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1816 – Das Jahr ohne Sommer – und 2023?

MeteoSchweiz-Blog | 18. April 2023
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Beim gestrigen Zürcher Sechseläuten liess sich der Böögg sehr lange Zeit, bevor er in Schall und Rauch aufging. Genau 57 Minuten bedeuten einen neuen Rekord und verheissen nach dem Volksmund einen unschönen Sommer. Doch egal wie kalt und wechselhaft der Sommer 2023 laut Böögg auch werden könnte, an den Sommer vom Jahr 1816 käme er nicht heran.

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Böögg-Prognose

Je schneller der Kopf des Bööggs explodiert, desto schöner wird der Sommer – Das besagt der Volksmund. Und nach dieser Regel verheissen die rekordlangen 57 Minuten von gestern nicht allzu «Gutes» für den Sommer 2023. Für alle Wärme- und Hitzegeplagte, für die stark zurückgezogenen Alpengletscher und für sämtliche wärme- und hitzeempfindlichen Ökosysteme wäre es ein Segen, würde die Böögg-Prognose für einen kühlen und feuchten Sommer zutreffen.

Für alle Sommerliebhaber/-innen und Sonnenanbeter-/innen besteht dagegen begründete Hoffnung, halten doch die am Zürcher Sechseläuten gemachten Prognosen einer klimatologischen Prüfung nicht stand. Egal wie kalt und wechselhaft der Sommer 2023 laut Böögg auch werden könnte, an den Sommer vom Jahr 1816 käme er nicht heran.

Das Jahr ohne Sommer

Der Sommer im Jahr 1816 fiel vor allem im Nordosten Amerikas und in Europa, aber auch nahezu weltweit aussergewöhnlich kalt aus. Hauptverantwortlich dafür war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im Jahr 1815. Der heftige Vulkanausbruch, stärker als der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. und jener des Krakataus im Jahr 1883, schleuderte eine grosse Menge an Staub, Asche und Schwefelverbindungen weit hoch in die Atmosphäre und hinein bis in die Stratosphäre. Die langverweilenden Schwefelgase in der Stratosphäre, die sich rund um die Erde verteilten, waren der wichtigste Klimafaktor und führten massgeblich zu einer markanten globalen Abkühlung.

Weltweit gab es massive Auswirkungen wie Überschwemmungen, Dürren, Kälteeinbrüche, Ernteeinbussen, Hungersnöte und Seuchen. Noch Jahrzehnte später konnte man auf der Erde eine Veränderung des Tageslichts feststellen und abseits all dem gebrachten Elend farbenprächtige Sonnenuntergänge beobachten. Eine umfassende Dokumentation «Tambora und das Jahr ohne Sommer 1816» mit den Auswirkungen auf Klima, Mensch und Gesellschaft findet man hier.

Wie wird der Sommer 2023 in der Schweiz?

Glücklicherweise muss ein derart kalter Sommer wie im Jahr 1816 nicht befürchtet werden, vorausgesetzt die vulkanische Aktivität rund um den Erdball hält sich in Grenzen. Für solch dramatische Klimaauswirkungen bräuchte es einen ähnlich heftigen Ausbruch wie jener des Tambora. Die Eruptionen in jüngerer Vergangenheit wie die des Pinatubo im Jahr 1991, des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 oder des Hunga Tonga 2022 waren weitaus weniger heftig. Vor allem die Einträge von Vulkanasche und Vulkangasen bis hoch in die Stratosphäre fielen deutlich geringer aus.

Langfristprognosen des europäischen Wetterdienstes ECMWF zeigen für 2023 einen zu warmen Sommer, nicht nur für die Schweiz, sondern für weite Teile Europas. Im südlichen Mitteleuropa, Alpenraum und in Südwesteuropa fällt die prognostizierte Temperaturabweichung für die Monate Juni bis August mit mehr als 1 °C sogar deutlich aus.

Auch der Saisonausblick für die Schweiz zeigt einen ähnlichen Trend für die nächsten drei Monate. Das schliesst zwischendurch kühlere und nasse Wetterabschnitte sicher nicht aus. Es deutet aber darauf hin, dass auch der Sommer 2023 mit hoher Wahrscheinlichkeit ein überdurchschnittliches Temperaturniveau einschlägt, nachdem bereits alle Sommer seit 2015 zum Teil deutlich zu warm ausfielen (ausser 2021).

Wir werden Ende August sehen, wer Recht behält, wenn klimatologisch und buchhalterisch der meteorologische Sommer abgeschlossen wird: Böögg oder Prognosemodell. Und letztendlich bleibt es jeder Person selbst überlassen, was Er oder Sie unter der «Schönheit» des Sommerwetters versteht.