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Seegfrörni am Zürichsee 1963

Im Januar 1963 liess der letzte massive Eiswinter in der Schweiz grosse Seen gefrieren. Bereits der November 1962 endete in Zürich mit drei Eistagen. Im Dezember folgten 14, im Januar 1963 schliesslich 23 Eistage mit ganztags unter 0 °C.

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Der Winter 1962/63 war besonders streng, auch für die damalige Zeit mit deutlich tieferen Wintertemperaturen im Vergleich zu heute. Die massive Winterkälte äusserte sich am augenfälligsten im Zufrieren der meisten Seen des Mittellandes und im langen Bestehen der Schneedecke in tiefen Lagen.

Der Eiswinter

In Zürich sank die Tagesminimum-Temperatur gegen Ende Dezember 1962 während mehrerer Tage auf -10 bis -14 °C. Auch die Tagesmaximum-Temperatur verharrte während dieser Zeit im sehr tiefen Bereich von rund -10 °C.

Nach einem milderen Januarbeginn kam dann die anhaltende grosse Kälte. Zwischen dem 12. Januar und dem 7. Februar 1963 lag die Tagesminimum-Temperatur in Zürich fast regelmässig zwischen -12 und -17 Grad, und die Tagesmaximum-Temperatur blieb meist mehrere Grad unter dem Gefrierpunkt. Eistage waren an der Tagesordnung.

Die grosse Seegfrörni

Auf dem Zürichsee begann die Bildung der Eisdecke Mitte Januar 1963 bei Rapperswil am oberen Ende des Sees. Das Zufrieren des Seebeckens bei Zürich am 24. Januar 1963 vollendete die Seegfrörni. Am 1. Februar 1963 wurde die Eisdecke für die Bevölkerung freigegeben.

Die Eisdecke des Zürichsees blieb mit kurzen Unterbrüchen bis am 7. März 1963 begehbar. Anschliessend stieg in der Region Zürich auch die Tagesminimum-Temperatur wieder über den Gefrierpunkt. Am 26. und 27. März 1963 wurde die untere Seehälfte bei starkem Südwind innert zweier Tage eisfrei.

Kleinere Seen zuerst

Vor dem Zürichsee froren zunächst die kleineren Seen der Alpennordseite zu. So trug der Bielersee am 27. Januar 1963 schon Tausende von Besuchern. Die Eisdecke auf dem Bodensee schloss sich hingegen erst im Laufe des Februars. Der Untersee als Teil des Bodensees trug bereits in der zweiten Januarhälfte eine Eisdecke.

Keine Seegfrörni

Die Kälte des Winters reichte nicht aus, um den Genfersee, den Neuenburgersee, den Thuner- und Brienzersee, den Vierwaldstättersee und den Walensee zum Gefrieren zu bringen. Von diesen Seen gibt es, wenn überhaupt, nur wenige historische Berichte zu Vereisungen. Von den Seen auf der Alpensüdseite sind offenbar in geschichtlichen Zeiten überhaupt keine totalen Vereisungen bekannt.

Eisige Polarluft

Auslöser der Seegfrörni war der anhaltende Zustrom eisiger Polarluft, eingebettet in eine weit ausholende Wellenbewegung der atlantischen Atmosphäre. Sie bewirkte auf der amerikanischen Seite des Atlantiks eine kräftige Warmluftzufuhr vom Westatlantik nach Grönland. Über der Arktis wechselte die Strömung auf Richtung Süd. Das ermöglichte den Zufluss polarer Kaltluft nach Mitteleuropa und bis ins Mittelmeergebiet. Mit einem erneuten Richtungswechsel über dem Mittelmeer floss in der östlichen Fortsetzung milde Luft nach Sibirien. Durch diese grossräumige Verschiebung von Luftmassen lag die Temperatur in Grönland um 5 °C und in Sibirien sogar um 8 °C über dem damaligen Normalwert für die Jahreszeit.

Der lange Weg zum Eis

Das beschriebene Wettermuster war im Winter 1962/63 offenbar ungewöhnlich beständig, wie dem Seegfrörni-Bericht in den Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt aus dem Jahr 1963 zu entnehmen ist. Es war die ideale Konstellation für eine Seegfrörni: Grosse Kälte über lange Zeit.

Bei der Abkühlung nach der sommerlichen Erwärmung beginnt eine zeitintensive Umschichtung des Seewassers. Ein an der Wasseroberfläche abgekühltes Wasserpaket sinkt wegen der Dichtezunahme bis in die Tiefe mit gleicher Umgebungstemperatur, also mit gleicher Dichte. An seiner Stelle steigt ein wärmeres Wasserpaket an die Oberfläche, welches daraufhin selber abgekühlt wird und absinkt. Bei fortschreitender Abkühlung steigt das gleiche Wasserpaket mehrmals wieder zur Oberfläche, um weiter abgekühlt zu werden. Dieser Prozess hält solange an, bis die gesamte Wassersäule die Temperatur von 4 ˚C erreicht hat. Bei dieser Temperatur hat das Wasser seine grösste Dichte und die Umschichtung ist beendet. Noch kühleres Wasser ist weniger dicht und bleibt an der Oberfläche liegen. Die weitere Abkühlung bis zur Eisbildung erfasst dann nur noch die oberste Wasserschicht.

Wann gefriert der Zürichsee?

Für eine Zürichsee-Gfrörni mit tragfähiger Eisdecke von 12 cm benötigt es rund 350 sogenannte Minusgradtage. Das zeigten Analysen der vergangenen Seegfrörnen. Summiert wird dabei die Tagesmittel-Temperatur jedes Tages mit einer negativen Tagesmittel-Temperatur ab dem 1. November. Die Summe von minus 350 ist bei anhaltenden Kaltluftbedingungen aus Erfahrung ab Ende Januar zu erwarten.

Der letzte Eiswinter

Die Schweiz erlebte 1962/63 den letzten massiven Eiswinter. In der Messperiode davor gab es in grösseren Zeitabständen hin und wieder ähnlich kalte Winter, die auch zu Seegfrörnen grosser Seen mit begehbarem Eis führten. Mit dem kräftigen Anstieg der Wintertemperatur in den letzten Jahrzehnten sind jedoch solche Ereignisse aus dem Winterklima der Schweiz verschwunden.

Die Seegfrörni 1963 in den Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt aus dem Jahr 1963: