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Wechselhafter Juni mit Unwettern

MeteoSchweiz-Blog | 28. Juni 2024
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Das wechselhafte und oft sonnenarme Juniwetter brachte mehrmals starke Niederschläge. In einzelnen Regionen richteten die Wasserfluten grossen Schäden an. Sommerliche Hitze gab es nur an wenigen Tagen.

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Das landesweite Mittel der Junitemperatur beträgt aktuell 13,1 °C (Stand 27.06.2024). Damit liegt der diesjährige Juni aktuell 0,5 °C über der Norm 1991–2020. Der Juni ist heute in der Schweiz 3,7 °C wärmer als während der vorindustriellen Referenzperiode 1871–1900 (roter Klimatrend in Abbildung 1).

Oft regnerisch und sonnenarm

Wie bereits der Vormonat Mai verlief der Juni ausgesprochen wechselhaft mit häufigem Niederschlag. Eine längere Periode mit verbreitet drei bis vier niederschlagsfreien Tagen hintereinander gab es zwischen dem 16. und 20 Juni. Auf der Alpensüdseite war auch die Periode vom 4. bis am 7. Juni vielerorts niederschlagsfrei.

Die häufig regnerische Witterung liess der Sonne oft wenig Platz. Besonders trüb zeigten sich auf der Alpennordseite die ersten drei Junitage sowie die Periode vom 20. bis am 23. Juni. Aber auch zwischen dem 9. und 16. Juni gab es mehrere sehr trübe Tage. Auf der Alpensüdseite waren die trüben Perioden kürzer. Praktisch keinen Sonnenschein gab es im Süden am 14. und 15. sowie am 20., 21. und 23. Juni.

Bis am 26. Juni blieb die Sonnenscheindauer verbreitet deutlich unterdurchschnittlich. Lokal gab es nur etwas mehr als die Hälfte der durchschnittlichen Juni-Sonnenstunden. Was für ein Gegensatz zum Vorjahr. Der Juni 2023 war nördlich der Alpen an mehreren Messstandorten einer der drei sonnigsten seit Messbeginn. Basel, Luzern oder auch Zürich registrierten deutliche Junirekorde.

Hochwasser in der Ostschweiz

Der niederschlagsreiche Mai mit Starkniederschlägen am Monatsende und weitere kräftigen Niederschläge in den ersten Junitagen führten in der Ostschweiz vom Vierwaldstättersee bis zum Bodensee sowie dem Rhein entlang zu einer angespannten Hochwassersituation mit Überschwemmungen. Der Pegel des Bodensees stieg Anfang Juni in nur vier Tagen um rund 80 cm. Erneute Niederschläge ab dem 9. Juni liessen den Bodensee weiter ansteigen. Die Uferpartien wurden unter Wasser gesetzt.

Der Bodensee erreichte seinen Höchststand am 11. Juni. Anschliessend sank der Seepegel sehr langsam, da über den Alpenrhein immer noch viel Schneeschmelzwasser zufloss. Somit entspannte sich die Hochwasserlage nur zögerlich. Das Hochwasser am Bodensee entsprach einem Ereignis, das über einen langen Zeitraum betrachtet etwa alle 10 Jahre zu erwarten ist. Ähnlich hoch war der Seepegel letztmals im Jahr 2016.

Kurze heisse Periode

Über weite Strecken brachte die regnerische und sonnenarme Witterung unterdurchschnittliche Tagesmittel-Temperaturen. Hitzetage mit Tageshöchstwerten von 30 °C und mehr gab es auf der Alpennordseite und im Wallis am 18. und am 19. Juni und im Wallis auch am 27. Juni. Auf der Alpensüdseite wurden bis am 27. Juni keine Hitzetage mit Tageshöchstwerten von 30 °C und mehr registriert. Den Höchstwert meldete Stabio am 27. Juni mit 29,8 °C.

Unwetterlage

Am 21. Juni lag südlich der Alpen sehr warme Luft subtropischen Ursprungs. Gleichzeitig näherte sich aus Westen eine Kaltfront mit Gewittern. Sie überquerte die Schweiz im Laufe des Abends. Die ersten kräftigeren Niederschläge fielen bereits am Vorabend und in den Morgenstunden. Die Gewitter mit den höchsten Niederschlagsintensitäten entluden sich mit dem Durchgang der Front am Nachmittag und am Abend.

Unwetter im Wallis

Die von Süden her über die Alpen transportierte feuchtwarme Luft brachte in den südlichen Walliser Tälern vom Abend des 20. bis am Abend des 21. Juni verbreitet 40 bis 50 mm Niederschlag. Lokal erreichten die Mengen auch 70 bis 100 mm. Zusammen mit der Schneeschmelze aus der unmittelbar vorangegangen hochsommerlichen Periode ergaben sich grosse Abflussmengen. In der Region Zermatt kam es zu massiven Überschwemmungen mit grossen Schadensfolgen. Die Bahnlinie nach Zermatt wurde durch die Wasserfluten unterbrochen. Die Rhone im unteren Wallis führte Hochwasser.

