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Ein wenig Physik

Herrschen in der Atmosphäre grosse Temperaturunterschiede auf kurzer vertikaler Distanz, so können sich interessante optische Phänomene bilden.

Schema Luftspiegelungen. Die untere Luftspiegelung (links) tritt vor allem im Sommerhalbjahr auf, die obere Luftspiegelung (rechts) ist typisch für winterliche Inversionslagen.
Schema Luftspiegelungen. Die untere Luftspiegelung (links) tritt vor allem im Sommerhalbjahr auf, die obere Luftspiegelung (rechts) ist typisch für winterliche Inversionslagen.

Allgemein bekannt sind zum Beispiel das Flimmern der Luft über heissem Asphalt oder vermeintliche Pfützen, die an heissen Sommertagen in einiger Entfernung auf der Strasse entstehen.

Bei Zweiterem handelt es sich um nichts anderes als um eine untere Luftspiegelung. Das Phänomen ist auch als Fata Morgana bekannt und entsteht, wenn die Temperatur nach oben hin stark abnimmt («kalt auf warm»). Dies führt zu einer Zunahme der Dichte und des sogenannten Brechungsindex der Luft. Dadurch werden die Lichtstrahlen abgelenkt und im Extremfall total reflektiert - eine untere Luftspiegelung entsteht.

Bei Kaltlufteinbrüchen im Spätsommer oder Frühherbst entstehen regelmässige untere Luftspiegelungen. Am 25. September 2020 waren die Bedingungen ideal: Die Wassertemperatur des Zürichsees lag bei 20°C, die Lufttemperatur bei 7°C. Dementsprechend wurden Teile der Fähren Horgen - Meilen nach unten gespiegelt.
Bei Kaltlufteinbrüchen im Spätsommer oder Frühherbst entstehen regelmässige untere Luftspiegelungen. Am 25. September 2020 waren die Bedingungen ideal: Die Wassertemperatur des Zürichsees lag bei 20°C, die Lufttemperatur bei 7°C. Dementsprechend wurden Teile der Fähren Horgen - Meilen nach unten gespiegelt. (D. Gerstgrasser)

Bei markanten winterlichen Inversionslagen wie sie aktuell herrschen, haben wir genau die umgekehrten Verhältnisse: Die bodennahe Kaltluft wird von markant wärmerer Luft überlagert («warm auf kalt»). Diese ermöglicht die Entstehung der oberen Luftspiegelung. Dabei werden die weiter entfernten Berge und Hügelzüge teilweise nach oben gespiegelt, es können auch mehrfache Spiegelungen entstehen.

Obere Luftspiegelung am 22. Januar 2023. Der Blick geht von der Albis Hochwacht nach Westen, in der Bildmitte der Chasseral in einer Entfernung von rund 113 km. Teile des Juras werden nach oben gespiegelt.
Obere Luftspiegelung am 22. Januar 2023. Der Blick geht von der Albis Hochwacht nach Westen, in der Bildmitte der Chasseral in einer Entfernung von rund 113 km. Teile des Juras werden nach oben gespiegelt. (D. Gerstgrasser)

Idealer Beobachtungsstandort und Ausrüstung

Zugegeben, das Phänomen der oberen Luftspiegelung ist ein wenig unscheinbar und leicht zu übersehen. Es spielt sich in grösserer Entfernung vom Beobachtungsstandort ab. Dementsprechend ist zum Fotografieren ein starkes Zoomobjektiv (z.B. 400 oder 500 mm) unerlässlich. Das Phänomen lässt sich aber auch einfach mit einem handelsüblichen Feldstecher betrachten.

Ideal ist ein Platz knapp über der Nebelgrenze mit freiem Blick auf weiter entfernte Berge oder Hügelzüge, die aus dem Nebelmeer ragen. Wichtig ist dabei ein möglichst flacher Blickwinkel. Erfahrungsgemäss treten Luftspiegelungen ab einer Inversionsstärke von 8 bis 10°C auf. Diese Bedingung ist im Moment erfüllt, die Inversion dürfte sich in den kommenden Tagen sogar noch verstärken.

Radiosondierung Payerne von Freitag, 26. Dezember 2025 um 00 UTC. Die Sondierung zeigt eine starke Temperaturinversion zwischen 1180 und 1550 Metern. Die Obergrenze des Hochnebels lag zur Zeit der Messung bei 1180 m. Der ideale Beobachtungsstandort für Luftspiegelungen (violettes «x») wäre auf rund 1300 Meter.
Radiosondierung Payerne von Freitag, 26. Dezember 2025 um 00 UTC. Die Sondierung zeigt eine starke Temperaturinversion zwischen 1180 und 1550 Metern. Die Obergrenze des Hochnebels lag zur Zeit der Messung bei 1180 m. Der ideale Beobachtungsstandort für Luftspiegelungen (violettes «x») wäre auf rund 1300 Meter.

So richtig eindrücklich werden die Fotos, wenn man sie mit solchen von klaren Tagen ohne Inversionen vergleicht. Hier zwei Beispiele:

Blick vom Zugerberg zum Jura, oben mit markanter Inversion und Luftspiegelungen am 30. Dezember 2019, unten ohne Inversion am 16. Januar 20220.
Blick vom Zugerberg zum Jura, oben mit markanter Inversion und Luftspiegelungen am 30. Dezember 2019, unten ohne Inversion am 16. Januar 20220. (D. Gerstgrasser)
Blick von der Albis-Hochwacht zum Chasseral. Einmal mit, einmal ohne Luftspiegelungen.
Blick von der Albis-Hochwacht zum Chasseral. Einmal mit, einmal ohne Luftspiegelungen. (D. Gerstgrasser)

Der verformte Mond

Wie wir gesehen haben, treten Luftspiegelungen bei starken Änderungen der Luftdichte auf kurzer vertikaler Distanz auf. In der Atmosphäre nimmt die Luftdichte und damit der Brechungsindex der Luft generell mit zunehmender Höhe ab. Dies hat unter anderem zur Folge, dass die Sonne und der Mond in Horizontnähe auch ohne markante Inversionen elliptisch verformt werden (astronomische Refraktion). Kommen noch markante Inversionen dazu, kann der Mond in Horizontnähe kuriose Formen annehmen:

Mondaufgang am 19. Dezember 2021 während einer markanten Inversionslage. Blick von der Albis-Hochwacht nach Nordosten.
Mondaufgang am 19. Dezember 2021 während einer markanten Inversionslage. Blick von der Albis-Hochwacht nach Nordosten. (D. Gerstgrasser)