Inhaltsbereich

Vereisender Regen - oft ein gefährliches Phänomen

MeteoSchweiz-Blog | 17. Januar 2024
15 Kommentare

Heute trat in einigen Teilen der Alpennordseite wieder einmal vereisender Regen auf, was auch zu einigen Problemen führte. Wir werfen deshalb im heutigen Meteoblog einen Blick auf dieses zwar eher seltene, aber doch gefährliche Wetterelement.

  • Wetter

Fussbereich

Top Bar Navigation

Alle Schweizer BundesbehördenAlle Schweizer Bundesbehörden

Heutige Wetterlage führte zu vereisendem Regen

Das Tief "Irene" steuerte ab gestern Abend aus Südwesten feuchte und milde Luft zum Alpenraum. In Bodennähe dagegen blieb die kalte Luft vorerst erhalten. Dies ist eine recht typische Situation für vereisenden Regen.

Damit es zu vereisendem Regen kommt, ist es zunächst einmal nötig, dass der Schneefall beim Durchqueren der warmen Luftschicht schmilzt und fast oder vollständig in Regen übergeht.

Die bodennahe Kaltluft, wenn sie genug mächtig ist, kühlt die Regentropfen wieder auf unter 0 Grad ab. Das unterkühlte Wasser gefriert aber in der Atmosphäre nicht, denn in der Atmosphäre kann Wasser in flüssiger Form bis unter -30 Grad existieren. Gelangt nun dieses unterkühlte Wasser auf den Boden, gefriert es augenblicklich, was über kurz oder lang zu einer Eisschicht führt.

Die aktuelle Wetterlage war ein markantes Ereignis von vereisendem Regen, es gab allerdings auch in der Schweiz schon weit markantere Ereignisse.

Gegenstromlage als Hauptverantwortliche für vereisenden Regen

Die besten Voraussetzungen für vereisenden Regen bietet allerdings eine Gegenstromlage. Ideal für die Alpennordseite ist eine milde Südwestströmung, welche auf der kalten Grundschicht aufgleitet. In der kalten Grundschicht herrscht bei markanten Situationen eine Bisenströmung vor, welche laufend kalte Luft herantransportiert. Dabei kann es während vielen Stunden zu vereisendem Regen kommen, und dies unabhängig von der Tageszeit. In solchen Fällen kann auch recht starker Niederschlag fallen, was dann zu dicken Eisschichten mit entsprechenden Problemen führt. Im Extremfall können mehrere Zentimeter dicke Eisschichten Eisbruch im Wald hervorrufen, was grossflächig verheerende Waldschäden bewirkt. Ebenfalls sind Strassen- und Bahnverkehr derart beeinträchtigt, dass sie zum Erliegen kommen. Ein solchermassen schwerer Fall ist für die Schweiz bisher nicht bekannt, liegt aber im Bereich des Möglichen. In Slowenien kam es anfangs Februar 2014 zu einem derartigen Ereignis.

Regen in Genf, vereisender Regen im zentralen Mittelland und Schnee in St. Gallen - eine schwierig zu prognostizierende Situation

Manchmal kommt es vor, dass nur die östlichen Gebiete der Schweiz in einer Gegenstromlage liegen, während der äusserste Westen sich voll in der milden Luft befindet. Dann fällt beispielsweise in Genf Regen, während es in St. Gallen, weil dort die Kaltluftschicht genügen mächtig ist, zu Schneefall kommen kann. Dazwischen liegt meist eine Zone von vereisendem Regen. Da die bodennahe Konvergenzzone zwischen der Bise und dem Südwestwind bei solchen Wetterlagen oftmals hin- und herpendelt, kann es in einer bestimmten Zone zu mehrmaligen Wechseln zwischen Regen und vereisendem Regen kommen. Weiter im Osten sind auch mehrmalige Wechsel zwischen vereisendem Regen und Schneefall möglich.

Umfrage zur Strassenglätte-Warnung

Von Dienstagabend bis heute Mittwoch hat MeteoSchweiz eine Strassenglätte-Warnung der Stufe 3 herausgegeben. Wir möchten von Ihnen wissen, wie wir unsere Warnungen verbessern können. Möchten Sie uns dabei helfen? Dann können Sie jetzt an unserer Umfrage teilnehmen. Die Warnung galt nicht für alle Regionen in der Schweiz, es kann also sein, dass Sie nicht an der Umfrage teilnehmen können.

Im Rahmen des Programms OWARNA2 erneuert MeteoSchweiz das Unwetterwarnsystem. Ein wichtiges Ziel ist dabei, die Warnungen an die Bedürfnisse der Empfängerinnen und Empfänger anzupassen. Unsere Warnungen sollen den betroffenen Personen bestmöglich dabei helfen, die nötigen Massnahmen zum Schutz vor Unwettern zu ergreifen.

Um zu erfahren, ob dies gelingt, führt MeteoSchweiz regelmässig Umfragen durch. Die Befragungen werden von einem Markt- und Sozialforschungsinstitut mit einer repräsentativen Stichprobe von jeweils 500 Personen in der vom Unwetter betroffenen Region durchgeführt.