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Erste Bilanz der intensiven Niederschläge vom 27.-29. August
MeteoSchweiz-Blog | 29. August 2025

Zwischen Mittwochnachmittag und Freitagmorgen sind auf der Alpensüdseite 60 bis 120 mm, stellenweise gut 200 mm Regen gefallen. Am angrenzenden Alpenkamm und in Teilen Graubündens wurden 50 bis 90 mm registriert. Auf der Alpennordseite fielen im gleichen Zeitraum 20 bis 50 mm, im Jura bis 90 mm.

Maggia zwischen Locarno und Ascona, 28.08.2025
Maggia zwischen Locarno und Ascona, 28.08.2025 (Maggia zwischen Locarno und Ascona, 28.08.2025. Bild: Meteo Meldungen, MeteoSwiss App)
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Wetterlage

Zwischen Mittwochnachmittag und Freitagmorgen wurde – gesteuert von einer Tiefdruckzone über den Britischen Inseln – sehr feuchte und labil geschichtete Luft zum Alpenraum geführt. Wie bereits ausführlich an den Vortagen an dieser Stelle beschrieben, war das steuernde Zentraltief der Ex-Hurrikan «Erin». Zusätzlich sorgte ein kleinräumiges Teiltief mit dem Namen «Augustin», das von den Balearen Richtung Nordosten zog, für eine Verstärkung der Feuchtezufuhr zu den Alpen. Am Freitag hat diese nun nachgelassen und es kann eine Bilanz über das Niederschlagsereignis gezogen werden.

Zeitlicher Verlauf der Niederschläge

Die Niederschläge setzten im Laufe des Mittwochs ein, insbesondere im nördlichen Jura gab es erste kräftige Gewitterregen. Auf der Alpensüdseite und in den Alpen verstärkten sich die Niederschläge in der Nacht zum Donnerstag und erreichten in der Folge ihre intensivste Phase. Nach einer vorübergehenden trockenen Phase am Donnerstag in der zweiten Tageshälfte erreichte ein nächster Niederschlagsschub die Schweiz und es gab weiteren Regen. Am Freitagmorgen gab es nur noch auf der Alpensüdseite Regen, jedoch mit deutlich geringerer Intensität.

Abbildung 1: Satellitenbild und Bodenwetterkarte von Donnerstag, 28.08.2025 um 14 Uhr MESZ.
Abbildung 1: Satellitenbild und Bodenwetterkarte von Donnerstag, 28.08.2025 um 14 Uhr MESZ. (MeteoSchweiz)

Niederschlagsmengen

Zwischen Mittwochnachmittag und Freitagmorgen sind auf der Alpensüdseite 60 bis 120 mm Regen gefallen. Mehr waren es zwischen dem Centovalli, dem Onsernonetal und dem zentralen Teil des Maggiatals und dem oberen Verzascatal, wo bis zu 200 mm registriert wurden. Lokal wurden Spitzenwerte von bis zu 250 mm gemessen. In den Bündner Südtälern fielen 50 bis 100 mm, mit Höchstwerten von 120 bis 140 mm in Teilen des Misox und Bergells. Im Engadin waren die Niederschläge mit 25 bis 60 mm weniger intensiv.

Am Alpenkamm und in Teilen Mittelbündens wurden 50 bis 90 mm registriert. Auf der Alpennordseite fielen im gleichen Zeitraum 20 bis 50 mm, im nördlichen Jura und in den westlichen Voralpen 50 bis 90 mm.

Weniger Regen als  erwartet

Die gefallenen Niederschläge fielen in allen Regionen geringer aus als erwartet. Unter anderem wurde das Übergreifen der Niederschläge von Süden her über den Alpenkamm deutlich überschätzt.  Die Schwellen für die ausgegebenen Warnungen wurden über die gewarnte Periode nicht überschritten, auch wenn die 12- und 18-Stunden-Niederschlagssummen auf der Alpensüdseite lokal die Warnschwellen der Stufe 4 erreichten.

Die Gründe, weshalb die Regenmengen im Vorfeld des Ereignisses so deutlich überschätzt wurden, können noch nicht abschliessend benannt werden.

Zuerst soll wie bereits in den Vortagen nochmals auf den Einfluss von Ex-Hurrikan «Erin» verwiesen werden. Der Hurrikan aus der Karibik hatte erwartungsgemäss die Umwandlung von einem tropischen Wirbelsturm in ein aussertropisches Tiefdruckgebiet vollzogen. Wie diese Umwandlung Unsicherheit in die Vorhersage bringt ist hier beschrieben. Und die Unsicherheit besteht nicht nur im Vorfeld, sondern bleibt auch bei den während eines Ereignisses neu berechneten Modellen oft erhöht.

