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Was ist bloss mit dem «Wonnemonat» los?

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In den vergangenen Tagen bekundete eine zunehmend grössere Anzahl an Menschen ihren Unmut über die derzeit gefühlt häufig trübe und nasse Witterung. Dabei ist die aktuelle Witterung gar nicht so untypisch im Mai. Der Frühlingsmonat Mai kann sich nämlich sehr unterschiedlich präsentieren. In manchen Jahren ist er sonnig und sommerlich warm, in anderen Jahren kalt und nass und manchmal auch ein Mix aus allem.

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Warm und sonnig

Im vergangenen Jahr erlebte die Schweiz den zweitwärmsten Mai seit Messbeginn im Jahr 1864. Lokal wurde eine rekordhohe Zahl an Sommertagen registriert und vereinzelt wurden auch neue Mai-Rekorde der Tagesmaximum-Temperatur registriert (siehe Klimabulletin). Der letztjährige Mai beziehungsweise generell der sehr warme Sommer 2022 tragen vermutlich auch dazu bei, dass das Wetter momentan von einigen als besonders trüb wahrgenommen wird. Der Mai könnte durchaus auch anders, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Mai-Rekorde: Höchsttemperatur, Sommertage und Sonnenscheindauer

  • Die bislang höchste Temperatur im Monat Mai wurde am 25. Mai 2009 in Sion gemessen mit 35.1 Grad. In den Niederungen liegen die höchsten im Mai gemessenen Temperaturen beidseits der Alpen zwischen 30 und 34 Grad, wobei die meisten Rekorde von Ende Mai 2009 stammen.

  • Auf der Alpennordseite liegt die maximale Anzahl an Sommertagen im Mai je nach Standort bei etwa 10 bis 15 Tagen, auf der Alpensüdseite bei 15 bis 17 Tagen.

  • Die sonnenreichsten Maimonate kommen in den Niederungen beidseits der Alpen auf rund 280 bis 300 Sonnenstunden. Schweizweit am sonnigsten war es im Mai 2011.

Die nachfolgende Grafik zeigt das landesweite Mittel der Maitemperatur seit Messbeginn. Auffallend sind die deutlichen Ausschläge sowohl nach oben als auch nach unten. Kalte Monate sind demnach ebenso keine Ausnahme und kommen immer wieder vor.

Auch Sommertage sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit im Mai. Im Mittel gibt es in den Niederungen je nach Region zwar zwischen etwa drei und sechs Sommertagen, aber Maie ohne Sommertag kommen ebenfalls vor.

Kalt und nass

Wir müssen ebenfalls nicht weit in die Vergangenheit zurück, um festzustellen, dass eine kalte und nasse Witterung im Mai nichts Aussergewöhnliches ist. Der Mai 2021 (siehe Klimabulletin), aber auch die Maie 2019 oder 2013 zeigten sich ausgesprochen kühl. Das landesweite Monatsmittel lag in diesen Jahren 2.3 beziehungsweise 2.4 Grad unter der damals noch verwendeten Norm (1981-2010). Kalt bedeutet aber nicht zwingend nass, denn im Mai 2019 fiel in manchen Regionen auch deutlich weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Besonders niederschlagsreich war es im Mai beispielsweise im Jahr 1983 im Südosten der Schweiz, im Jahr 1999 in der Nordostschweiz oder im Jahr 2002 auf der Alpensüdseite.

Mai-Rekorde: tiefste Tagesmaxima und Tagesminima der Temperatur, grösste Niederschlagsmengen und geringste Sonnenscheindauer

  • Die tiefsten gemessenen Tageshöchsttemperaturen liegen im Mai in den Niederungen der Alpennordseite bei 4 bis 6 Grad. Die Rekordwerte liegen aber alle schon eine Weile zurück. Oft vertreten sind Rekorde von Anfang Mai 1967 oder 1987. Bei den Bergstationen stammen einzelne Rekorde übrigens vom Mai 2019.

  • Die tiefsten gemessenen Temperaturen in den Niederungen liegen bei -1 bis knapp -6 Grad. Die tiefste Temperatur wurde am 1. Mai 1962 in Zürich / Kloten mit -5.9 Grad registriert. Auf der Alpensüdseite wurden in Magadino / Cadenazzo am 2. Mai 1962 -2 Grad gemessen.

  • Am meisten Niederschlag im Mai fiel im Jahr 2002 an der Station Magadino / Cadenazzo im Mitteltessin mit 805 mm. Im Tessin und Misox datieren die Rekordwerte vor allem aus den Jahren 1983 und 2002 mit Niederschlagsmengen von verbreitet 400 bis über 600 mm. Auf der Alpennordseite fielen in nassen Jahren im Mai rund 180 bis 280 mm Regen.

  • Besonders grau fiel der Mai in den Jahren 1983 und 1984 aus. In den Niederungen wurden damals bloss etwa 70 bis 100 Sonnenstunden beobachtet.

Wie war es bislang im Mai?

Bei einer Umfrage würde die Mehrheit der TeilnehmerInnen wahrscheinlich antworten: «kühl, grau und nass». Ein Sommertag wurde bislang nur in Genf, in Sion, in Basel und an einzelnen Stationen auf der Alpensüdseite gemessen. Die Anzahl Sonnenstunden waren bislang auch nicht das Gelbe vom Ei. Je nach Region wurden bis heute etwa 50 bis 89 Stunden Sonnenschein gemessen. Die Monatsmitteltemperatur ist jedoch, im Gegensatz zum subjektiven Empfinden vieler, bislang nach wie vor leicht über dem langjährigen Mittel.

Und was dürfen wir noch erwarten?

Bis Mitte der nächsten Woche setzt sich das wechselhafte und unterdurchschnittlich temperierte Wetter fort. Am Dienstag muss ausserdem besonders am Alpennordhang mit grösseren Niederschlagsmengen gerechnet werden. Danach zeigt der Trend mittlerweile aufwärts. Es besteht die Hoffnung, dass das Wetter ab Auffahrt wieder stabiler, sonniger und wärmer wird.