Unwetter auf der Alpensüdseite

Auf der Alpensüdseite erreichten die Niederschlagsmengen über das ganze Ereignis hinweg verbreitet 30 bis 50 mm. Das am stärksten betroffene Misox erhielt Mengen von 60 bis 80 mm, lokal auch über 100 mm, wie die 124 mm an der Station Grono eindrücklich zeigten.

Der grösste Teil der Niederschläge fiel meist in sehr kurzer Zeit. In Grono wurden in nur 60 Minuten 63.7 mm gemessen. Die auf der Alpensüdseite höchsten Niederschlagsmengen innerhalb einer Zeitspanne von 60 Minuten wurden in Locarno Monti im August 1997 mit 91,2 mm und in Crana Torricella im Juni 2017 mit 80,5 mm registriert.

Im Misox hatte das Unwetterereignis verheerende Folgen. Südlich von Lostallo wälzte sich ein Murgang durch eine Siedlung und hinterliess grosse Schäden und auch Todesopfer. Einzelne Häuser wurden komplett weggerissen. Nördlich von Lostallo staute ein Murgang mit seinen Geschiebemassen den Fluss Moesa, der sich ein neues Flussbett suchte und dabei ein Stück der Autobahn mit sich riss.

Jura-Gewitter im Rekordbereich

Am 25. Juni führte ein Tiefdruckgebiet über Italien aus Osten feuchte Gewitterluft zur Schweiz. In mehreren Regionen der Schweiz entwickelten sich daraus Gewitter mit kräftigen Niederschlägen, die lokal zu Überschwemmungen führten. Extreme Mengen in kurzer Zeit gab es am Abend über dem Jura. Am Messstandort L’Auberson im Waadtländer Jura fielen innerhalb von zwei Stunden 112,9 mm Regen. Das ist die vierthöchste je im Messnetz von MeteoSchweiz gemessene 2-Stundensumme. Davon fielen 98,1 mm innerhalb einer Zeitspanne von 60 Minuten. Einen leicht höheren Wert zeigt nur die Messreihe vom Säntis. Im Juli 1991 wurden hier 99,5 mm Niederschlag über eine Zeitspanne von 60 Minuten registriert.

Kräftige Gewitterregen fielen lokal auch am 26. Juni und erneut gab es Überschwemmungen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni zogen Gewitter mit kräftigen Niederschlägen über das östliche Mittelland und den östlichen Alpennordhang.

Wie nass war der Juni?

Obwohl der Juni mit kräftigen Niederschlägen und Überschwemmungen von sich reden machte, erreichten die Junisummen bis gegen Monatsende in weiten Gebieten der Schweiz etwa die Norm oder blieben sogar etwas darunter. Mit den erwarteten Niederschlägen der letzten Tage des Monats können sich die Junisummen jedoch noch ändern.

Sommer- und Winterlinden in Vollblüte

Die Linden blühten im Juni 3 bis 4 Tagen früher als im Mittel der Periode 1991−2020. Damit kehrte die Vegetationsentwicklung wieder zurück zum normalen zeitlichen Fahrplan, nachdem sie im Frühling einen grossen Vorsprung von zwei Wochen aufwies. Dabei blühten die Sommerlinden ab Ende Mai, Anfang Juni und die Winterlinden ab etwa dem 10. Juni. Blühende Linden wurden gegen Ende Monat bis auf rund 800 m beobachtet.

Der Schwarze Holunder blühte im Juni oberhalb von rund 800 m. Insgesamt hatte seine Blüte einen Vorsprung von 12 Tagen auf das Mittel.  Dieser grosse Vorsprung wurde vor allem im Mai beobachtet, während er im Juni auf etwa 4 Tage zurückging. Die Weinreben blühten in diesem Jahr genau zu einem mittleren Zeitpunkt verglichen mit dem Mittel 1991−2020. In den Bergen konnte im Juni die Blüte der Vogelbeere, der Margeriten und der Nadelaustrieb der Fichten zu einem normalen Termin beobachtet werden.

Wie im Mai waren auch Im Juni gute Heutermine selten. Das Heu wurde vor allem vom 3. bis 5. Juni und vom 16. bis 19. Juni eingebracht, in der ersten Periode vom Flachland bis rund 1000 m und in der zweiten Periode vor allem in höher gelegenen Gebieten. Die Junitermine der Heuernte konnten im Vergleich zum Mittel als normal bis spät eingeordnet werden.

Der definitive Bericht zum Juni 2024 ist ab dem 10. Juli 2024 in der Rubrik Publikationen verfügbar.

Weiterführende Informationen

Bodensee erreichte Gefahrenstufe 4 (grosse Hochwassergefahr)