europa entstünde somit eine nächste blockierende Wetterlage mit einem Hoch über dem Atlantik. In beiden Fällen wäre die üblicherweise vorherrschende und im Winterhalbjahr eher milde Westwinddrift unterbrochen.

Obwohl die Prognoseunsicherheiten in der Mittelfrist traditionell ansteigen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die nächsten Tage und Wochen kälter als üblich ausfallen. Dies sagt allerdings noch nichts Genaues über den tatsächlichen Wetterverlauf aus. Je nach Lage der Hochs, Tiefs und Frontensysteme kann dann eher stabiles Hochdruckwetter oder nasskaltes Wetter mit Optionen für Schneefall auf dem Programm stehen. Wir werden sehen…