Gewitter- und Blitzhäufigkeit in der Schweiz

Nachdem wir uns in den letzten Blogs mit der Entstehung und Charakterisierung der Gewitter, sowie mit der Hagelforschung beschäftigt haben, werfen wir in diesem Blog einen Blick auf die Gewitter- und Blitzklimatologie der Schweiz.

 

Gewitterhäufigkeiten in der Schweiz

Gewitter sind charakteristisch für heisse Sommertage. Die feuchte Luft am Boden ist stark erhitzt und lässt eine vertikale Aufwärtsbewegung entstehen, meist bis in Höhen von 10 km und mehr. Die schnelle Hebung führt zu Kondensation mit entsprechender Wärmefreisetzung, wodurch die Aufwärts­bewegung zusätzlich beschleunigt wird. Zu starker Hebung warmer Luft kommt es auch beim Durchzuge einer Kaltfront. Man spricht dann von Kaltfrontgewittern. Solche können zuweilen auch im Winter auftreten. Sie sind normalerweise jedoch weit weniger heftig als sommerliche Gewitter.

Anzahl Gewittertage an ausgewählten Orten in der Schweiz

Regionale Gewitterhäufigkeit

Viel Wärme und viel Feuchtigkeit sind die Grundvoraussetzungen für die sommerliche Gewitterbildung. Die warmen Sommer auf der Alpensüdseite führen entsprechend zu häufigen Gewittern. Auf der Alpensüdseite trägt zusätzlich die Alpenkette wesentlich zur Gewitterbildung bei. Strömt feuchtwarme Mittelmeerluft über die Alpen, bewirkt die schnelle mechanische Hebung der warmen Luft in eine viel kühlere Umgebung eine zusätzliche vertikale Aufwärtsbewegung, wodurch oft heftige Gewitter ausgelöst werden. Im trockenen Alpeninnern wie im Wallis, in Nord- und Mittelbünden und im Engadin fehlt die Feuchtigkeit. Gewitter sind hier eine eher seltene Erscheinung.

Auf der Alpennordseite ist in der Zentralschweiz eine leicht erhöhte Gewittertätigkeit zu beobachten. Möglicherweise ist dies auf die Napfregion zurückzuführen. Wird bei klassischen Gewitterlagen warmfeuchte Luft aus Südwesten über das Genferseebecken ins Mittelland transportiert, steht das Napfgebiet der Strömung als erstes grösseres Hindernis im Weg. Auch hier führt die schnelle Hebung der Luft zu Kondensation mit entsprechender Wärmefreisetzung, wodurch die Aufwärtsbewegung zusätzlich beschleunigt wird. Der Napf als sogenannte Gewitterschanze ist also ein idealer Ausgangspunkt für die Gewitterbildung.

Blitzhäufigkeit Schweiz

Für das Mittelland ergibt sich eine Häufigkeit von rund 1 bis 2.5 Blitzeinschlägen pro Jahr und Quadratkilometer. Vor allem in Grat- und Gipfellagen liegt die Häufigkeit der Blitzeinschläge über 3 pro Jahr und Quadratkilometer. Im südlichen Tessin ist die Häufigkeit der Blitzeinschläge in tiefen Lagen mit flächig über 3 pro Jahr und Quadratkilometer am höchsten.

Mittlere Blitzhäufigkeit Schweiz

Wenn man die verschiedenen Regionen grosszügig mittelt, erhält man über die ganze Schweiz etwa 1.5 Blitzeinschläge pro Jahr und Quadratkilometer.

Für die ganze Fläche der Schweiz heisst das im langjährigen Durchschnitt rund 60'000 bis 80'000 Blitzeinschläge pro Jahr, wobei hier nur die Hauptblitze ohne Nebenblitze berücksichtigt sind. Oft sind noch 1 bis 2 Nebenblitze zu beobachten, wodurch dann die Zahl entsprechend höher liegt, vielleicht bei rund 150'000 Blitzeinschlägen pro Jahr.

Eine grobe unsichere Schätzung zur Gesamtzahl der Blitze pro Jahr über der Schweiz, Einschläge plus Wolken-Wolken-Blitze, dürfte etwa beim 2- bis 3-fachen der Blitzeinschläge liegen.

Die Blitzverteilung über Europa

In diesem Blog haben wir erfahren wo es in der Schweiz am meisten blitze und donnert, aber wie sieht diese Statistik eigentlich im europäischen Vergleich aus?

Die Schweiz belegt in der europäischen Blitzhäufigkeit einen Spitzenplatz, wie auf der folgenden Karte zu sehen ist.

Am meisten blitzt es am Comersee

In der Untersuchung von G. Anderson und D. Kluggmann (A European lightning density analysis using 5 years of ATDnet data ) welche auf die Daten des  Blitzerfassungsnetzes ATDnet vom Britischen Wetterdienst basiert, ist die Blitzdichte über Europa abgebildet. Neben einem Schwerpunkt über den Karnischen Alpen (Provinz Udine, Italien) ist ein Band mit hohen Blitzraten vom Piemont über das Tessin bis in die Lombardei sichtbar. Das absolute Maximum mit > 6.5 Blitzen pro Jahr und Quadratkilometer liegt am südöstlichen Arm des Comersees bei der Stadt Lecco.  Erfasst wurden bei dieser Untersuchung primär die Wolken-Bodenblitze (CG-strokes). Die Ergebnisse passen damit ideal zu der oben präsentierten Klimatologie der Blitze auf Schweizer Boden. Auch hier wurden besonders die Wolken-Boden Blitze erfasst. Im Südtessin lag die maximale Blitzhäufigkeit in der Periode 2000 bis 2016 bei rund 4 Blitzen pro Jahr und Quadratkilometer (siehe Grafik Blitzhäufigkeit in der Schweiz weiter oben).

Im nächsten Blog nehmen wir sie mit auf eine Weltreise zu den extremsten Gewittern dieses Planeten. Nur so viel sei schon verraten: Die hiesigen Blitzraten nehmen sich im Vergleich dazu sehr bescheiden aus!