Es liegt vielerorts deutlich weniger Schnee als zu dieser Jahreszeit üblich. Die folgende Grafik der relativen Schneehöhe des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts SLF zeigt überwiegend orange und sogar rote Farbtöne. Lediglich in den gelben Regionen liegt aktuell mehr als 60% der üblichen Schneemenge. Besonders ausgeprägt ist das Schneedefizit in der Südostschweiz. Hier bewegen wir uns sogar im Rekordbereich: Scuol im Unterengadin ist aktuell schneefrei, was sich zu dieser Jahreszeit in den vergangenen Jahrzehnten erst einmal ereignet hat. Und bleiben wir in Graubünden: Bivio meldet mit 10 cm die zweittiefste je registrierte Schneehöhe seit Messbeginn.
Diese Woche ist unser Wetter von einem blockierenden Hoch über Osteuropa bestimmt. Das trockene Wetter setzte sich fort. Lediglich im Süden fiel mit einer Staulage bis in den Montag hinein zeitweise wenig Niederschlag mit Schnee oberhalb von etwa 1000 m. Ende Woche zeichnet sich ein Wetterwechsel ab: Über dem Atlantik stellt sich eine Westströmung ein und darin eingelagert entwickeln sich dann wiederholt Tiefdruckgebiete, die sich teilweise auch Richtung Mitteleuropa verlagern. So steigt bei uns die Chance auf Niederschlag. Allerdings bleibt die südliche Höhenströmung wahrscheinlich noch bis am Sonntag bestehen, so dass vor allem am Alpensüdhang und teilweise in den westlichen Regionen mit nennenswerten Schneefällen oberhalb von 600 bis 1000 m gerechnet werden darf.

Auch in den Ensemblevorhersagen ist der bevorstehende Wetterwechsel gut zu erkennen: Einerseits wird ab dem Wochenende auch auf der Alpennordseite wieder Niederschlag modelliert, wenngleich die Unsicherheit anhand des breiten Bereichs der möglichen Temperaturen noch gross ist.

Bei einem kräftigen Polarwirbel bleibt die sehr kalte arktische Luft in der Polarregion. Gibt es jedoch eine Schwächung des Polarwirbels, sind Kaltluftvorstösse bis in die Mittleren Breiten möglich. Genau das passiert diese Woche über Nordamerika: Die arktische Kaltluft breitet sich von Kanada über die zentralen Regionen der USA und später bis zur Ostküste aus. Die folgende Grafik stellt die arktische Luft mit Temperaturen von -30 bis -40 Grad am Donnerstag, 23. Januar, auf einer Höhe von etwa 1500 m dar.

Mit dieser kalten Luftmasse dürften die Tageshöchstwerte von Donnerstag an bis in die kommende Woche hinein nur noch zwischen -20 und -10 Grad betragen. In Teilen Kanadas, wie etwa Montreal, werden die Höchstwerte noch maximal bei -30 Grad liegen. Schneefälle sowie an der Luftmassengrenze im Süden auch gefrierender Regen dürften auch zu den meteorologischen Herausforderungen dieser Woche gehören.
Das Faszinierende an der Meteorologie ist, dass die Wetterphänomene global miteinander verbunden sind. So können wir wieder den Bogen zu unserem Sportferienwetter schlagen: Die Umstellung der Wetterlage am Wochenende ist auf den Kaltluftausbruch über Nordamerika zurückzuführen: Durch die grossen Temperaturunterschiede stellt sich am Südrand der kalten Tiefdruckzone eine kräftige Westströmung ein, die sich bis zu uns nach Europa durchsetzen kann. Die folgende Grafik zeigt diese Strömungsverhältnisse für Donnerstag, 23. Januar. Das blockierende Hoch befindet sich dann weit weg von uns über dem Nordatlantik, so dass unsere Chance auf Niederschlag und damit auch auf Schneefall in den Bergen ansteigt.
