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Das Phänomen «vereisender Regen» kurz erklärt

Der klassische Fall von vereisendem Regen tritt auf, wenn nach einer kälteren Phase (Polarluft oder länger anhaltende Hochdruckphase mit Kaltluftsee) eine Warmfront über die kalte Grundschicht zieht. Der fallende Niederschlag geht im wärmeren Bereich der Front in Regen über und wird anschliessend im Kaltluftsee wieder unterkühlt und gefriert beim Auftreffen an der Oberfläche. Auch bei Regen mit einer Temperatur leicht über 0 Grad, kann es zur Glatteisbildung kommen, sofern die Fahrbahntemperatur deutlich unter dem Gefrierpunkt liegt. Da der Prozess der Glatteisbildung meist sehr rasch in Erscheinung tritt, bilden sich auf der Eisoberfläche kaum Strukturen, so dass es wie ein Eisfeld wirkt. Glatteis ist daher bei weitem die gefährlichste Vereisungsart.

Beispiel eines klassischen Vertikalprofils mit vereisendem Regen (nicht aktuell). Auffällig unter der gesättigten Schicht ist die «warme Nase» worin der Niederschlag verflüssigt wird. In der kalten Schicht darunter werden die Wassertropfen unterkühlt und gefrieren später am Boden rasch wieder. Das Aufgleiten der wärmeren Luft auf der kalten ist manchmal auch mit einer starken Strömung verbunden.
Beispiel eines klassischen Vertikalprofils mit vereisendem Regen (nicht aktuell). Auffällig unter der gesättigten Schicht ist die «warme Nase» worin der Niederschlag verflüssigt wird. In der kalten Schicht darunter werden die Wassertropfen unterkühlt und gefrieren später am Boden rasch wieder. Das Aufgleiten der wärmeren Luft auf der kalten ist manchmal auch mit einer starken Strömung verbunden. (Quelle: MeteoSchweiz)

Synoptische Wetterlage

Von einem kräftigen Tief mit Zentrum nördlich von Schottland zog eine Warmfront über Mittel- und Nordeuropa hinweg und streifte dabei die Schweiz. In den mittleren und höheren Schichten wurde aus Westen deutlich mildere Atlantikluft herangeführt. In den Berglagen brachte dies innert 24 Stunden eine Temperaturerhöhung um 8 bis 10 Grad.

Ablauf am 12.01.2026 von 0 bis 18 UTC: Temperatur und Geopotential auf 850 hPa und 3-stündige Niederschlagssumme aus dem IFS-Modell, dazu eingezeichnet die Fronten.
Ablauf am 12.01.2026 von 0 bis 18 UTC: Temperatur und Geopotential auf 850 hPa und 3-stündige Niederschlagssumme aus dem IFS-Modell, dazu eingezeichnet die Fronten. (Quelle: MeteoSchweiz)

Vorhersagen mit Unsicherheiten

Im Vorfeld waren die Vorhersagen nicht eindeutig. Unsicherheiten bestanden vor allem im zeitlichen Ablauf, aber auch wieviel Niederschlag in der Schweiz fallen würde. Die Tageszeit spielt im Bezug auf die Vereisungsgefahr ebenfalls eine bedeutende Rolle. 

Vorhersagen des Niederschlagtyps für den Montag, 12.01.2026 3 UTC der IFS-Modellläufe vom 10.01.2026, 12Z und vom 12.01.2026, 0 UTC.
Vorhersagen des Niederschlagtyps für den Montag, 12.01.2026 3 UTC der IFS-Modellläufe vom 10.01.2026, 12Z und vom 12.01.2026, 0 UTC. (Quelle: MeteoSchweiz/ECMWF)

Deutlich abgeschwächter und später

In der Nacht auf Montag streifte ein erster Vorläufer mit feuchterer Luft die Schweiz. Dass in dieser ersten Phase der Niederschlag überwiegend noch in Form von Schnee fallen würde, ist in der Nacht auf Montag gemäss Prognose in etwa eingetroffen. 

Situation am 12.02.2026 um 5 UTC. Verteilung der Niederschläge der letzten Stunde und farblich dargestellt der Niederschlagstyp. Dazu die Fahrbahntemperaturen.
Situation am 12.02.2026 um 5 UTC. Verteilung der Niederschläge der letzten Stunde und farblich dargestellt der Niederschlagstyp. Dazu die Fahrbahntemperaturen. (Quelle: MeteoSchweiz und Partnerstationen)

Jedoch hatte man mit dem Eintreffen der Warmfront auf der Alpennordseite in den Morgenstunden mit vereisenden Regen gerechnet. Die Modelle prognostizierten ursprünglich bis zu 2 mm Niederschlag, insbesondere im Norden und Nordosten der Schweiz. Schliesslich traf dies in geringem Masse in der Nordwestschweiz und im Raum St. Gallen auch zu. Die Niederschlagsmengen blieben aber mehrheitlich deutlich unter 1 mm. Am Nachmittag zogen weitere schwache Niederschlagszonenüber die Alpennordseite hinweg. Die Schneefallgrenze stieg dabei auf 1400 bis 1700 Meter an. Im Flachland erreichten die Temperaturen zwischen 3 und 7 Grad. Auch in den kommenden Tagen ist bis auf Weiteres kein neuer Vorstoss von polarer oder gar arktischer Kaltluft in Sicht. Der schönen Schneepracht vom Wochenende geht es nun an den Kragen.

Animation am 12.02.2026 von 7 bis 11 UTC. Verteilung der Niederschläge der letzten Stunde und farblich dargestellt der Niederschlagstyp. Die Fahrbahntemperaturen stiegen am Morgen relativ rasch über 0 Grad an.
Animation am 12.02.2026 von 7 bis 11 UTC. Verteilung der Niederschläge der letzten Stunde und farblich dargestellt der Niederschlagstyp. Die Fahrbahntemperaturen stiegen am Morgen relativ rasch über 0 Grad an. (Quelle: MeteoSchweiz und Partnerstationen)

Weiterführende Links:
Strassenglätte