Weniger Regen als erwartet
Die gefallenen Niederschläge fielen in allen Regionen geringer aus als erwartet. Unter anderem wurde das Übergreifen der Niederschläge von Süden her über den Alpenkamm deutlich überschätzt. Die Schwellen für die ausgegebenen Warnungen wurden über die gewarnte Periode nicht überschritten, auch wenn die 12- und 18-Stunden-Niederschlagssummen auf der Alpensüdseite lokal die Warnschwellen der Stufe 4 erreichten.
Die Gründe, weshalb die Regenmengen im Vorfeld des Ereignisses so deutlich überschätzt wurden, können noch nicht abschliessend benannt werden.
Zuerst soll wie bereits in den Vortagen nochmals auf den Einfluss von Ex-Hurrikan «Erin» verwiesen werden. Der Hurrikan aus der Karibik hatte erwartungsgemäss die Umwandlung von einem tropischen Wirbelsturm in ein aussertropisches Tiefdruckgebiet vollzogen. Wie diese Umwandlung Unsicherheit in die Vorhersage bringt ist hier beschrieben. Und die Unsicherheit besteht nicht nur im Vorfeld, sondern bleibt auch bei den während eines Ereignisses neu berechneten Modellen oft erhöht.
Zudem sind Vorhersagen bei Südwestlagen allgemein schwierig. Und um eine solche Wetterlage handelte es sich bei diesem Regenereignis. Wenn viel Wasserdampf, der potentiell ausregnen kann, vom Mittelmeerraum zu den Alpen strömt, entstehen über Südfrankreich und dem Nordwesten Italiens meist sehr grosse und kräftige Gewitter. Deren Dynamik vorherzusagen ist schon schwierig genug, und allfällige Fehlprognosen haben «stromabwärts» von diesen Gewittern in der Schweiz auch Auswirkungen auf die Prognosezuverlässigkeit.
Weitere Unsicherheiten sind die komplexen Prozesse der Niederschlagsbildung innerhalb der Wolken, die Interaktion der Strömung mit dem komplizierten Relief des Alpenraumes und allfällige Einflüsse von Saharastaub auf die mikrophysikalischen Vorgänge in den Wolken – im aktuellen Fall wurde im Süden und in den Alpen (kaum merklich, weil vor lauter Bewölkung nicht sichtbar) Saharastaub registriert. Letzterer wird jedoch momentan in keinem operationellen Wettermodell adäquat berücksichtigt.