Zudem sind Vorhersagen bei Südwestlagen allgemein schwierig. Und um eine solche Wetterlage handelte es sich bei diesem Regenereignis. Wenn viel Wasserdampf, der potentiell ausregnen kann, vom Mittelmeerraum zu den Alpen strömt, entstehen über Südfrankreich und dem Nordwesten Italiens meist sehr grosse und kräftige Gewitter. Deren Dynamik vorherzusagen ist schon schwierig genug, und allfällige Fehlprognosen haben «stromabwärts» von diesen Gewittern in der Schweiz auch Auswirkungen auf die Prognosezuverlässigkeit.

Weitere Unsicherheiten sind die komplexen Prozesse der Niederschlagsbildung innerhalb der Wolken, die Interaktion der Strömung mit dem komplizierten Relief des Alpenraumes und allfällige Einflüsse von Saharastaub auf die mikrophysikalischen Vorgänge in den Wolken – im aktuellen Fall wurde im Süden und in den Alpen (kaum merklich, weil vor lauter Bewölkung nicht sichtbar) Saharastaub registriert. Letzterer wird jedoch momentan in keinem operationellen Wettermodell adäquat berücksichtigt.

Klimatologische Einordnung

Der Hauptteil der Niederschläge fiel innerhalb von 24 Stunden. In der Nacht vom 27. auf den 28. August bis am Abend wurden über 24 Stunden auf der Alpensüdseite lokal über 100 mm Niederschlag verzeichnet. Die grössten Mengen ergaben sich in Mosogno im Onsernonetal (206 mm) und in Cevio im Valle Maggia (159 mm). Ebenfalls über 100 mm wurden in Robièi im oberen Teil des Val Bavona (109 mm), in Bosco/Gurin (107 mm), bei Toricella/Crana (105 mm) und am San Bernardino (103 mm) erreicht. An den übrigen Stationen in der Südschweiz wurden maximale 24-Stundensummen von rund 30 bis 100 mm gemessen. Im Engadin und in den mit Stufe 5 bewarnten Gebieten zwischen dem Lukmanier, dem Splügen- und dem Julierpass lagen die 24-Stundensummen im Bereich von 20 bis 65 mm.

Abbildung 3: Wiederkehrperioden in Jahren der grössten 24-Stundensummen des Ta­ges für den 28. August 2025. Die Legende zeigt die Bereiche der Wiederkehrperioden (z.B. 5−10 Jahre).
Abbildung 3: Wiederkehrperioden in Jahren der grössten 24-Stundensummen des Ta­ges für den 28. August 2025. Die Legende zeigt die Bereiche der Wiederkehrperioden (z.B. 5−10 Jahre). (MeteoSchweiz)

Ein Grossteil der Niederschläge auf der Alpensüdseite fiel am 28. August im Zeitraum zwischen Mitternacht und Mittag. Die Messstation Mosogno registrierte eine maximale 12-Stundensumme von 184 mm, in Cevio wurden über diese Dauer 147 mm gemessen. In den übrigen Gebieten des Tessins blieben die maximalen 12-Stundensummen zwischen 35 und 95 mm. Diese Niederschlagssummen über 12 Stunden können, genauso wie die erreichten 24-Stundensummen, in den betroffenen Gebieten häufiger als jährlich oder etwa alle 1-3 Jahre überschritten werden.

Im westlichen Jura und Mittelland wurden in der Nacht vom 27. auf den 28. August in 24 Stunden verbreitet 40 bis 60 mm, lokal auch mehr gemessen. In Vevey wurden 94 mm, auf dem Chasseral knapp 88 mm erreicht. In Vevey entspricht dies einem Ereignis, dass etwa alle 10-20 Jahre überschritten werden kann. Die Messung auf dem Chasseral entspricht einer Jährlichkeit von 5 bis 10 Jahren. Einzelne weitere Stationen in den westlichen Landesteilen verzeichneten ebenfalls Niederschläge mit Jährlichkeiten in dieser Grössenordnung.

Entwicklung von Starkniederschlägen

Der Klimawandel beeinflusst die Intensität und Häufigkeit von starken Niederschlägen, auch in der Schweiz. Ereignisse, die ein bis dreimal pro Jahr auftreten, sind im Mittel heute um rund 30 % häufiger als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im gleichen Zeitraum nahm die Intensität der jährlich grössten Tagesniederschläge im Mittel um 12 % zu. An den meisten Messstandorten wurden starke Niederschläge in allen vier Jahreszeiten häufiger und intensiver. Diese Entwicklung dürfte künftig weitergehen, wenn die globalen Treibhausgasemissionen nicht deutlich gesenkt werden.