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Die Qualität unserer Unwetterwarnungen im Jahr 2023

MeteoSchweiz-Blog | 08. Mai 2024
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MeteoSchweiz berichtet jährlich im Rahmen des IAFP (Integrierter Aufgaben- und Finanzplan des Bundes) dem Bundesrat und dem Parlament über die Qualität der Unwetterwarnungen. In diesem Blogbeitrag erläutern wir die Werte für das vergangene Jahr 2023.

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MeteoSchweiz warnt die Bevölkerung sowie die Behörden vor den Gefahren des Wetters. Unser Anspruch dabei ist es, die Öffentlichkeit und unsere Partnerinnen und Partner mit möglichst präzisen und frühzeitigen Informationen zu bevorstehenden Wetterereignissen zu beliefern. Diese und weitere wichtige Aufgaben von MeteoSchweiz sind im Bundesgesetz über die Meteorologie und Klimatologie (MetG) sowie in der Bevölkerungsschutzverordnung (BevSV) festgehalten.

Wie verifizieren wir unsere Warnungen?

Um die Qualität unserer Unwetterwarnungen der Warnstufen 3, 4 und 5 objektiv zu messen, werden flächige Warnereignisse nach vordefinierten Kriterien verifiziert. Dazu zählen Ereignisse wie Wind, Regen, Schnee, vereisender Regen oder Hitze. Jede Warnstufe ist an Schwellenwerte gebunden, die zum Teil regionale und höhenabhängige Unterschiede aufweisen (Erläuterungen der Gefahrenstufen).

Warnereignisse werden in Bezug auf die vorhergesagten Grössen (Regenmengen, Neuschneesummen, Windböen etc.) bewertet, indem diese mit den tatsächlich eingetroffenen Werten verglichen werden. Ebenso wird geprüft, ob der bewarnte Zeitraum das Ereignis zeitlich korrekt abdeckte.

Bezüglich der räumlichen Verifikation wird eine Warnung als «Treffer» gewertet, wenn mehr als die Hälfte der gewarnten Fläche die Kriterien erfüllt. Die in einer Warnung vorhergesagten Böenspitzen, Neuschnee- oder Regenmengen müssen somit nicht zwangsläufig überall im gewarnten Gebiet eintreffen, um eine Warnung als «Treffer» zu bewerten. Umgekehrt fliesst ein Wetterereignis, für das keine Warnung ausgegeben wurde, als «verpasstes» Ereignis in die Bewertung ein.

Die Unwetterereignisse ab Warnstufe 3 werden wie folgt analysiert:

  • A: Korrekte Warnung («Treffer»)
  • B: Unnötige Warnung («Falschalarm»)
  • C: Verpasstes Ereignis (Es trat ein Ereignis auf, das jedoch nicht oder nur ungenügend bewarnt wurde)
  • D: Es gab weder ein Ereignis noch eine Warnung

Aus den Klassifikationen aller Ereignisse werden die folgenden Qualitätsmerkmale ermittelt:

  • Trefferquote POD = A/[A+C]
  • Falschalarmquote FAR = B/[A+B]

Die Trefferquote gibt den Anteil an korrekten Warnungen, die Falschalarmquote den Anteil an unnötigen Warnungen wieder. Eine Trefferquote – beispielsweise über ein Jahr betrachtet – von 100 % und eine Falschalarmquote von 0 % entspräche einer perfekten Warnleistung.

Mit den kantonalen Behörden wurden Qualitätsanforderungen unserer Wetterwarnungen ab Warnstufe 3 vereinbart. Über ein Jahr betrachtet muss die Trefferquote mindestens 85 % betragen, und die Falschalarmquote darf nicht 30 % übersteigen.

Warnleistung des vergangenen Jahres 2023

Die Qualitätsanforderungen bezüglich den Unwetterwarnungen wurden 2023 mit einer Falschalarmquote von 15 % und einer Trefferquote von 90 % deutlich erfüllt, bei gleichzeitig unterdurchschnittlicher Anzahl an Wetterereignissen im Vergleich zum langjährigen Mittelwert.

Der Winter 2022/2023 war über weite Strecken und Gebiete sehr schneearm. Markante Schneefallereignisse waren entsprechend selten, auf der Alpensüdseite blieben sie gänzlich aus. Die Anzahl an Schneewarnungen im Warnjahr 2023 fiel damit sehr tief aus. Auch Winterstürme traten kaum auf.

Der Frühling 2023 war regional sehr nass. Lokal war er sogar einer der nässesten seit Messbeginn. Dennoch traten kaum Niederschlagsereignisse ab der Warnstufe 3 auf. Meist erreichten die Niederschlagsereignisse nur die Kriterien der Warnstufe 2.

Der Sommer 2023 war im landesweiten Mittel der fünftwärmste seit Messbeginn 1864. Hitzewellen traten im Juli und im August auf. Jene im August war mit rund 14 aufeinanderfolgenden Hitzetagen auf der Alpensüdseite, im Zentralwallis sowie in Teilen der Westschweiz aussergewöhnlich lang. In Genf und in Sion war es die bis dato zweitintensivste 14-Tageshitzeperiode. Hitzewarnungen wurden in der Anzahl etwas überdurchschnittlich ausgegeben.

Der Herbst brachte zunächst dank Hochdruckeinfluss ruhiges und sehr warmes Wetter. Ab November stellte die Wetterlage im Alpenraum um. Wiederholte Westströmungen brachten ausgiebig Niederschlag, was letztlich über das ganze Jahr betrachtet, zu einer durchschnittlichen Anzahl an Regenwarnungen der Warnstufe 3 führte.

Drei intensive Unwetterereignisse, die das Wetterjahr 2023 prägten:

  • Sturm Mathis, 31. März 2023: Ein für die Jahreszeit sehr kräftiger Weststurm mit eingelagerten Gewittern hob in der Westschweiz zwei Züge aus den Gleisen. Die stärksten Böen in den Niederungen erreichten Geschwindigkeiten bis zu 136 km/h.
  • Gewittersturm in La Chaux-de-Fonds, 24. Juli 2023: Extreme Abwinde (Downburst) verursachten massive Schäden an Infrastruktur und Landschaft.
  • Ergiebige Niederschläge auf der Alpensüdseite und in Graubünden, 26. bis 29. August 2023: Über drei Tage fielen in den besagten Gebieten sehr hohe, teils rekordhohe Niederschlagsmengen, die im Schnitt nur alle 10 bis 20 Jahre, lokal sogar nur alle 30 bis 50 Jahre zu erwarten sind.

Kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung der Warnungen

Das aktuelle Warnsystem von MeteoSchweiz ist seit einigen Jahren in Betrieb. Um den ständig wachsenden Anforderungen und Bedürfnissen der Öffentlichkeit und der Behörden weiterhin gerecht zu werden, arbeitet MeteoSchweiz seit 2020 an einer neuen Generation von Unwetterwarnungen. Eine Warnung zeigt nur Wirkung, wenn sie verstanden und beachtet wird. Bei der gesamtheitlichen Erneuerung des Warnsystems spielen deshalb die gewonnenen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Behörden sowie der Öffentlichkeit eine zentrale Rolle. Beispielsweise wurde der direkte Austausch zwischen den Meteorologinnen und Meteorologen von MeteoSchweiz und den Behörden mit der Einführung einer Videokonferenz bei Unwetterereignissen verbessert. Daneben führt MeteoSchweiz im Jahr 2024 eine neuen Generation von Wetter- und Klimamodellen ein.