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Der Tauchgang der Temperatur der kommenden Tage

MeteoSchweiz-Blog | 02. August 2023
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In den kommenden Tagen sinkt die Temperatur. Wir schauen uns an wie tief, stellen das Ganze in einen Vergleich zur aktuellen Norm, betrachten dies im Vergleich zu früheren Sommern und erklären Ihnen, dass dies mit Klimawandel nichts am Hut hat.

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Ein Sturmtief (Patricia) mit Kern über Irland führte heute auf der Vorderseite mit einer starken südwestlichen Strömung noch sehr warme Luft zu uns. Dabei wurde punktuell nochmals ein Hitzetag verzeichnet. Dahinter dreht die Strömung auf Nordwest, in der Folge wird für die Jahreszeit kühle Luft zu uns geführt, ein weiteres Tief verlängert diesen Trend ab dem Wochenende.

In der untenstehenden Grafik ist die Abweichung der Höchsttemperatur von ihrer 30-Jährigen Norm dargestellt. Es ist schnell ersichtlich, dass das Wetter der kommenden Tage für kühle Temperaturen sorgen wird. Diese sind definitiv unterdurchschnittlich in Betracht auf die vergangenen Jahre. Denn normalerweise oder besser gesagt im Durchschnitt haben wir in der Zeitspanne zwischen 1991 und 2020 anfangs August wärmere Tageshöchsttemperaturen verzeichnet. Besonders die Deutsch- und Westschweiz sind davon betroffen, denn die Alpensüdseite bleibt mit der nordwestlichen Anströmung im Schutze der Alpen wetterbegünstigt. Es ist nicht so, dass die Kaltluft nicht über die Alpen in den Süden vordringen mag, aber mit dem Nordwind lösen sich die Wolken im Lee der Alpen auf. Damit kann die Sonnenstrahlung die tieferen Temperaturen dort etwas ausgleichen.

Natürlich denkt sich eine Vielzahl der Leser: «Also früher gab’s sowas nicht und sowieso wäre sowas dazumal völlig normal gewesen». Da können wir Ihnen nur halbwegs recht geben. Wir analysieren dies mit der folgenden Grafik.

Vergleicht man die Höchsttemperatur mit der 30-Jährigen Norm von 1961-1990 sehen wir, dass auch in diesen Jahren die Tageshöchsttemperaturen der kommenden Woche vergleichsweise kühle gewesen wäre. Zumindest auf der Alpennordseite. Im Süden wäre dieser Kaltluftausbruch nicht sonderbar auffällig gewesen. Es ist natürlich auch sofort ersichtlich, dass die Temperatur in der Schweiz (wie auch im Rest der Welt) über die letzten Dekaden angestiegen ist, dass also die kommenden kühlen Temperaturen aussergewöhnlicher geworden sind.

Natürlich fragen sich auch einige, ob es den Klimawandel, wegen den folgenden 5-7 kühlen Tagen gar nicht gibt, dazu bleibt Folgendes zu sagen:

Die Klimaänderung kann nicht anhand einzelner Wetter-Episoden interpretiert werden. Das Klima ist das Wetter über lange Zeit gemittelt. Als Klimaperiode werden 30 Jahre verwendet. Innerhalb einer solchen Klimaperiode gibt es zum Teil grosse Schwankungen von Jahr zu Jahr oder von Monat zu Monat. Das war früher so, das ist heute so, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Eine einzelne kühle Periode ist also überhaupt nicht repräsentativ für die laufende Klimaentwicklung. Von der vorindustriellen Periode 1871-1900 bis zur Periode 1993-2022 ist die Schweiz um 2 °C wärmer geworden. Die Temperatur des Jahres 2022 lag deutlich über den bisher wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Die fünf wärmsten Jahre seit Messbeginn wurde alle nach dem Jahr 2010 gemessen. Das ist die Charakteristik der laufenden Klimaänderung.

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